Wirtschaftslandesrat Marco Galateo ist ganz aus dem Häuschen. Erstmals hat die Unesco die kulinarische Tradition eines ganzen Landes als Ganzes zum Weltkulturerbe erhoben. Und zur italienischen Küche gehören laut Galateo eben nicht nur Pizza und Pasta, sondern die „typischen Produkte aller Regionen, selbstverständlich auch Speck, Knödel, Brot und was unsere Südtiroler Küche sonst noch zu bieten hat, in der sich zwei Europas, ja zwei Welten treffen“, schwärmt Galateo. Um die Bewerbung Italiens zu unterstützen, war er letztes Jahr auf Speck-Mission in New York. Nun sei der Erfolg da und soll sich in eigenen Marketingkampagnen niederschlagen. Auch auf Speisekarten könne in Zukunft das Unesco-Logo angebracht sein.<BR /><BR />Kann man Schlutzkrapfen, Käseknödel und Tirtlan wirklich wie Pizza und Pasta vermarkten? Die Wirtschaft kennt da offensichtlich keine Berührungsängste. „Welche Kampagne wir fahren, ist erst zu überlegen. Allemal ist es eine große Wertschätzung der kulinarischen Tradition vom Süden bis zum Norden und zeichnet Qualität aus“, sagt IDM-Präsident Hansi Pichler.<BR /><BR /> „Die Anerkennung gibt Italien und seiner Küche internationale Strahlkraft und ist eine große Anerkennung“, meint HGV-Chef Klaus Berger. Von dieser Strahlkraft „schöpfe auch die Gastronomie in Südtirol, welche seit jeher eine spannende Kombination zwischen alpin/regionalen und mediterranen Einflüssen aufweist und dafür geschätzt ist“.<h3> „Südtiroler Gastronomie als Brücke zwischen Nord und Süd“</h3>Kurt Unterfrauner, Vorsitzender der Gastronomie im hds, spricht von einer großen Bestätigung für den Stellenwert der italienischen Küche weltweit. „Für die Südtiroler Gastronomie als Schnittpunkt und Brücke zwischen Nord und Süd ist es eine zusätzliche Anerkennung unserer vielfältigen Küche.“<BR /><BR />„Diese Auszeichnung stärkt die Botschaft der hervorragenden italienischen Kulinarik, zu der auch unser Speck maßgeblich beiträgt. Wir sehen darin eine Chance, die Qualität, Authentizität und internationale Reputation des Südtiroler Specks weiter zu fördern“, sagt Martin Knoll, Direktor Südtiroler Speck Konsortiums. <BR /><BR />Im Landtag sehen die politischen Parteien die Sachlage etwas differenzierter. „Der Begriff ,italienisch’ ist auch in diesem Fall wohl eher nicht geopolitisch auf das Staatsgebiet bezogen zu verstehen. Die Südtiroler Küche ist aus meiner Sicht doch noch einmal etwas Eigenes“, meint Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP).<h3> Tiroler Küche habe nichts mit italienischer zu tun </h3>„Einen Austausch hat es in der Küche immer gegeben. Die Wiener Küche ist aus Böhmen“, sagt Sven Knoll (STF). Trotzdem habe die Tiroler Küche nichts mit der italienischen zu tun und sollte nicht als Teil davon vermarktet werden. „In Deutschland wird mittlerweile viel Pizza hergestellt und sie ist trotzdem kein typisch deutsches Produkt.“<BR /><BR />Brigitte Foppa (Grüne) hat unter Hans Debeljaks Schirmherrschaft gelernt, wie man Spaghetti und Spinatknödel kocht. Als große Liebhaberin der italienischen und der Südtiroler Küche freut sie die Auszeichnung erst einmal. „Allerdings würde ich mir auch wünschen, dass da auch ,Italien’ oder ,Südtirol’ drin ist und mitunter nicht nur drauf steht“, sagt Foppa.<BR /><BR />Ironisch kommentiert Oppositionsführer Paul Köllensperger: „Ich finde die Auszeichnung gut, möchte aber unbedingt wissen: Gilt sie auch für die Südtiroler Carbonara mit Sahne und Speck?“