Samstag, 06. Juni 2020

Südtiroler haben wenig Lust aufs Testen

Verkehrte und – wenn man so will – undankbare Südtiroler Welt: Einerseits wurde immer wieder kritisiert, dass zu wenig Corona-Tests durchgeführt werden. Und jetzt kommt andererseits heraus, dass bei den Tests in Gröden 30 Prozent der eingeladenen Bürger diesen abgelehnt haben. Bei der gesamtstaatlichen ISTAT-Studie haben bereits 45 Prozent der kontaktierten Südtiroler eine Teilnahme abgelehnt.

Am Höhepunkt der  Corona-Zeiten wurden lautstark flächendeckende  Tests gefordert  – und jetzt werden sie reihenweise abgelehnt.
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Am Höhepunkt der Corona-Zeiten wurden lautstark flächendeckende Tests gefordert – und jetzt werden sie reihenweise abgelehnt. - Foto: © shutterstock
Wie mehrfach berichtet, wurden in den 3 Grödner Gemeinden 3000 Bürger zu serologischen Tests eingeladen. 30 Prozent davon, also knapp 1000, haben eine Teilnahme verweigert.

Noch eklatanter ist der „zivile Ungehorsam“ unter den Teilnehmern für die gesamtstaatliche ISTAT-Corona-Studie, die in Südtirol 4400 Bürger umfasst. Dazu wurden bisher als Startgruppe 800 Südtiroler Bürger angerufen, aber 45 Prozent der potenziellen Studien-Teilnehmer haben schon abgewinkt. Gesundheitslandesrat Thomas Widmann ist über die Südtiroler Testmuffel im Bilde.

„Schon erstaunlich. Zuerst hat die ganze Bevölkerung allerorten Tests gefordert. Jetzt wird getestet, aber Testmöglichkeiten werden nicht angenommen. Dabei geht es um eine ganz wichtige wissenschaftliche Studie. Eine Studie, die einer ganzen Bevölkerung Sicherheit gibt. Aber dies wird hintangestellt aus Angst vor möglicherweise 2 Wochen Quarantäne. Ein Infizierter, der nicht zum Test geht, würde einen nicht wiedergutzumachenden Schaden für Südtirol anrichten. Das ist nicht Verantwortungsbewusstsein. Ich verstehe, dass der eine oder andere nicht im Lande ist oder keine Zeit hat, aber diese Menge ist für mich verwunderlich. Es geht hier nicht um den Einzelnen, es geht um Südtirol“, so Landesrat Widmann.

Zerzer reagiert mit Unverständnis

Auch der Generaldirektor des Sanitätsbetriebs, Florian Zerzer, reagiert mit Unverständnis auf die Testabsagen. „Ich verstehe die Leute nicht. Zuerst wurden wir aufgefordert zum Testen, Testen, Testen – und jetzt bei Tests zu Studienzwecken, die gratis sind und bei denen der einzige Aufwand darin besteht, hinzugehen, nimmt man diese Gelegenheit nicht wahr. Das ist sehr schade. Damit wird die Chance, eine bessere Aussagekraft über die epidemiologische Lage zu bekommen, ein Stück weit zunichte gemacht“, lautet Zerzers Einschätzung.

Über das Warum der Nicht-Teilnahme könne nur spekuliert werden. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass einige Leute fürchteten, ein positives PCR-Testergebnis zu bekommen und in Quarantäne zu müssen und sich deshalb nicht testen lassen. Ein solches Verhalten wäre fahrlässig und verantwortungslos“, ärgert sich Zerzer.

Am Ende könne mit einem derartigen Verhalten eine Situation heraufbeschworen werden, die die Strategie zur Rückkehr in eine Normalisierung aufs Spiel setzt, so Zerzer. „Ich appelliere nochmals an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen, für das Allgemeinwohl einen Beitrag zu leisten und das Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen.“ Auch Hausärzte sollen die Menschen für die Tests sensibilisieren. ©






d/lu

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