Im Jahr 2024 wenden sich 832 Frauen an die vier Beratungsstellen für Frauen in Gewaltsituationen in Südtirol – 72 mehr als 2023. Gewalt tritt meist in mehreren Formen gleichzeitig auf; am häufigsten wird psychische Gewalt (90 Prozent) gemeldet, gefolgt von körperlicher Gewalt (64 Prozent).<h3> Am stärksten betroffen sind die 30- bis 34-Jährigen</h3>23 Prozent der Betroffenen berichten von sexueller Gewalt, 15 Prozent von Stalking; die wirtschaftliche Gewalt nimmt um 6,3 Prozent zu.<BR />Die meisten Betroffenen sind zwischen 30 und 49 Jahren (51 Prozent), gefolgt von den 20- bis 29-Jährigen (21 Prozent). Vier Prozent sind jünger als 19, zehn Prozent zwischen 50 und 59 und sieben Prozent älter als 60. <BR /><BR />Am stärksten betroffen sind die 30- bis 34-Jährigen mit 12,2 Gewaltopfern je 1.000 Einwohnerinnen. Die Mehrheit der Betroffenen sind italienische Staatsbürgerinnen (54 Prozent in Wohneinrichtungen, 64 Prozent in Beratungsstellen).<h3> Zugang zu geschützten Wohneinrichtungen erfolgt zu 39 Prozent über Beratungsstellen</h3>In 62 Prozent der Fälle ist der Täter der aktuelle Partner, in 20 Prozent ein Ex-Partner, in zwölf Prozent ein anderes Familienmitglied. In 44 Prozent der Fälle besitzen Täter und Opfer die italienische Staatsbürgerschaft, in 32 Prozent beide eine ausländische, in je neun Prozent handelt es sich um gemischte Herkunft.<BR /><BR />Der Zugang zu geschützten Wohneinrichtungen erfolgt zu 39 Prozent über Beratungsstellen, zu 17 Prozent direkt, zu 15 Prozent über Sicherheitskräfte. <h3> In Einrichtungen werden 90 Prozent der Leistungen direkt vor Ort erbracht</h3>Die Einrichtungen bieten 38 Wohnungen mit 106 Betten. 2024 werden 135 Frauen in akuten Notsituationen und 57 Frauen im Rahmen geplanter Aufnahmen untergebracht. Zudem werden 130 Kinder im Notfall und 81 Kinder bei geplanten Aufnahmen aufgenommen. Die reguläre Aufenthaltsdauer beträgt 180 Tage, verlängerbar bei Bedarf.<BR /><BR />In den Einrichtungen werden 90 Prozent der Leistungen direkt vor Ort erbracht; 36 Prozent sind persönliche Beratungen. Nach Entlassung erhalten Frauen am häufigsten Beratung und Unterstützung bei Schriftstücken (46 Prozent). 25 Prozent kehren in die frühere Wohnung zurück, 24 Prozent finden eine neue Mietwohnung, 14 Prozent ziehen zu Verwandten oder Bekannten.<h3> Italien: 77 Femizide in diesem Jahr</h3>„Seit Jahresbeginn wurden 77 Frauen getötet und mindestens 68 haben einen Mordversuch überlebt. Eine nach wie vor erschütternde Bilanz, zu der sich neue Formen von Gewalt in digitalen Räumen gesellen, begünstigt durch künstliche Intelligenz und das Fehlen einer angemessenen Regulierung des Netzes.“<BR /><BR />So äußert sich die Vorsitzende der Autonomiegruppe im Senat, Julia Unterberger, in einer Mitteilung zum heutigen 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen.<BR /><BR />„Im vergangenen Jahr wurden auf legislativer Ebene wichtige Fortschritte erzielt. Einige Maßnahmen warten nur noch auf die endgültige Zustimmung des Parlaments: die Einführung der lebenslangen Freiheitsstrafe in allen Fällen von Femizid, sowie die Klarstellung, dass jeder sexuelle Akt ohne die freie und aktuelle Zustimmung der Frau als sexuelle Gewalt gilt.