Dienstag, 08. September 2015

Südtirols Murmeltiere unter Beschuss

Das Murmeltier zählt in Südtirol nicht zu den jagdbaren Tieren. Nach Einholen des Gutachtens der Wildbeobachtungsstelle können jedoch Abschusspläne genehmigt werden, um zu verhindern, dass sich die Murmeltiere übermäßig vermehren und dadurch unter anderem das ökologische Gleichgewicht gefährden.

Der Murmeltierbestand sorgt in manchen Gegenden Südtirols für Probleme. (Foto: sch)
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Der Murmeltierbestand sorgt in manchen Gegenden Südtirols für Probleme. (Foto: sch)

Landesrat Arnold Schuler hat am Dienstag das diesbezügliche Dekret unterzeichnet.

50.000 Murmeltiere bewegen sich derzeit schätzungsweise auf 75.000 Hektar Fläche in Südtirol. "Die Murmeltierregulierung", erklärt Schuler, "soll verhindern, dass die Pflege der wertvollen Almlandschaft aufgegeben wird".

In der Schweiz und in Österreich sind Murmeltiere regulär bejagt. In Südtirol kommen Murmeltiere ebenso häufig vor, Italien listet das Murmeltier jedoch bei den geschützten Wildarten auf. Unter strengen Voraussetzungen ermöglicht aber auch das italienische Jagdrahmengesetz eine Regulation des Murmeltieres.

Bewirtschaftung der Flächen gefährdet

Im gesamten italienischen Alpenraum sind ehemalige Almwiesen häufig verbuscht oder werden nur mehr extensiv beweidet. In Südtirol ist die Situation anders, da die Bergbauern die Almflächen mähen und bearbeiten.

In ökologischer Hinsicht bieten diese bewirtschafteten Flächen wesentlich mehr Artenreichtum, sowohl für Pflanzen als auch für Tiere. Der Lebensraum für Murmeltiere wurde großteils gerade durch die Rodung zur Schaffung der Almflächen im Mittelalter ermöglicht.

Gefährdet ist die Bewirtschaftung dieser Flächen, wenn die Erschwernisse zu groß werden. Finanzielle Anreize reichen alleine nicht aus.

Überprüfung durch Forstbehörde 

Da Flächen heute aufgrund der geringen Zahl von Arbeitskräften kaum mehr mit der Hand gemäht und bearbeitet werden können, sind Grabschäden von Murmeltieren ein Grund für die Aufgabe der Bewirtschaftung - zu aufwändig, kostenintensiv und zugleich auch zu gefährlich für einen Maschineneinsatz, erläutert Andreas Agreiter, geschäftsführender Direktor des Landesamtes für Jagd und Fischerei. 

Um das zu verhindern, sollen die Murmeltiere gezielt dort, wo Probleme auftreten, reguliert werden. Die Schäden wurden von den Grundeigentümern gemeldet, von den hauptberuflichen Jagdaufsehern bestätigt und von der Forstbehörde überprüft.

Gezielte Regulation 

Das Amt für Jagd und Fischerei bewertet, auf welchen Flächen eine Regulation prioritär erscheint. Auch wird geprüft, ob alternative ökologische Maßnahmen - wie es das Staatsgesetz vorsieht - anwendbar sind.

Das Gutachten der Wildbeobachtungsstelle des Landes und des staatlichen Istituto superiore protezione e ricerca ambientale Ispra gab schließlich grünes Licht für eine gezielte Regulation des Murmeltieres - beschränkt auf Örtlichkeiten wesentlicher Schadeinwirkung und zahlenmäßig so beschränkt, dass der Murmeltierbestand als Gesamtes nicht gefährdet wird.

lpa

stol