<b>Herr Tosoni, Sie konnten vergangene Woche einen Einbrecher festnehmen. Wie ist Ihnen das gelungen?</b><BR />Hauptmann Ottavio Tosoni: Ich darf aus ermittlungstechnischen Gründen zum jetzigen Zeitpunkt keine Einzelheiten nennen. Ich kann jedoch mit Sicherheit sagen, dass die perfekte Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Polizeikommissariats und der Ortspolizei der Stadt Brixen der wichtigste Baustein war, der zum Erfolg geführt hat. Sehr wichtig war auch die Kooperation mit den Freiwilligen Feuerwehren, die uns jederzeit, sei es mit Leuten wie auch mit Ausrüstung, unterstützt haben. Der Erfolg der vergangenen Woche war das Ergebnis einer komplexen und gemeinsamen Arbeit, bei der sich Aufmerksamkeit, Präsenz im Gebiet und schnelle Reaktion bezahlt gemacht haben. Nach den vergangenen Monaten und Vorfällen hatten wir Ordnungskräfte alle das Bedürfnis, unsere Kräfte zu bündeln und gemeinsam für die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Auch die Bevölkerung hat mit ihrem ausgeprägten Gemeinschafts- und Gerechtigkeitssinn einen entscheidenden Beitrag geleistet, indem sie die Ordnungskräften rechtzeitig informiert hat.<BR /><BR /><b>Gibt es Hinweise auf die anderen 2 Täter?</b><BR />Hauptmann Tosoni: Wie Sie bereits wissen, führen wir mit großem Einsatz, mit Unterstützung der Carabinieri-Einheiten des ganzen Landes und unter der Leitung der Justizbehörde sehr gründliche Ermittlungen durch. In diesem Stadium ist jede Aussage sehr heikel. Um den Fortgang der Ermittlungen nicht zu gefährden, muss ich strengste Vertraulichkeit wahren und kann keine weiteren Auskünfte erteilen. <BR /><BR /><b>Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen ist niedrig. Was macht es so schwierig, Einbrecher festzunehmen?</b><BR />Hauptmann Tosoni: Ich würde es nicht als schwierig bezeichnen, sondern eher als lang und komplex. Wenn es uns nicht gelingt, die Einbrecher auf frischer Tat zu ertappen, hängt ihre Identifizierung hauptsächlich davon ab, wieviele Hinweise wir sammeln können und wieviel Zeit wir für deren Auswertung benötigen. In den jüngsten Fällen, bei denen wir direkt involviert waren, kam die außerordentliche Gerissenheit der Täter hinzu. Sie kannten viele schwer zugängliche Fluchtwege. In jedem Fall werden bei jedem Einbruch Spuren hinterlassen, so dass die Täter früher oder später überführt werden.<h3>20 Prozent weniger Einbrüche als im Jahr 2019 </h3><b><BR />2 Täter sind aber noch auf freiem Fuß, und im ganzen Land hört man von Einbrüchen. Wie können die Bürger sich und ihr Heim schützen?</b><BR />Hauptmann Tosoni: Das Wichtigste für Hausbesitzer ist, alle Vorkehrungen zu treffen, damit niemand während ihrer Abwesenheit oder gegen ihren Willen in die Wohnungen eindringen kann. Das bedeutet: Schließen Sie Türen, Fenster und Rollläden Ihrer Wohnungen immer fest und vollständig. Je nach Risikofaktoren, wie zum Beispiel der Art Ihres Hauses und der Entfernung zu bewohnten Gebieten, sollten Sie die Installation einer Diebstahlsicherung oder eines Videoüberwachungssystems in Betracht ziehen. Schließlich ist es für alle Bürger sehr wichtig, die Augen offen zu halten und den Ordnungskräften Situationen, Personen und Fahrzeuge zu melden, die verdächtig erscheinen oder die sie nie im Dorf gesehen haben.<h3>Südtirol zieht Kriminelle an</h3><b><BR />Warum glauben Sie, ist es jüngst zu so vielen Einbrüchen in Südtirol gekommen?</b><BR />Hauptmann Tosoni: Wir können heuer keinen Vergleich mit den vergangenen beiden Jahren ziehen. Die Corona-Maßnahmen wie der Lockdown, die Ausgangssperren oder die Verbote, die Wohnsitzgemeinde zu verlassen, hatten indirekt ein System der Kontrolle und Wachsamkeit geschaffen. Das hat die Kriminalität fast vollständig zum Erliegen gebracht. Im Vergleich mit dem Jahr 2019 – vor der Pandemie – kann man feststellen, dass die Zahl der Einbrüche nun um etwa 20 Prozent zurückgegangen ist. In jedem Fall muss eingeräumt werden, dass Südtirol wegen des wirtschaftlichen Wohlstands der Einwohner und Unternehmen sowie wegen der starken Präsenz von Personen, die von außerhalb Südtirols stammen, die Aufmerksamkeit von Kriminellen auf sich zieht.<BR /><BR /><b>Wird die Einbruchserie wieder abreißen?</b><BR />Hauptmann Tosoni: Jedes Phänomen, also auch das kriminelle, hat seine Zyklizität, die von vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Davon sind einige Faktoren greifbar und vorhersehbar, andere hingegen völlig unbekannt. Ich weiß, dass das nicht gerade tröstlich ist. Denn ich kann zwar einerseits sagen, dass die Serie von Diebstählen sicherlich gestoppt werden wird. Andererseits muss ich mit der gleichen Gewissheit zugeben, dass die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Einbruchserie besteht – möglicherweise zu einem anderen Zeitpunkt und auf andere Weise als heute.<BR />