Donnerstag, 15. Juli 2021

Südtiroler Weltläden und OEW: Noch Kaffeetassen im Schrank?

Die Südtiroler Weltläden und die OEW-Organisation für Eine solidarische Welt planen im September und Oktober eine mehrteilige Aktion, um auf die Produktionsbedingungen von Kaffee im globalen Süden aufmerksam zu machen.

Die Südtiroler Weltläden und die OEW-Organisation für Eine solidarische Welt planen im September und Oktober eine mehrteilige Aktion.
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Die Südtiroler Weltläden und die OEW-Organisation für Eine solidarische Welt planen im September und Oktober eine mehrteilige Aktion. - Foto: © shutterstock
Für den großen Aktionstag am 1. Oktober bitten sie um Tassen in allen möglichen Größen und Formen. Sie sollten einfarbig, können weiß, aber auch in jeder anderen Farbe sein. Alle Südtiroler Weltläden nehmen die Tassen bis Ende Juli entgegen.

Bei der Kampagne zu fairem Kaffee wird im September und Oktober mehrere Wochen lang auf die Lebensbedingungen von Kaffeeproduzenten im Globalen Süden hingewiesen. Kaffee ist eines der beliebtesten Getränke der Südtiroler. Der faire Handel stärkt die Position von kleinbäuerlichen Kaffeebetrieben auf dem Weltmarkt. Zu den Fair-Trade-Standards gehören Mindestpreise und Umweltkriterien, demokratische Strukturen und Selbstbestimmung.

Weltläden und OEW möchten keine neuen Tassen ankaufen, sondern sammeln bereits benutzte Tassen. Diese werden im August in Zusammenarbeit mit Jugendlichen mit dem Kampagnenslogan handbeschrieben und am Welttag des Kaffees bei verschiedenen Kaffeeverkostungen verteilt. Die Südtiroler sind daher eingeladen, einfarbige Kaffeetassen in den Südtiroler Weltläden in Bozen, Brixen, Klausen, Kastelruth, Gröden, Sterzing, Meran, Lana, Latsch, Leifers, Neumarkt, Sand in Taufers, Bruneck oder Toblach abzugeben.

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2020 wurden weltweit rund 171,9 Millionen Säcke Kaffee à 60 kg erzeugt. Die wichtigsten Anbauländer sind Brasilien, Vietnam und Kolumbien. 80 Prozent des Kaffees wird von 25 Millionen Kleinbauernfamilien produziert, die weniger als 10 Hektar Land besitzen.

Viele Menschen leben von weniger als 2 Dollar am Tag, oft in abgelegenen Gegenden. Der Klimawandel stellt die Bauernfamilien vor große Herausforderungen. Das Auftreten bestimmter Schädlinge und Krankheiten wird durch den Temperaturanstieg begünstigt. Der Weltmarktpreis für Kaffee schwankt immer wieder. Kleinbauernfamilien, die nicht in Kooperativen zusammengeschlossen sind, sind Händlern schutzlos ausgeliefert. Aufgrund kleiner Anbauflächen und niedriger Ernteerträge stecken Kaffeebauernfamilien in der Armutsfalle fest.

Nur wenige haben das Sagen in der Kaffee-Lieferkette. Sie wird von einer kleinen Zahl multinationaler Handels- und Röstfirmen dominiert. So beherrschen fünf multinationale Konzerne fast die Hälfte des weltweiten Kaffeemarkts. Steigende Landwirtschafts- und Haushaltskosten, nicht zuletzt ausgelöst durch Wirtschaftskrise und Pandemie, machen den Kaffeebauernfamilien zusätzlich zu schaffen.

stol

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