Dienstag, 13. Dezember 2016

Südtirol rutscht von 1 auf 7: Kompatscher hinterfragt Ranking

Als die Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ im vergangenen Jahr ihr Ranking zur Lebensqualität im Staat veröffentlichte, rangierte Südtirol noch an höchster Stelle. Nun, ein Jahr später, ist Südtirol auf den 7. Platz abgerutscht – und der Landeshauptmann ist skeptisch.

Nicht Bozen, so wie im gesamten Land, lebt es sich nach wie vor sehr gut. Allerdings nicht mehr am besten. Zumindest laut aktuellem Ranking von "Il Sole 24 Ore".
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Nicht Bozen, so wie im gesamten Land, lebt es sich nach wie vor sehr gut. Allerdings nicht mehr am besten. Zumindest laut aktuellem Ranking von "Il Sole 24 Ore". - Foto: © shutterstock

In einer Pressemitteilung, die das Landespresseamt am Dienstagabend verschickte, ruft Arno Kompatscher dazu auf, einen „Blick hinter die Kulissen“ zu werfen. Denn: Ausschlaggebend für den Abstieg waren laut Kompatscher einige Parameter, "die es zu hinterfragen gilt".  

Was die Ausgaben im Sozialbereich angeht, so nimmt Südtirol in der Studie von "Il Sole 24 Ore" den 102. Platz ein. Berücksichtigt würden dabei die Prokopf-Ausgaben für Maßnahmen zugunsten von Minderjährigen, von alten und armen Menschen. Dieser Vergleich stimmt natürlich nicht, meldet sich die zuständige Landesrätin Martha Stocker in der Aussendung zu Wort. Der Fehler liege darin, dass sich die Prokopf-Ausgabe auf die Gemeinden beziehe, in Südtirol die Sozialleistungen fast ausschließlich aus dem Landeshaushalt und nicht von den Gemeinden bestritten werden.

Im Bereich des Ehrenamtes, in dem Südtirol im Ranking ebenfalls nicht besonders gut abschneidet, berücksichtige die „Sole“-Erhebung die 2130 ehrenamtlichen Organisationen, die im entsprechenden Landesverzeichnis eingetragen sind, nicht. Erhoben wurden nur jene ONLUS-Organisationen, die im Verzeichnis der staatlichen Agentur für Einnahmen aufscheinen.

"Was den Bereich Kultur und Freizeit anbelangt, bleibt unser dicht und kapillar organisiertes Vereinswesen unberücksichtigt, das mit dem bloßen Kriterium der Eintragung von ONLUS-Organisationen bei der Agentur für Einnahmen nicht erfasst werden kann. In jeder Gemeinde gibt es eine Vielzahl von Vereinen und ehrenamtlichen Organisationen, die im Vergleich des 'Sole' nicht aufscheinen“, sagt auch Kulturlandesrat Philipp Achammer. Bei der Auflistung der Eintritte zu Kulturveranstaltungen blieben zudem die Besuche von Aufführungen - beispielsweise von Volksbühnen und Musikkapellen - unberücksichtigt.

Gemeinsam mit seinem italienischen und ladinischen Kollegen Florian Mussner und Christian Tommasini beklagt Landesrat Achammer auch, dass bezüglich der Lesekultur nur die Buchhandlungen gezählt würden, die Tatsache aber, dass es in jeder Gemeinde eine öffentliche Bibliothek gäbe, teilweise mit mehreren Bibliotheksstellen und überall mit hohen Entlehnungszahlen, bleibe gänzlich ausgeblendet.

Was das Bildungswesen angehe, beschränke sich das Ranking auf das Zählen akademischer Abschlüsse, beanstanden die Landesregierungsmitglieder, die Berufsbildung, die für ganz Italien vorbildhaft sei, werde nicht berücksichtigt.

stol