Auslöser der Debatte war ein Entschließungsantrag der Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und NEOS zur Unterstützung der Pläne der Südtiroler Landesregierung, in Bozen ein Zentrum für Autonomie- und Minderheitenrechte einzurichten. Das Zentrum könnte nicht nur Geschichte und Charakteristika der Südtirol-Autonomie aufbereiten, sondern auch ein internationales Dokumentationszentrum für Minderheiten- und Autonomiefragen werden, sind ÖVP, SPÖ und NEOS überzeugt. Für sie sei die Südtirol-Autonomie ein international anerkanntes Beispiel dafür, wie ein Konflikt über die Rechte von Minderheiten beigelegt und transformiert werden kann. Dem Antrag stimmten schließlich alle Fraktionen im Nationalrat zu, auch die oppositionellen Grünen. Nicht aber die Freiheitlichen (FPÖ). <BR /><BR />Vonseiten der FPÖ kam stattdessen scharfe Kritik. Südtirolsprecher <b>Cristofer Ranzmeier</b> sagte, „Österreich ist vom Anwalt Südtirols zum Bettvorleger Roms geworden“. Die Koalitionsparteien würden falsche Schwerpunkte setzen und die Autonomie Südtirols mit der kürzlich beschlossenen Autonomiereform „als abgeschlossene Sache verklären“. Er übte auch heftige Kritik an Landeshauptmann Kompatscher.<BR /><BR />Mit drei eigenen Anträgen forderten die Freiheitlichen eine umfassende Amnestie für ehemalige Südtiroler Freiheitskämpfer, den uneingeschränkten Erhalt der deutschen Unterrichtssprache sowie ein klares Bekenntnis Österreichs zum Selbstbestimmungsrecht der deutschen und ladinischen Volksgruppe in Südtirol. Die Anträge fanden außerhalb der FPÖ-Fraktion keine Zustimmung, sorgten aber für eine Fortsetzung des Schlagabtausches. <BR /><BR />„Freiheitskämpfer in der Ukraine anzuerkennen, jene aus Südtirol aber nicht, ist eine schräge Auslegung der Geschichte“, kritisierte der Tiroler FPÖ-Abgeordnete <b>Peter Wurm</b> in Richtung Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS). Weiters sei die Möglichkeit für Südtiroler, eine österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten, „das Mindeste“. Schließlich stehe Südtirol gerade deshalb auf sicheren Beinen, weil sich frühere Generationen diesen Status gegen die Faschisten erkämpft hätten. Seitens der NEOS hielt Südtirol-Sprecher <b>Dominik Oberhofer</b> dagegen. Er warf Ranzmeier wörtlich „Deutschtümelei“ vor.<BR /><BR />ÖVP-Südtirolsprecher <b>Josef Hechenberger</b> wies u. a. den Vorwurf zurück, die Koalition habe die Einsetzung des Südtirol-Unterausschusses verhindert: „In den vergangenen eineinhalb Jahren sind im Nationalrat mehr Initiativen zu Südtirol eingebracht worden als in all den Legislaturen zuvor.“ Es gelte, den Blick nach vorne zu richten. „Die Autonomie ist ein Erfolgsmodell für den Minderheitenschutz, dessen Bedeutung künftig durch das Zentrum für Autonomie- und Minderheitenrechte in Bozen sichtbar gemacht werden soll“, fasste er zusammen. <BR /><BR />Auch der Tiroler ÖVP-Abgeordnete <b>Franz Hörl</b> wies die Forderungen der FPÖ zurück. Die österreichische Staatsbürgerschaft spiele für die meisten Südtiroler ohnehin keine Rolle. Vielmehr fühlten sie sich durch „solche Anstöße der FPÖ bedrängt.“<BR /><BR />Außenministerin <b>Beate Meinl-Reisinger</b> verteidigte den von Landeshauptmann Kompatscher in Rom eingeschlagenen Kurs. Wer die Autonomiereform kleinreden wolle und neue Forderungen erhebe, entscheide „über die Köpfe der Südtiroler hinaus“. <BR /><BR />Der ÖVP-Abgeordnete <b>Andreas Minnich</b> sagte, ein Verständnis der historischen Entwicklungen sei entscheidend, um die Gegenwart einordnen und die Zukunft gestalten zu können.