Freitag, 18. Juni 2021

Südtirol: Weniger Fehlgeburten aber mehr Abtreibungen im Jahr 2020

Im Jahr 2020 wurden laut Landesinstitut für Statistik (ASTAT) in den Gesundheitseinrichtungen Südtirols 532 freiwillige Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Das sind 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Außerdem wurden 2020 in Südtirol 513 Fehlgeburten verzeichnet (11,7 Prozent weniger als im Vorjahr), welche eine Einlieferung in eine öffentliche oder private Krankenanstalt erforderten.

Im Jahr 2020 stiegen die freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche in Südtirol um 2,9 Prozent.
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Im Jahr 2020 stiegen die freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche in Südtirol um 2,9 Prozent. - Foto: © Shutterstock / shutterstock
Im Jahr 2020 wurden in den Gesundheitseinrichtungen Südtirols 532 freiwillige Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Das entspricht einer Zunahme von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als 9 von 10 der betroffenen Frauen sind im Land ansässig.



Die Abbruchziffer, ein verlässlicher Indikator, um die Entwicklung des Phänomens korrekt zu bewerten, beträgt im Bezugsjahr 4,7 je 1000 Frauen im gebärfähigen Alter (15-49 Jahre). Diese ist im Vergleich zum Jahr 1980, als dieser Wert noch bei 7,1 lag, deutlich zurückgegangen. Die Abbruchziffer auf gesamtstaatlicher Ebene beträgt 6,0 (Quelle: Gesundheitsministerium 2018, letzte verfügbare Daten).

Fast 4 von 10 betroffenen Frauen sind Ausländerinnen

Obwohl die Abbruchziffer unter ausländischen Frauen in allen Altersgruppen immer noch höher ist als bei Inländerinnen, hat sich die erhebliche Zunahme der letzten Zeit stabilisiert. Im Jahr 2020 entfallen 39,3 Prozent aller freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche auf ausländische Frauen, 2001 waren es 17,4 Prozent.

Die Abbruchziffer der Ausländerinnen ist 4 Mal so hoch wie jene der Inländerinnen (13,4 gegenüber 3,3 Abbrüche je 1000 Frauen im gebärfähigen Alter).

Wiederholte Schwangerschaftsabbrüche häufiger unter Ausländerinnen

Die Frauen, die in Südtirol eine gesetzlich erlaubte Abtreibung vornehmen lassen, sind größtenteils ledig (59,6 Prozent). 35,9 Prozent sind verheiratet und 4,5 Prozent getrennt, geschieden oder verwitwet.

Im Jahr 2020 sind 35,7 Prozent der Frauen zum Zeitpunkt des freiwilligen Schwangerschaftsabbruchs kinderlos, 17,9 Prozent haben bereits ein Kind und 46,4 Prozent mehr als eines. 25,8 Prozent geben an, vorher bereits mindestens einmal eine Schwangerschaft abgebrochen zu haben, und 17,3 Prozent hatten zuvor mindestens eine Fehlgeburt.

Der Anteil der Schwangerschaftsabbrüche bei Ausländerinnen, die schon einmal abgetrieben haben, liegt bei 30,6 Prozent gegenüber 22,6 Prozent der Inländerinnen.

Fast eine von 10 Frauen ist über 40 Jahre alt

Eine Auswertung der Daten nach Altersklassen ergibt, dass Frauen im Alter zwischen 30 und 39 Jahren am häufigsten einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen (44,9 Prozent). 9,2 Prozent der betroffenen Frauen sind mindestens 40 Jahre alt. Der Anteil der unter 20-Jährigen macht 6,4 Prozent aus.

Im Jahr 2020 beträgt das Durchschnittsalter der Frauen mit italienischer Staatsbürgerschaft zum Zeitpunkt des Schwangerschaftsabbruchs 29,7 Jahre und jenes der Frauen mit ausländischer Staatsbürgerschaft 31,1 Jahre.

Abbruch meist um die 10. Schwangerschaftswoche

31,4 Prozent der freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche werden innerhalb der 8. Schwangerschaftswoche vorgenommen, 45,7 Prozent zwischen der 9. und 10. Woche.

6,6 Prozent der Fälle betreffen Abbrüche nach der 12. Schwangerschaftswoche infolge eines pathologischen Befundes bei den Vorsorgeuntersuchungen von Mutter bzw. Kind.

Meist erfolgt die Bewilligung durch den gynäkologischen Dienst

Aus einer Betrachtung der Wartezeiten geht hervor, dass 69,9 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche innerhalb von 14 Tagen nach Ausstellung der ärztlichen Bewilligung durchgeführt werden; in 92,1 Prozent der Fälle verstreichen nicht mehr als 3 Wochen.

