Montag, 06. April 2020

„Südtiroler Ärzte für die Welt“: Wie sich Äthiopien auf Corona vorbereitet

Der Verein „Südtiroler Ärzte für die Welt“ unterstützt seit Jahren zahlreiche Hilfsprojekte in Äthiopien und anderen Ländern der Welt. Auch diese werden nun von der Corona-Krise getroffen. In einer Presseaussendung erklärt der Verein, wie sich die aktuelle Situation in Äthiopien verändert hat.

Toni Pizecco, Präsident des Vereins „Südtiroler Ärzte für die Welt“ und Dr. Rita Schiffer gemeinsam im Krankenhaus von Attat.
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Toni Pizecco, Präsident des Vereins „Südtiroler Ärzte für die Welt“ und Dr. Rita Schiffer gemeinsam im Krankenhaus von Attat. - Foto: © Michael Lintner
Kontrollen auf den Flughäfen, geschlossene Schulen, Kampagnen zur Sensibilisierung der Bevölkerung, Vermeidung von Menschenansammlungen, Mahnung zu häufigem Händewaschen, Einstellung der öffentlichen Transporte, Verbot zur Abhaltung von Märkten, dies sind einige der Maßnahmen, welche afrikanische Regierung verordnen, um der Ausbreitung von Covid-19 entgegenzuwirken.

Zum Teil weiß die Bevölkerung noch sehr wenig über das Virus. Die Menschen, die an Armut und Seuchen gewohnt sind, die im Leben bereits viel Schlimmes mitgemacht haben, lassen sich von einem Virus, den sie gar nicht sehen können, keinen großen Schrecken einjagen. Die allgemein vorherrschende Unwissenheit über die Infektion bringt große Risiken mit sich.

„Wir haben keine Intensivabteilung“

Aus dem Krankenhaus Attat in Äthiopien, welches 200 km südöstlich von der Hauptstadt Addis Abeba ein Einzugsgebiet von einer Million Menschen versorgt und welches vom Verein „Südtiroler Ärzte für die Welt“ seit Jahren unterstützt wird, hat der Verein am 4. April 2020 von Dr. Rita Schiffer, der ärztlichen Leiterin, folgende Informationen zur aktuellen Lage erhalten:

„Alle Menschen, die auf das Krankenhausgelände kommen, müssen die Hände waschen, beim Verlassen ebenfalls. Im Wartebereich werden Anweisungen gegeben. Wir haben Mundschutzmasken genäht und unser Apotheker stellt Desinfektionslösung her. Wir haben keine Testmöglichkeiten, vielleicht hatten wir darum noch keinen positiven Covid-19 Fall. Aber laut Berichten rückt es immer näher,“ erklärt D.r Schiffer.

Mit Sorge betrachtet sie die nahende Epidemie: „Wir haben keine Intensivabteilung und verfügen über keine Beatmungsgeräte. Alle Menschen beten kräftig und machen sich gegenseitig Mut. Der beste Schutz ist ein gutes Immunsystem, wir bauen darauf! Durch ein Triage System werden Corona Verdachtsfälle von den anderen Patienten getrennt und dann in die nächste Ortschaft in ein dafür bereitgestelltes Zentrum gebracht, wo sie getestet werden. Der Zugang zum Krankenhaus wurde einschränkt, nur mehr ein Familienangehöriger darf den Patienten begleiten“.

Die ebenfalls von den Südtiroler Ärzten für die Welt finanzierte San Marco Klinik befindet sich in der letzten Bauphase und wird bei Bedarf als Quarantäne Zentrum für die Covid-19-Patienten umfunktioniert. Sie befindet sich ca. 50 km vom Krankenhaus Attat entfernt und wird in Zukunft die medizinische Grundversorgung von 25.000 Einwohnern gewährleisten.

„Das Verbot zur Abhaltung von Märkten wird schwere Auswirkungen auf die Versorgung der Bevölkerung haben. Die Menschen kaufen und verkaufen ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse nur auf den lokalen Märkten. Ebenso gibt es keine Arbeit mehr für die Tagelöhner,“, zeigt sich Dr. Rita Schiffer besorgt über den Ausbruch einer großen Hungersnot.

Wasserprojekte sind wichtige Hilfe

Toni Pizzecco betont, dass außer dem Ankauf von Masken und sonstigem Schutzmaterial für das Krankenhaus Attat, die Finanzierung von Wasserprojekten derzeit die dringendste Hilfsmaßnahme darstellt. “Ein Kanister Wasser und Seife sind außer den Tüchern, welche sich die Menschen um den Mund wickeln, vielleicht die schnellste und einfachste Möglichkeit zur Rettung vieler Menschen in Afrika.“























Dr. Toni Pizzecco, Dr. Rita Schiffer – Krankenhaus Attat
Foto: Mike Lintner


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