Es war im fernen Juni 2022, als die Landesregierung in Umsetzung des Urbanistikgesetzes von 2018 alle Gemeinden dazu verpflichtet hat, bei der Erarbeitung ihrer Entwicklungsprogramme die Leerstände zu erheben. Der Zweck der Übung war, mit den gewonnenen Daten „Ziele und Fristen für die Wiederverwendung“ ungenutzter Liegenschaften vom Gebäude bis zu unbebauten (Bau-)Flächen festzulegen. Als Leerstand gilt, wenn Liegenschaften für Wohnen, Dienstleistung, Einzelhandel, Gastgewerbe ein Jahr leer stehen. Bei Industrie, Großhandel, Handwerk, Landwirtschaft und Einrichtungen von öffentlichem Interesse sind es zwei Jahre. Sogar ein Formular wurde beigelegt.<h3> Erhebung liefert keine brauchbaren Daten</h3>Vier Jahre später ist die Erhebung zur Posse verkommen: Sie läuft, läuft und läuft, liefert aber keine brauchbaren Daten. Laut Landesrat Peter Brunner hätten 52 Gemeinden inzwischen zwar 3.597 Leerstände festgestellt, die vom Gemeindenverband und der Plattform Land in ein System eingespeist werden. Es sei aber „nur eine Momentaufnahme“, umschreibt Brunner das Problem: „Gemeinden sind nur verpflichtet, Daten digital zu erheben, aber nicht, sie irgendwohin weiterzuleiten“, sagt der Präsident der Plattform Land, Andreas Schatzer. Leerstand verändert sich ständig. Einige Gemeinden haben ihr Entwicklungsprogramm erstellt und den Leerstand z.B. vor Jahren erhoben, andere haben es noch vor sich. „Einen einheitlichen Termin, etwa jeweils zu Jahresende, um aktuelle Daten zu haben, gibt es nicht“, sagt Schatzer.<h3> Keine Eile für Erhebung</h3>Vor drei Wochen hat Landesrätin Ulli Mair die Landesregierung darauf hingewiesen, dass das Ganze so wohl keinen Sinn macht. „Zu Recht, Ziel ist eine einheitliche Datenbank mit Stichtag, damit die Leerstanderhebung zum Planungsinstrument wird“, sagt Landeshauptmann Arno Kompatscher. Festgestellt wurde laut Brunner nämlich auch, dass viele gleichzeitig an der Erhebung herumköcheln: Gemeinden, Plattform Land, hds für den Einzelhandel, die Abteilung Wirtschaft für die Gewerbezonen. „Wir werden schauen, das zusammenzuführen“, sagt Brunner.<BR />Besonders eilig hat man es dabei aber nicht. Demnächst soll sich laut Brunner eine Arbeitsgruppe aus Gemeindenverband, Abteilung Raumordnung und Abteilung Wohnbau treffen. „Da es beim Leerstand vor allem um ungenutzten Wohnraum geht, wird die Mitarbeit der Abteilung Wohnbau federführend nötig sein“, spielt Brunner den Ball an Wohnbaulandesrätin Mair weiter. „Davon weiß ich allerdings nichts“, stellt Mair klar.<BR />Beim Gemeindenverband sieht man die Notwendigkeit brauchbarer Daten zwar ein. „Es muss aber ein System gefunden werden, das nicht zusätzliche Bürokratie mit sich bringt. Unsere Bauämter sind schon jetzt überlastet“, bremst Präsident Dominik Oberstaller die Erwartungen auf rasche Lösungen.