In den allermeisten Fällen wird die ärztliche Bewilligung für den Schwangerschaftsabbruch vom gynäkologischen Dienst, der den Eingriff durchführt, erteilt (94,5Prozent). Es folgen mit großem Abstand der Vertrauensarzt (3,9 Prozent) und die Familienberatungsstelle (1,3 Prozent).

Die Dauer des Krankenhausaufenthaltes beträgt bei 88,9 Prozent der freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche weniger als 24 Stunden. Die Absaugung ist nach wie vor die am häufigsten angewandte Methode (58,6 Prozent). In 88,3 Prozent der Fälle wird der Eingriff unter Vollnarkose durchgeführt.

Im August 2020 beschloss das Gesundheitsministerium eine Anpassung der Leitlinien zum freiwilligen Schwangerschaftsabbruch durch die doppelte Verabreichung von Mifepriston (RU486) und Prostaglandin: Es entfällt die Verpflichtung zum Krankenhausaufenthalt ab dem Zeitpunkt der Einnahme des Medikaments bis zum Ende der Behandlung; außerdem wird die Anwendungsmöglichkeit des Medikaments bis zur 9. Schwangerschaftswoche verlängert. Diese Methode kam im Jahr 2020 in 6,6 Prozent der Fälle zum Einsatz, gegenüber 1,4 Prozent im Jahr 2019.

Aus dem Monitoring des Jahres 2019 über das Personal (letzte verfügbare Daten), das Schwangerschaftsabbrüche aus Gewissensgründen verweigert, geht hervor, dass 82,4 Prozent der Gynäkologen, die in Südtiroler öffentlichen Krankenhäusern und Privatkliniken arbeiten, keine Abtreibungen vornehmen. Italienweit liegt der Anteil der Verweigerer insgesamt bei 69 Prozent (2018, letzte verfügbare Daten).


Fehlgeburten nehmen wieder ab

Im Jahr 2020 werden in Südtirol 513 Fehlgeburten, welche eine Einlieferung in eine öffentliche oder private Krankenanstalt erforderlich machten, verzeichnet. Das sind 11,7 Prozent weniger als im Vorjahr, als die Zahl noch bei 581 lag.

Die Abbruchziffer beträgt 4,6 Fehlgeburten je 1000 Frauen im gebärfähigen Alter (15-49 Jahre). Der Gesundheitsbezirk Meran (6,0) verzeichnet landesweit die höchste Abbruchziffer. 26,7 Prozent der betroffenen Frauen sind Ausländerinnen.



Durchschnittsalter der Frau etwa 34 Jahre

Das zunehmende Alter der Frauen zum Zeitpunkt der Empfängnis stellt den höchsten Risikofaktor für eine Fehlgeburt dar: So ist die Abbruchquote bei den Frauen ab einem Alter von 40 Jahren mehr als doppelt so hoch wie in der Altersklasse der 35- bis 39- Jährigen (295,6 gegenüber 119 Fehlgeburten je 1000 Lebendgeborene). Bei den jüngsten Frauen im Alter bis zu 24 Jahren beträgt die Abbruchquote 111,4 je 1000 Lebendgeborene, bei den 25- bis 29-Jährigen 60,0 und bei den 30-bis 34-Jährigen 80,6.

Im Jahr 2020 beträgt das Durchschnittsalter der Frauen bei einer Fehlgeburt 33,8 Jahre: 33,0 Jahre sind es bei den Inländerinnen und 34,0 bei den Ausländerinnen.

Bei den Fehlgeburten ist die Abbruchziffer unter ausländischen Frauen mehr als doppelt so hoch wie unter den Frauen mit italienischer Staatsbürgerschaft (8,8 Promille gegenüber 3,9 Promille).

Fehlgeburten meist in der 10. Schwangerschaftswoche

Auch im Jahr 2020 bestätigt sich, dass Fehlgeburten meist in den ersten Schwangerschaftswochen auftreten: 70,6 Prozent der Fehlgeburten treten bereits in den ersten 10 Schwangerschaftswochen auf. Die mittlere Zahl der Schwangerschaftswochen vor einer Fehlgeburt hält sich konstant bei 10 Wochen.


Der auf die Fehlgeburt folgende Eingriff machte in 99,8 Prozent der Fälle einen eintägigen Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Bei 66,1 Prozent der Fehlgeburten wird eine Auskratzung durchgeführt. Hoch bleibt auch der Anteil der Frauen, bei denen der Eingriff unter Vollnarkose durchgeführt wird (82,8 Prozent).












stol

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