2022 sind laut dem Landesstatistikinstitut ASTAT in Südtirol 4793 Babys (vorläufige Zahl) lebend auf die Welt gekommen – eine der tiefsten Zahlen der vergangenen 100 Jahre – und diese Geburtenflaute könnte sich heuer noch verschärfen.<BR /><BR /> In Bruneck ist die Zahl der Neugeborenen heuer von 1. Jänner bis 30. September um 9,3 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2022 gesunken, in Schlanders um 8,6 Prozent, in Brixen um 3,5 Prozent und in Meran um 1,8 Prozent. <BR /><BR /> Dazu beigetragen hat auch die Covid-Zeit, ebenso das kaum mehr finanzierbare Wohnen, meint der Primar der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Bozen, Dr. Martin Steinkasserer. <h3> Krankenhaus Bozen hat den geringsten Rückgang</h3>Im Krankenhaus Bozen gab es heuer in den ersten 9 Monaten 1115 Geburten – gegenüber 1123 Geburten im gleichen Zeitraum 2022. Interessanterweise ist im Landeskrankenhaus Bozen der Geburtenrückgang mit 0,7 Prozent minimal – für Primar Dr. Steinkasserer „extrem erfreulich“. Das spreche „für die Qualität der Versorgung“. <BR /><BR /> Die Qualität der Versorgung während der Schwangerschaft sei in Südtirol generell hoch. Die soziale Sicherheit sei „viel besser als in anderen Regionen Italiens“, und auch bei der Kleinkindbetreuung – Kitas, Kinderhorte, usw. – sei Südtirol besser aufgestellt als andere Regionen, sagt Dr. Steinkasserer. Aber: Die Gesellschaft habe sich geändert, heute stehe die berufliche Selbstverwirklichung bei den Frauen viel stärker im Vordergrund als früher.<h3> Familiengründung bringt Frauen massiv unter Druck</h3>Heute bekämen Frauen in Italien im Durchschnitt mit über 30 Jahren das erste Kind – und nicht mehr mit 24 Jahren wie noch vor einigen Jahrzehnten. Wenn Frauen Beruf und Familie unter einen Hut bringen wollen, „dann stehen sie in der Zeit der Familiengründung massiv unter Druck“, meint der Primar. Immer fit sein und Leistung erbringen zu müssen, stelle die Frauen vor große Herausforderungen. „Da braucht es mehr Hilfestellungen“, fordert Dr. Steinkasserer. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="950797_image" /></div> <BR /><BR />Der Primar geht davon aus, dass sich auch die Covid-Zeit negativ auf das Kinderwollen ausgewirkt hat: „Die allgemeine Unsicherheit in der Gesellschaft war groß, die ganze Zeit über gab es schlechte Nachrichten. Das macht keine gute Stimmung.“ Und: „Die Wohnungssituation in Südtirol ist erdrückend. Wohnen ist in weiten Teilen Südtirols kaum finanzierbar“, meint Dr. Steinkasserer. <BR /><BR /><embed id="dtext86-61701144_quote" /><BR /><BR />Trotz der vielen Herausforderungen für die Eltern ist die Fruchtbarkeitsrate in Südtirol und in der Region Trentino-Südtirol italienweit noch immer am höchsten: Nach Angaben des ISTAT liegt die Fruchtbarkeitsrate in Trentino-Südtirol bei 1,51 Kindern je Frau. Laut Dr. Steinkasserer kommt Südtirol sogar auf eine Fruchtbarkeitsrate von 1,65; auf gesamtstaatlicher Ebene scheint für Italien ein Wert von nur mehr 1,24 auf. 2022 kamen in Italien erstmals weniger als 400.000 Kinder zur Welt (393.000).<h3> Stärkster Rückgang im Krankenhaus Bruneck</h3>Im Krankenhaus Bruneck sind heuer in den ersten 9 Monaten 549 Babys auf die Welt gekommen – 2022 waren es noch 605 gewesen (-9,3 Prozent). <BR /> Im Krankenhaus Schlanders wurden heuer im gleichen Zeitraum 243 Babys gezählt – gegenüber 266 Babys im Jahr 2022 (-8,6 Prozent). <BR />706 Babys erblickten heuer in den ersten 9 Monaten im Krankenhaus Brixen das Licht der Welt; 2022 waren es bis 30. September noch 732 gewesen (-3,5 Prozent). <BR /><BR />Etwas geringer ist der Rückgang auf der Geburtenstation im Meraner Spital, wo heuer bis 30. September 969 Kinder geboren wurden – gegenüber 987 Kindern in den ersten 9 Monaten im Jahr 2022 (-1,8 Prozent).<h3> ASTAT: Zahl der Frauen im fruchtbaren Alter sinkt</h3>Laut dem Landesstatistikinstitut ASTAT sind 2022 in Südtirol 4793 Babys (vorläufige Zahl) lebend zur Welt gekommen – gegenüber 5062 Lebendgeborenen im Jahr 2021 (-5,3 Prozent). Ein Blick auf die Geburtenzahlen seit dem fernen Jahr 1932 zeigt, dass die Zahl der Neugeborenen im Jahr 2022 zu den historisch allertiefsten zählt. Wenn die Entwicklung heuer so weitergeht wie bisher, dann könnte am Ende des Jahres ein neuer historischer Geburten-Tiefststand erreicht werden. Laut ASTAT-Direktor Timon Gärtner nimmt die Zahl der Frauen im fruchtbaren Alter ab. <BR /><BR />Es entfallen jedoch – was etwas verwundert – mehr Kinder auf jede Frau. Die Gesamtfruchtbarkeitsziffer – die mittlere Zahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens zur Welt bringt – liege seit Mitte der 1970er-Jahre unter dem Wert von 2,1. Der Wert von 2,1 wäre notwendig, um das natürliche Bevölkerungswachstum konstant zu halten. Bis 1993 sei die Gesamtfruchtbarkeitsziffer kontinuierlich gesunken und dann seit 20 Jahren von 1,41 im Jahr 2002 auf 1,70 im Jahr 2021 gestiegen. <BR /><BR />