Mit der Südtiroler „Müllproduktion“ geht es leider wieder aufwärts. Zahlen aus dem Jahr 2022 zeigen, dass die Müllmengen nach den Conora-Jahren wieder deutlich ansteigen. Diese Tatsache hat in erster Linie einen Grund. <BR /><BR />Schaut man sich Südtirols Daten zu den Müllmengen (aus dem jüngsten statistischen Jahrbuch des Landesstatistikinstitutes Astat, siehe Grafik) an, dann fallen 2 Dinge auf: Die Hausmüllmenge ist von 2015 bis 2022 um fast 4000 Tonnen angestiegen, die Gesamtmüllmenge um über 20.000 Tonnen. Und: Beim Hausmüll gibt es eine „Delle“ für die Jahre 2020 und 2021. Haben die Südtiroler in diesen Jahren weniger Müll produziert? „Nicht die Südtiroler, die Touristen“, erklärt der Amtsdirektor. 410 Kilo Hausmüll produzierte im Durchschnitt jeder Südtiroler 2022. In diese Zahl, so erklärt Angelucci, fließen auch die Touristen ein. Umgerechnet auf das ganze Jahr hat Südtirol nämlich dadurch 120.000 „Einwohner“ mehr. Während der Corona-Pandemie sind diese zusätzlichen Einwohner weggefallen – und die Müllmenge entsprechend gesunken. „Jetzt geht sie wieder rauf“, sagt Angelucci – „ein Ausdruck unserer Konsumgesellschaft“. <h3> 2022: 165.000 Tonnen Müll in getrennter Sammlung</h3>Wenn schon nicht mit der Müllvermeidung, mit der Mülltrennung der Südtiroler ist Angelucci aber durchaus zufrieden. Mehr als 165.000 Tonnen sind 2022 in der getrennten Müllsammlung gelandet. Das meiste davon war Biomüll (39.000 Tonnen), knapp dahinter Papier und Karton (37.600 Tonnen). Zudem wurden rund 27.600 Tonnen Glas gesammelt und 22.000 Tonnen Abfälle aus Gärten und Parkanlagen. <h3> Biomüll bleibt zur Gänze in Südtirol</h3>Doch was passiert mit dem getrennten Müll? <BR />„Der Biomüll bleibt zur Gänze im Land und wird entweder kompostiert oder in der Biogasanlage in Lana vergoren“, klärt Angelucci auf. Das gesammelte Glas, Kunststoffe, Metall und Papier wird in Südtirol hingegen nur „voraufbereitet“: „Papier und Kartonagen werden gepresst, Kunststoffe aussortiert und überall Fremdstoffe entfernt“, so Angelucci. <h3> Glocken oder Recyclinghof – eine Frage der Kosten</h3>Danach wandert der Südtiroler Müll zum eigentlichen Recycling in die Poebene. Und das bringt auch noch Geld: „Produzenten von Verpackungen zahlen nach einem bestimmten Schlüssel in einen gesamtstaatlichen Fonds, aus dem dann die Gemeinden je nach ihren getrennten Müllmengen Geld erhalten“, erklärt der Abfall-Experte das Prozedere. <BR />Und das hat indirekt Auswirkungen auf die Art und Weise, wie in einer Gemeinde die Mülltrennung funktioniert. „Für den Bürger sind die üblichen Müllglocken für Glas, Papier, Dosen und mancherorts auch Plastikflaschen sehr bequem. Sie sind fast überall ohne ,Öffnungszeiten‘ zugänglich und wohnortnah. Aber es gibt hier keine Kontrolle“, erläutert Angelucci. Die Folge: Es landet viel „artfremder“ Müll darin. <BR />Gemeinden, die den Fokus auf gut getrennten Müll legen, bieten weniger (etwa nicht für Plastikflaschen) oder gar keine Glocken an und setzen auf die Recyclinghöfe, bei denen Personal überwacht, was der Bürger entsorgt. „Für manche Bürger ist das aber ein Problem, sei es, wegen der knappen Öffnungszeiten, sei es, weil sie kein Auto haben. Man nimmt also in Kauf, dass manche Bürger weniger trennen, weil dafür der getrennte Müll hochwertiger ist“, sagt Angelucci – und fügt hinzu: „Beides hat also Vor- und Nachteile, und in jedem Fall haben die Gemeinden hier noch Spielraum nach oben. Meiner Meinung nach wird viel zu viel auf die Kosten geschaut und zu wenig auf die Qualität der Dienstleistung“. <BR />Nimmt man die Müllmengen aus der getrennten Sammlung heraus, dann landet der Rest laut Astat-Daten zu 72 Prozent in der Müllverbrennungsanlage, 24 Prozent werden kompostiert oder vergärt. Und weitere 4 Prozent landen auf Mülldeponien (Daten für 2022).