Der Südtiroler hatte rund 250.000 Euro an den Beschuldigten für geplante Projekte im Nord-Irak überwiesen, die sich als Luftschlösser herausstellten. Die Verhandlung wurde erneut vertagt.Dem Südtiroler, selbst Unternehmer aus einer wohlhabenden Familie, sei der Angeklagte vom ehemaligen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Graz, Gerard Sonnenschein, als eifriger Geschäftsmann vorgestellt worden. Dann habe der 46-Jährige ihm die Pläne vom irakischen Stadtteil „Fort Knox“ sowie zur Gründung einer Privatbank in Kurdistan vorgelegt. „Ich habe etwa 250.000 Euro überwiesen“„Es war ein interessantes Projekt, ich habe etwa 250.000 Euro überwiesen und wurde dafür zum Finanzvorstand der Sunshine Invest SE“, so der Zeuge. Doch in dieser Funktion habe er „nie eine Bilanz gesehen“ oder Aufgaben erfüllt. „Ich weiß nicht einmal, ob das Unternehmen ein Konto hat.“Trotzdem scheine eine Unterschrift des Südtirolers unter einer Bilanz der Sunshine Invest SE aus dem Jahr 2008 auf, so der Staatsanwalt. Diese könne er nicht selbst gemacht haben, denn zu dem Zeitpunkt sei er schon „aus der Firma geworfen worden und nicht mehr zeichnungsberechtigt“ gewesen. Dass der Angeklagte von seinen Geschäftspartnern digitale Signaturen besaß, habe der Zeuge nicht gewusst. Doch der Beschuldigte legte eine E-Mail des Zeugen vor, in dem er offenbar einen Mietvertrag für ein Büro in Wien in seiner Funktion als Finanzvorstand abgesegnet hat. Das Schreiben wird geprüft.„Das Geld ist weg“Als Richter Karl Buchgraber nach dem Schaden fragte, der dem Südtiroler durch sein Investment entstanden sei, nannte dieser den Betrag von „um die 250.000 Euro, wenn die Bank im Irak nun nicht aktiv wird und Gewinne ausschüttet“. Daraufhin holte Buchgraber den Zeugen auf den Boden der Tatsachen: „Sie wird nie realisiert, das Geld ist weg.“ Die Lebensgefährtin des Zeugen, eine polnische Unternehmerin, hätte Leiharbeiter ihrer Firma für den Bau der Vorhaben in den Irak schicken sollen, aber dazu war es nicht mehr gekommen.Betrugsprozess dauert wohl mehrere Wochen Der Betrugsprozess gegen den Grazer Geschäftsmann wurde am Mittwoch begonnen und ist für mehrere Wochen anberaumt. Laut Anklage sollen bei diversen nie realisierten Großprojekten im Nord-Irak – darunter der Stadtteil „Fort Knox“, eine Eisenbahnlinie und eine Privatbank – ein Schaden von mehr als 1,5 Mio. Euro entstanden sein. Kommende Woche wird die Verhandlung fortgesetzt, ein Urteil wird aber erst für den November erwartet.apa