Nachdem er dort rund eine Woche zugebracht hatte, war am vergangenen Dienstag ein 70-jähriger Urlauber aus Bayern beinahe unbeschadet aus einer Gletscherspalte in Tirol gerettet worden (STOL hat berichtet).Grund für das Wohlergehen des Mannes seien zum Großteil die derzeit warmen Temperaturen, weiß der Südtiroler EURAC-Forscher Hermann Brugger.„Temperatur in der Spalte größtenteils über null Grad“„Die Temperatur in der Spalte lag größtenteils über null Grad, die Durchschnittstemperatur befand sich im Plus-Bereich“, sagte Brugger am Dienstag im Gespräch mit der APA.Auch die Tag-Nacht-Temperaturschwankungen seien laut dem Wissenschaftler in der Spalte geringer ausgefallen als im Freien.Dass es dem Deutschen trotz der fehlenden Bewegungsraumes gelang, die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten, sei nur aufgrund der relativ hohen Temperaturen möglich gewesen, erklärte Brugger.Wie lange es dem Bayern noch möglich gewesen wäre, zu überleben, könne seriöser Weise nicht beantwortet werden. Die Grenze bilde die Energiereserve des jeweiligen Menschen. „Irgendwann ist es wahrscheinlich, dass man einschläft“, erläuterte der Südtiroler Experte.Zudem positiv: Keine Verletzungen und kein Wind„Entscheidend war zudem, dass der Urlauber unverletzt geblieben ist. Und vor allem hat er nie das Bewusstsein verloren. Denn sonst wäre er erfroren“, meinte der Mediziner.Es sei ihm außerdem zugutegekommen, dass er keinem Wind ausgesetzt war. Andernfalls hätte er sich Erfrierungen zugezogen.Brugger: Kletterer muss ein „harter Bursche“ seinEine extrem große Rolle spiele auch die Psyche.„Es muss sich um einen harten Burschen mit einer beachtlichen Hartnäckigkeit handeln, der auch in einer solchen Situation nicht verzweifelt, sondern damit fertig wird. Hätte er aufgegeben, wäre er wahrscheinlich auch eingeschlafen“, sagte Brugger.Der Bayer habe jedenfalls „extrem intelligent gehandelt“, etwa indem er Teile des Körpers mit einer Alufolie eingewickelt habe, um sich zu wärmen: „Das könnte auch lebensrettend gewesen sein und Erfrierungen verhindert haben“.Angesichts dieser „günstigen Voraussetzungen“ und dem Fehlen einer Verletzung, hätte er es nicht von vornherein ausgeschlossen, dass man rund eine Woche in einer Gletscherspalte überleben kann, erklärte der Instituts-Leiter.Man könne auch nicht von einem bis dato noch nie dagewesenen Fall sprechen. Im Jahr 1951 sei beispielsweise ein Mann in Heiligenblut eine Woche lang in seinem eigenen Wohnhaus unter einer Lawine verschüttet gewesen und habe überlebt.Der Wissenschaftler kündigte an, sich in einem Forschungsprojekt dem Fall widmen zu wollen. apa/stol