Freitag, 12. August 2016

Südtirols Jugend heiratet nicht mehr

Zum Weltjugendtag am 12. August beleuchtet das Landesinstitut für Statistik Astat die Südtiroler unter 35 Jahre und stellt fest, dass diese zur Mangelware geworden sind.

Kinder ja, Ehe nein: Südtirols Jugend heiratet nicht mehr.
Badge Local
Kinder ja, Ehe nein: Südtirols Jugend heiratet nicht mehr.

Dass die Bevölkerungszahlen in Südtirol rückläufig sind, ist mittlerweile ein alter Hut. Doch was diese Veränderung für Südtirols Gesellschaft mit sich bringt ist nicht weniger als alarmierend. Während vor 25 Jahren noch ein Drittel der Bevölkerung unter 35 Jahr alt war, sind das heute nur mehr weniger als ein Viertel (23 Prozent). Einher mit dieser Überalterung geht auch eine mangelnde Gebärfreudigkeit, die das Problem in den kommenden Jahren noch verschärfen wird.

Alles geschieht später

Junge Erwachsene gründen immer später eigene Familien. Symptom dafür ist, dass die jungen Südtiroler auch immer später von Zuhause ausziehen. 25.356 Männer und 19.922 Frauen leben noch im elterlichen Haushalt. Bei den älteren „Nesthockern“ handelt es sich vorallem um Männer handelt.

Beinahe die Hälfte der 2016 in Südtirol geborenen Kinder sind unehelich. Da nur 9,2 Prozent der Männer und 16,6 Prozent der Frauen vor ihrem 35. Lebensjahr den Bund der Ehe eingegangen sind, ist das nicht verwunderlich. Durchschnittlich heiratet Frau Südtiroler mit 34,3 Jahren und Herr Südtiroler gar erst mit 36,9 Jahren. Die meisten Mütter gebären dennoch in 70 Prozent der Fälle noch bevor sie die Mittdreißiger erreichen. Mehr als die Hälfte der werdenden Väter haben diesen Meilenstein bereits überschritten.

Jugendschwangerschaften sind hingegen so gut wie inexistent in Südtirol: Nur 1,1 Prozent der Neugeborenen haben Mütter, die weniger als 20 Jahre alt sind. Nur 5 Prozent der Abtreibungen sind an 15- bis 19-Jährigen durchgeführt worden.

Der Arbeitsmarkt macht es jungen Frauen schwer

Warum junge Frauen ihrem Kinderwunsch immer später nachkommen, ist sehr deutlich aus den Daten zur Südtiroler Arbeitswelt zu entnehmen. 60,1 Prozent der jungen Südtiroler sind dieser Arbeitswelt tätig (im Vergleich sind es in Italien nur 39,2 Prozent). Der Hund liegt aber mit den Arbeitslosen begraben: Obwohl Frauen deutlich höhergebildet sind, liegt ihre Erwerbsquote 16 Prozent unter der ihrer männlichen Altersgenossen. Zählt man noch jenen Prozentsatz der Frauen dazu, die bestätigen, dass sie ein besseres Arbeitsangebot sofort annehmen würden, ist der Anteil der Arbeitslosen oder bei ihrer Arbeit unglücklichen Frauen beinahe doppelt so hoch wie bei den Männern.

Prekäre Verhältnisse für junge Familien

Während die 15-jährigen Mädchen noch mehr verdienen als die Buben, entwickelt sich die Lohnschere ab 20 zum Nachteil der Frauen. Noch schlimmer wird die Situation, sobald ein Kind dazu kommt: Alleinlebende Frauen, junge Familien und auch kinderreiche Alleinerziehende sind armutsgefährdet. Der Grad der Armutsgefährdung steigt proportional zur Anzahl der abhängigen Kinder. In Haushalten mit Bezugsperson unter 25 liegt die Armutsgefährdungsquote gar bei 20 Prozent.

Unter 35: Lieber nicht in Südtirol

Im Jahr 2015 sind 1000 junge Südtiroler in Ausland gezogen. Dieser Tendenz ist seit dem Jahr 2005 stark angestiegen und hat sich in den vergangenen 10 Jahren beinahe verdreifacht. In vielen dieser Fälle geht diese Entwicklung mit dem Studienaufenthalt im Ausland einher: In derselben Zeitspanne ist der Prozentsatz jener, die eine Universität abgeschlossen haben, von 6,4 Prozent auf 9 Prozent gestiegen. Diese neuen Akademiker erhöhen den Landesdurchschnitt um 8 Prozent: 21 Prozent der Südtiroler haben eine Hochschule abgeschlossen. Dabei liegt Südtirol unter dem italienischen Durchschnitt von 22,7 Prozent – und weit unter der Zielsetzung der Europäischen Union von 40 Prozent bis zum Jahr 2020.

Ohne Zuwanderung wäre die Situation noch prekärer

Die Zahl der Jungen, die in Südtirol leben, ist trotz der Abwanderungen nicht rückläufig, denn im Jahr 2015 sind 1450 junge Ausländer nach Südtirol zugewandert. Mittlerweile sind 11,9 Prozent der unter 35-Jährigen nicht in Italien geboren. In manchen Jahrgängen wie zum Beispiel bei den 30- bis 34- jährigen sind 16,1 Prozent Ausländer. Bei den Teenagern liegt der Prozentsatz bei 6,9 Prozent. Die Dunkelziffer ist wohl weitaus höher: Minderjährige bekommen die italienische Staatsbürgerschaft, sobald ihre Eltern diese erhalten haben. Dieser Trend wird wohl auch in den kommenden Jahren nicht abreißen: Ausländerinnen gebären durchschnittlich 2,4 Kinder, während Südtirolerinnen nur 1,6 Kinder bekommen.

Trotz Hürden glücklich

Die junge Generation ernährt sich ungesund: Weniger als die Hälfte isst täglich Gemüse und 60 Prozent essen zu häufig Süßes. Ein Drittel ist sportlich inaktiv. Beinahe 23 Prozent der jungen Südtiroler sind sogar übergewichtig. Jeder Dritte hat im vergangenen Jahr mindestens einmal zu viel Alkohol konsumiert. 8 Prozent der unter 35-Jährigen sind sogar chronisch krank. Und dennoch: Beinahe zwei Drittel sind sehr zufrieden mit ihrem Leben. Die Quelle dieser Zufriedenheit sind Familie und Freunde: Beinahe 95 Prozent der jungen Südtirol geben an, sich bei Familie und Freunde wohl zu fühlen. Sie geben Halt in ungewissen Zeiten.

stol/wh

stol