Dienstag, 09. Juni 2020

Südtirol trägt weiter Maske

Südtirol hält weiter an der Maskenpflicht fest. Ganz einfach deshalb, weil sie ganz offensichtlich im Kampf gegen das Coronavirus wirkt. Dies geht auch aus einer jetzt veröffentlichten Studie der Johannes- Gutenberg-Universität in Mainz hervor.

Ohne Maske riskiert man  eine Übertragung  infektiöser Partikel.
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Ohne Maske riskiert man eine Übertragung infektiöser Partikel. - Foto: © shutterstock
Die Maskenpflicht bei Abständen zu anderen Personen unter 2 Metern bleibt in Südtirol vorerst auch im Freien aufrecht: In der Landesregierung bahnt sich aber ein Kommunikationswechsel an.

Sauer stoßen Südtirol die Slogans aus dem angeblich „maskenfreien“ Veneto auf. „Dabei gelten dort bei näherem Hinschauen dieselben Regeln wie bei uns“, sagt Landesrat Thomas Widmann.

Anders als in den letzten Tagen von mehreren Medien kolportiert, waren Mund- und Nasenschutz gestern in der SVP-Leitung kein Thema. Sehr wohl aber beschäftigten sich Landeshauptmann Kompatscher, sein Stellvertreter Arnold Schuler und Gesundheitslandesrat Thomas Widmann in einer Videokonferenz ausführlich damit.

Denn: „Es ist schon erstaunlich, wie die Realität und das, was gesagt wird, unterschiedlich wahrgenommen wird“, so Widmann. Seit Tagen kommuniziere der Präsident der Region Veneto, Luca Zaia, dass mit 3. Juni die Maskenpflicht im Veneto gefallen sei. De facto gelte dort dasselbe wie in Südtirol: „Man muss die Maske immer bei sich haben und dort, wo Menschen aufeinander treffen, auch tragen“.



Allerdings komme „maskenfrei“ bei Touristen gut an, lässt Schuler durchklingen. „Wir werden die Maskenpflicht jetzt deshalb anders kommunizieren.“

Südtirol sei die erste Region in Europa gewesen, die Nasen- und Mundschutz vorgeschrieben hat. „Und viele sind nachgezogen, denn es schützt tatsächlich“, so Widmann.

Anfangs sei dies als ständige Pflicht kommuniziert worden. „Nach dem Motto: Lieber ständig, als gar nicht“, sagt Widmann. De facto habe aber in Südtirol nie ständige Maskenpflicht geherrscht. „Nasen- und Mundschutz ist immer dann zu tragen, wenn man anderen Personen näher als 2 Meter kommt bzw. mit Menschen zusammensteht. Beim Joggen und Radeln im Freien sind es 3 Meter“, so Widmann.

Wer spazieren gehe oder sich in Straßen mit wenig Menschen bewege, müsse keine Maske tragen. Jetzt, wo die Infektionszahlen bei Null liegen, wird man dies verstärkt so mitteilen.

Fallstudie aus Mainz bestätigt Schutzwirkung der Maske

Die Schutzwirkung von Masken gegen das Coronavirus hatte eine Studie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz bestätigt.

Wissenschafter von 4 Universitäten verglichen dafür die Entwicklung der Infektionszahlen im thüringischen Jena mit denen vergleichbarer Städte, wo die Maskenpflicht erst später eingeführt wurde.

Jena hatte als erste Großstadt bereits am 6. April das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zur Pflicht gemacht und damit wesentlich früher als in allen anderen Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands. Daraufhin stieg die Zahl der registrierten Infektionen in Jena nur noch schwach.


Nach den Berechnungen der Forscher „tut sich eine signifikante Kluft zwischen den Fallzahlen in Jena und der Vergleichsgruppe ohne Maskenpflicht auf“. 20 Tage nach der Einführung der Maskenpflicht in Jena sei die Gesamtzahl der dort registrierten Covid-19-Fälle lediglich von 142 auf 158 gestiegen, im Vergleichsmodell hingegen von 143 auf 205.

In einem zweiten Schritt untersuchten die Forscher die Entwicklung der Fallzahlen in den Städten und Kreisen, welche die Maskenpflicht mit 22. April eingeführt hatten, mit den Fallzahlen der Kommunen, die die Maskenpflicht erst zum 27. April oder später einführten. Auch hier zeigen sich signifikante Unterschiede.

„Zusammenfassend kann man sagen, dass die Einführung der Maskenpflicht in den jeweiligen Kreisen zu einer Verlangsamung der Ausbreitung von Covid-19 beigetragen hat“, erklärte Klaus Wälde von der Universität Mainz. Dieses Ergebnis stimmt mit der Einschätzung von Epidemiologen und Virologen überein, wonach ein Mund-Nasen-Schutz den Luftstrom beim Sprechen hemmt und dadurch die Übertragung infektiöser Partikel eingedämmt wird.

d