Freitag, 27. Juli 2018

Südtiroler sagen Ja zur Organspende

13.266 Südtiroler haben seit Herbst 2015 ihren Personalausweis erneuert. Im Zuge dessen haben 12.428 einer Organspende zugestimmt.

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Foto: © shutterstock

„Ein voller Erfolg“, freut sich Gesundheitslandesrätin Martha Stocker. In einigen Gemeinden scheint das Interesse allerdings gering.

Eine eindeutige Erklärung dafür hat niemand. Mit Prettau und Niederdorf fehlen mittlerweile nur mehr 2 der 116 Gemeinden Südtirols, in denen Bürger noch nicht die Möglichkeit haben, bei der Erneuerung ihres Personalausweises gleichzeitig ihre Willenserklärung zu einer möglichen Organspende abzugeben.

„Aber auch dort sollten die Bürger schon bald diese Möglichkeit erhalten“, sagt Stocker.

Meran machte den Anfang

Meran war im September 2015 die erste Gemeinde, in der die Bürger am Standesamt Ja zu einer Organspende sagen konnten. Seither haben 718 Meraner ihren Ausweis erneuert. 688 von ihnen (95,8 Prozent) haben einer Spende zugestimmt. Trotz der großen Zustimmung liegt Meran hinter vielen anderen Gemeinden im Lande zurück – in 50 Kommunen wurden (Stand 19. Juli 2018) sogar 100 Prozent erreicht. Der Landesdurchschnitt liegt bei 93,7 Prozent.

Im Vergleich dazu haben sich bei der Vereinigung der Organspender AIDO seit Herbst 2015 gerade mal knapp 1200 neue Spender eingetragen. Für Stocker ist dies der Beleg dafür, „dass mit der Möglichkeit der Willensbekundung im Zuge der Erneuerung des Personalausweises eine enorme Hürde aus dem Weg geräumt wurde.“

Ein genauer Blick auf die Daten zeigt aber, dass die Bürger in einigen Gemeinden wenig Interesse an einer Organspende haben. „Da trifft jeder seine eigene Entscheidung“, sagt etwa Armin Gorfer, Bürgermeister von Gargazon. In seiner Gemeinde haben von insgesamt 194 Bürgern, die ihren Ausweis erneuert haben, nur 113 einer eventuellen Organspende zugestimmt (58,2 Prozent).

„Wir weisen die Leute zwar auf diese Möglichkeit hin, aber es hängt wohl auch ein wenig vom Alter derer ab die den Ausweis erneuert haben – die Älteren haben da sicher mehr Vorbehalte als die Jüngeren“, sagt er.

In St. Martin in Thurn noch keine große Beteiligung

Ähnlich niedrig ist die Zustimmungsrate in der Gemeinde Unsere liebe Frau im Walde/St. Felix. Hier haben mit 70 von 130 möglichen nur knapp mehr als Hälfte der Bürger einer Spende zugestimmt. Und auch in Villanders liegt man mit einer Zustimmungsrate von 63,1 Prozent bei 84 Bürgern nicht viel besser.

Eine Erklärung für die niedrige Rate in seiner Gemeinde hat auch Welschnofens Bürgermeister Markus Dejori nicht. Mit 115 von 176 Bürgern haben nur 66,6 Prozent bei der Erneuerung des Personalausweises einer möglichen Entnahme ihrer Organe zugestimmt. Auch hier weist das Meldeamt der Gemeinde per Rundschreiben auf die Möglichkeit hin. „Aber jeder entscheidet eben für sich“, sagt Dejori.

Noch düsterer sieht das Bild in St. Martin in Thurn aus. Hier sind es gerade mal 22 Prozent von 295 Bürgern einer Organspende zugestimmt. „Vielleicht haben meine Mitbürger dieses Thema bislang nicht so ernst genommen“, versucht Bürgermeister Giorgio Costabiei die niedere Beteiligung zu erklären. Dass sie kein Interesse daran haben oder der Organspende gar ablehnend gegenüberstünden, kann Costabiei sich nicht vorstellen.

Dass Letzteres nicht immer ein Kriterium sein muss, um Bürger von einer Zustimmung abzuhalten, belegen die Zahlen in Nals. Hier hatten einige Bürger sich bei einem entsprechenden Info-Abend klar gegen die Organspende ausgesprochen. Dennoch haben alle der 61 Bürger, die seit November 2015 ihren Personalausweis erneuert haben, auch Ja zu einer Organspende gesagt.

em/D

stol