Mittwoch, 25. Januar 2017

Südtiroler Helfer im Krisengebiet: Mit Fräsen und Sägen

Mittelitalien ist im Ausnahmezustand: Starke Schneefälle und mehrere Erdbeben haben die Regionen schwer erschüttert. In solchen Situationen ist jede helfende Hand gefragt - und auch Südtiroler haben mit angepackt.

Die Kalterer Mannschaft sind nach getaner Arbeit in den Marken wieder auf dem Heimweg. - Foto: Whatsapp
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Die Kalterer Mannschaft sind nach getaner Arbeit in den Marken wieder auf dem Heimweg. - Foto: Whatsapp

Mehrere Mannschaften aus Südtirol befinden sich derzeit in den Marken im Einsatz, darunter auch eine Mannschaft aus Kaltern.

Mit 10 Mann und 6 Fahrzeugen sind sie am Sonntagabend ausgerückt, um nahe Ascoli Piceno - das von den Erdbeben im Sommer stark in Mitleidenschaft gezogen wurde und nun im Schnee versinkt - Aufräumarbeiten zu übernehmen.

„Unser Schwerpunkt lag darin, die großen Schneefräsen der Berufsfeuerwehr zu begleiten“, erklärt Abschnittsinspektor Richard Petermair im Gespräch mit STOL. Die Berufsfeuerwehr hat gemeinsam mit der Wildbachverbauung in Mittelitalien Fräsen zur Verfügung gestellt, da die dortigen Einsatzkräfte keine solchen Gerätschaften besitzen. Ihnen zu Hilfe kamen mehrere Freiwillige von verschiedenen Südtiroler Wehren.

„Der starke Schneefall und die Erdbeben haben die Straßen unbefahrbar gemacht. Obwohl die Fräse gut mit dem Schnee zurecht kommt, mussten wir immer wieder umgefallene Bäume und ähnliches mit Motorsägen beseitigen, um den Weg freizumachen“, so Petermair. Ein Trupp war für die Treibstoff-Versorgung der zahlreichen Maschinen zuständig.

Häuser, Stallungen und Holzhütten freigemacht

Das Einsatzgebiet der Mannschaft aus Kaltern war eine Gemeinde unweit von Ascoli Piceno, bestehend aus mehreren Bergdörfern. „In dem Gebiet leben nicht viele Menschen: Es gibt Fraktionen mit 100 Häusern, aber auch welche mit 20 oder gar nur 5 Hütten. Manche stehen leer. Wir waren in einer Fraktion unterwegs, in der nur ein Mann lebt“, erklärt Petermair.

Die Mannschaft habe vor allem dafür gesorgt, dass die wenigen, die noch in den Bergdörfen leben, sich wieder frei bewegen können: Häuser wurden freigeschaufelt, Wege zu Haustüren, Stallungen und Holzhütten freigemacht.

„In diesen Gegenden leben vor allem ältere Menschen. Die Jungen sind in die Städte gezogen, in den Bergdörfern gibt es für sie keine Zukunft. Außerdem hat das Erdbeben im Sommer viele Häuser zerstört.“

Mit dem heutigen Mittwoch wurde der Einsatz für die Mannschaft aus Kaltern beendet. Die Situation in ihrem Einsatzgebiet hat sich entspannt und sie konnten die Rückfahrt antreten, ebenso wie eine Mannschaft aus Brixen.

Auch die Freiwilligen aus Brixen sind mittlerweile wieder auf dem Heimweg. Foto: Whatsapp

„Die größte Arbeit ist getan, die Bergleute können wieder ihrem Alltag nachgehen. Die Stimmung war eigentlich relativ gut, die Bewohner waren nicht verängstigt oder besorgt. Sie sind sowohl an die Erdbeben, als auch an den Schnee gewöhnt und haben Proviant vorrätig, der sie mindestens einen Monat lang versorgen würde. Aber sie haben sich sehr über die Hilfe gefreut.“

stol/liz

stol