Mit rund 20 Kilogramm Reis fing alles an: Am Weihnachtstag, dem 25. Dezember 2007, verteilte eine Gruppe von Europäern vor den Toren der hinduistischen Tempelanlage, dem Ashram „Munger Raj Mandir“ in der indischen Stadt Vrindavan, eine kostenlose Mahlzeit an Bedürftige. Eine von ihnen war Katya Waldboth aus Garn in der Gemeinde Feldthurns. <h3> Wie alles begann</h3>Das war der Startschuss für die Initiative „Prem Prasad“ (Gesegnete Mahlzeit), aus der 2010 der gleichnamige ehrenamtliche Verein hervorging. <BR /><BR />Armut ist in Indien allgegenwärtig, kostenlose Essensausgaben an Arme gehören zum indischen Selbstverständnis. Grundlage von Prem Prasad ist daher nicht das Mitleid privilegierter Europäer mit mittellosen Indern, sondern Respekt, Mitgefühl und der Anspruch, Friedensarbeit in der täglichen Begegnung zu leisten. Waldboth ist Gründungsmitglied von „Prem Prasad“ und Vorsitzende des Vereins. <BR /><BR />Doch wie kam es dazu? „Angefangen hat alles nach einem Vortrag von Sadhu (spiritueller Lehrer, Anm. d. Red.) Maharaja in Europa, den ich besucht hatte“, erinnert sich Waldboth heute. Sie kam mit dem Lehrmeister ins Gespräch, er lud sie nach Indien ein. Die Einladung hatte Waldboths Pläne damals über den Haufen geworfen, denn eigentlich wollte sie zurück nach Afrika, wo sie sich in Uganda als Friedensarbeiterin engagierte. <BR /><BR />4 Wochen verbrachte sie dann im Ashram in der für Hindus heiligen Stadt Vrindavan, rund 100 Kilometer südlich von Delhi. Der Ashram Munger Raj Mandir ist seit Generationen in Familienbesitz. Vor allem die Armut der Straßenkinder hatte Waldboth und eine Reihe anderer Europäer, die sich in dem Meditationszentrum aufhielten, betroffen gemacht. Aus dem Bedürfnis nach gelebter Nächstenliebe entstand Prem Prasad. <BR /><BR />Gemeinsam einigte sich die Gruppe um Prem Prasad mit den Besitzern des Ashrams: „Wir vom Verein übernehmen die Finanzierung der täglichen Mahlzeiten, der Ashram kümmert sich um Einkauf, Zubereitung und Ausgabe“, erklärt Waldboth. <h3> 2 Mahlzeiten gepaart mit Respekt</h3>Seit 16 Jahren finanziert Prem Prasad 2 Mahlzeiten am Tag. Es gibt Reis, Fladenbrot, einen Gemüse-Linsen-Eintopf. An heißen Sommertagen verteilt Prem Prasad auch Obst. Außerdem versorgt der Verein die Menschen mit sauberem Trinkwasser. <BR /><BR />„Im Moment schaffen wir es dank der Spenden, 250 bis 300 Mahlzeiten am Tag auszugeben“, sagt Waldboth. Es sind Kinder, Familien, Tagelöhner, die für eine Mahlzeit dankbar sind. Pro Jahr verteilt Prem Prasad allein 4 Tonnen Reis, für die Preisverhandlungen mit den Händlern reist Waldboth oft auch selbst nach Indien, aber auch sonst ist sie etwa 2 Mal im Jahr für mehrere Wochen in dem Land.<BR /><BR />Auch in Indien sind die Preise für Grundnahrungsmittel zuletzt rasant gestiegen, 80 Euro pro Tag muss der Verein inzwischen für eine durchschnittliche Essensausgabe kalkulieren, 4 Mal so viel wie noch 2007.<BR /><BR />Eine über das Internet vernetzte Welt macht es möglich, dass Waldboth von Garn aus mit einer Kerngruppe die tägliche Essensausgabe koordiniert bzw. im Auge behält. Auch das Spendenaufkommen und das Budget sind im Laufe des Jahres gestiegen, 2023 umfasst es 23.000 Euro. „Es gibt Menschen in Indien, aber auch in Europa und Südtirol, die unsere ehrenamtliche Arbeit mit einer einmaligen Spende – etwa als Geburtstagsgeschenk – oder auch regelmäßig unterstützen“, erklärt Waldboth. Die Größe des Vereins ist bis heute überschaubar geblieben, der Kern besteht aus 20 Mitgliedern. Seit Jahren ist der Verein auch mit einem Stand auf dem Brunecker Weihnachtsmarkt vertreten. Auch beim heute beginnenden Brunecker Stadtfest wird Prem Prasad mit einem Essensstand mit vegetarischen Gerichten dabei sein. Der Erlös kommt dem Verein zugute.<h3> Begegnung auf Augenhöhe</h3>In Südtirol kennt man die 46-jährige Katya Waldboth und ihren Mann Armin Untersteiner vor allem als Pioniere in der Herstellung der Bio-Schokolade „Karuna“ aus edlen Kakakobohnen. Doch die Menschen in Indien und die Arbeit für Prem Prasad waren und sind für Katya Walboth weiter eine Herzensangelegenheit: „Die Arbeit für Prem Prasad gibt mir innere Freude und Lebendigkeit.“<BR /><BR />Für Katya Waldboth ist Frieden weit mehr als bloß ein Wort – Frieden beginnt in konkreten Beziehungen, in gegenseitiger Liebe und Respekt, in einer Begegnung auf Augenhöhe. Waldboth: „Wir sind alle Brüder und Schwestern. Die Bedürftigen wollen nicht unser Mitleid, das verbietet ihnen ihre Würde.“ Im August wird Waldboth das nächste Mal für 3 Wochen nach Vrindavan reisen.