Dabei gibt sie zu bedenken, dass der technische Fortschritt viele neue Möglichkeiten zur Bewahrung der Biodiversität ermöglicht und weist auf die Renaturierung von ehemals begradigten Bach- und Flussläufe als nachahmenswerte Initiative hin. <BR /><BR /><BR /><b>Frau Tappeiner, wie ist es denn um die Biodiversität in Südtirol bestellt?</b><BR />Ulrike Tappeiner: Grundsätzlich ist die Biodiversität eng mit der Vielfalt an Lebensräumen verknüpft. Dank der unterschiedlichen Höhenstufen von den Talböden bis hinauf zu den Dreitausendern gibt es hierzulande auch viele verschiedene Lebensräume. Dazu kommt der Einfluss des mediterranen Klimas in den südlichen Landesteilen mit entsprechender Vegetation. All das bewirkt eigentlich ein hohes Maß an Biodiversität. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1031520_image" /></div> <BR /><b><BR />Was meinen Sie mit eigentlich?</b><BR />Tappeiner: Nun, die intensive Landnutzung und die Bodenversiegelung schränken die Biodiversität wieder ein. <BR /><BR /><b>Welche Fakten gibt es hierzu?</b><BR />Tappeiner: Schätzungen zufolge gibt es in Südtirol 30.000 bis 32.000 Tierarten und 2500 Arten von Gefäßpflanzen. Ein knappes Drittel dieser 2500 Gefäßpflanzen ist gefährdet, wie aus der Roten Liste des Bozner Naturmuseums hervorgeht. In Südtirol sind von den 185 verschiedenen Schmetterlingsarten 46 Prozent regional gefährdet – dies ist nur ein Beispiel von vielen. Grundsätzlich sind immer jene Arten gefährdet, deren Lebensräume verschwinden oder intensiver bewirtschaftet werden. Bei den Vögeln sind dies beispielsweise die Wiesenbrüter wie der Wachtelkönig und das Braunkehlchen oder an natürliche Flusslebensräume gebundene Arten wie der Eisvogel oder der Flussuferläufer. <BR /><BR /><b>Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang die im Klimaplan des Landes verankerten Zielsetzungen?</b><BR />Tappeiner: Durchaus positiv. Alle Maßnahmen, die zu naturnahen Lebensräumen führen, wirken sich positiv auf die Biodiversität aus. In diesem Zusammenhang ist auch das noch nicht verabschiedete, aber viel diskutierte Renaturierungsgesetz der EU von großer Bedeutung. Damit möchte man 30 Prozent der Landfläche in einen naturnahen Zustand überführen. <BR /><BR /><b>Der Schutz der Biodiversität scheint gerade in Südtirol aufgrund der sehr begrenzt nutzbaren Flächen ein schwieriges Unterfangen zu sein. Was könnte konkret getan werden?</b><BR />Tappeiner: Allein der technische Fortschritt eröffnet viele neue Perspektiven. Ich denke etwa daran, was im Energiebereich mittlerweile alles möglich ist und erinnere daran, dass in Südtirol bereits vor 30 Jahren die ersten Wärmepumpen installiert wurden. Heutzutage zeigen hierzulande innovative Startups, welche Möglichkeiten es in der Landwirtschaft gibt, um naturnaher und weniger intensiv zu bewirtschaften und damit auch Lebensräume zu verbessern. Oder werfen wir einen Blick zurück: Vor vielen Jahren galt es als Errungenschaft, die Flüsse und Bäche zu begradigen, nun werden sie wieder nach und nach revitalisiert.