Dienstag, 23. Januar 2018

Südtirol zwischen Frühling und Schneerekorden

Während derzeit vor allem im oberen Vinschgau Rekordmengen an Schnee fallen, erlebten südlichere Teile des Landes am Dienstag einen Hauch von Frühling.

Mehrere Lawinen in Langtaufers sorgten am Dienstag für eine Ausnahmesituation. - Foto: DLife
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Mehrere Lawinen in Langtaufers sorgten am Dienstag für eine Ausnahmesituation. - Foto: DLife

„Die Schneemengen, die bisher im Winter gefallen sind, sind enorm. In Melag/Langtaufers hat es seit 1. Dezember bereits 3,3 Meter geschneit (aufsummierte Neuschneemenge), davon alleine in den letzten 7 Tagen 1,4 Meter“, berichtet Landesmeteorologe Dieter Peterlin am Dienstag.

Aktuell liegen laut dem Wetterexperten im Tal 1,5 Meter Schnee, auf den Bergen sogar 2,4 Meter. In der Nacht auf Dienstag und am Dienstag gingen in Langtaufers mehrere Lawinen ab, eine davon traf sogar ein Haus. Im Laufe des Tages mussten 167 Personen mittels Helikopter aus der Gefahrenzone geflogen werden, verletzt wurde glücklicherweise niemand (STOL hat berichtet).

Im Vinschger Nachbartal Außerrojen wurden sogar 3,6 Meter Neuschnee gemessen: „Gerade für das obere Vinschgau brechen solche Mengen Rekorde, denn da schneit es normalerweise nicht so ergiebig wie etwa in der Brennergegend“, präzisiert Peterlin.

Woher also der ganze Schnee? „In diesem Jahr gab es besonders häufig Warmfronten aus Nordwesten, das sind die Schneebringer schlechthin für den Vinschgau.“

13 Grad in Schlanders

In anderen Gegenden brachte der Nordföhn am Dienstag vor allem eines: einen Hauch von Frühling. In Meran, Schlanders und Naturns wurden heute 13 Grad gemessen, in Bozen 12 Grad Celsius. Am Mittwoch wird es auf den Bergen noch eine Spur milder, die Nullgradgrenze steigt auf über 2000 Meter an. Im Tal lässt der Föhn nach, weshalb es dort nicht mehr zu ganz so hohen Temperaturen geht.

Im Norden weiterhin große Lawinengefahr

Auch am Mittwoch herrscht im Norden des Landes weiterhin große Lawinengefahr der Stufe 4. „Aus Windschattenhängen und aus sehr sonnenexponierten Hängen sind noch große Lawinen zu erwarten“, berichten die Experten des Lawinenwarndiensts.

Demnach können vereinzelt Lawinen auf ihrer Sturzbahn auch die gesamte Schneedecke bis zum Boden mitreißen und somit große Schneemengen mit sich führen.

In den übrigen Landesteilen ist die Lawinengefahr meist erheblich, Stufe 3. Hier sei die Situation laut Lawinenwarndienst günstiger, der verbreitet anzutreffende Triebschnee sei zwar leicht auszulösen, aber allgemein gut erkennbar.

In vielen Gebieten sind die Tourenmöglichkeiten weiterhin stark eingeschränkt, große Erfahrung zur Einschätzung der Lawinengefahr ist notwendig. „Mit den größeren Schneemengen werden auf steilen Wiesenhängen unterhalb von etwa 2400 Metern neuerlich Gleitschneelawinen wahrscheinlicher, sie kündigen sich häufig über Risse der Schneedecke bis zum Boden an.“

stol/liz

stol