<BR />Südtirols Notaufnahmen stoßen zunehmend an ihre Grenzen und darüber hinaus. Wie berichtet, sind beispielsweise allein am Landeskrankenhaus Bozen die Patientenzahlen der Ersten Hilfe in den vergangenen fünf Jahren um 65 Prozent gestiegen. Doch der Trend ist nicht nur ein Bozner Phänomen: Ein Blick auf alle sieben Krankenhäuser in Südtirol zeigt, dass die Belastung auch landesweit deutlich zunimmt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1290624_image" /></div> <BR />273.160 Mal wurden die Notaufnahmen im Jahr 2019 aufgesucht. In den Folgejahren 2020 (198.356) und 2021 (219.646) nahm die Anzahl der Zugänge zunächst ab – ein Rückgang, den Gesundheitslandesrat Dr. Hubert Messner auf die Pandemie zurückführt. Bereits 2022 wurde jedoch wieder das Vor-Covid-Niveau erreicht. Seitdem setzt sich der Anstieg in den Notaufnahmen jährlich fort – ein Trend, den auch die Zahlen für 2025 zeigen. Bis einschließlich Juni wurden 156.514 Patienten in der Ersten Hilfe registriert. „Verdoppelt man diesen Wert, lässt sich für 2025 ungefähr abschätzen, dass die Gesamtzugänge erneut deutlich gestiegen sind“, erklärt Dr. Messner. <h3> Besonders Fälle der Kategorie Grün nehmen zu</h3>Bei der Dringlichkeit der Fälle zeigt sich ein differenziertes Bild: Notfälle, die unter die Kodexe Rot und Orange geführt werden, bleiben im Jahresvergleich stabil, während die gelbe Kategorie leicht rückläufig ist. Alle drei Kategorien gelten medizinisch als dringlich und somit angemessen für eine Behandlung in der Notaufnahme. <BR /><BR />„Eine starke Zunahme der beiden nicht dringlichen Kodexe stellt die Organisation der Notaufnahmen jedoch vor große Herausforderungen“, gibt Dr. Messner zu bedenken. So stiegen die „grünen“ Fälle von 57 Prozent im Jahr 2019 auf 67 Prozent im Jahr 2024, während die Kategorie Blau von 3,3 auf 5,4 Prozent wuchs. Daraus ergibt sich, dass die wachsenden Patientenzahlen vor allem auf die überproportionale Zunahme der nicht dringlichen Kodexe zurückzuführen sind. Laut dem Manchester-Triage-System (Anm. d. Red.: Verfahren zur Einteilung von Patienten in fünf Dringlichkeitsstufen), das auch im Südtiroler Sanitätsbetrieb zur Anwendung kommt, gelten sowohl Grün als auch Blau als unangemessene Besuche in den Notaufnahmen, da sie „ohne Dringlichkeit“ definiert sind. „Patienten dieser Kategorien können an anderen Stellen, beispielsweise beim Hausarzt, in Gesundheitssprengeln oder Gemeinschaftshäusern, angemessener betreut werden“, heißt es vonseiten des Gesundheitsressorts.<h3> Wohnortnahe Betreuung soll gestärkt werden</h3>Um den steigenden Zahlen entgegenzuwirken, will das Land daher auf die Stärkung der wohnortnahen Betreuung setzen. „Wir fördern Ambulatorien und Gemeinschaftspraxen der Hausärzte etwa durch Beiträge für diagnostische Geräte oder Sekretariatspersonal“, so Dr. Messner. Auch die Dienste der Gesundheits- und Sozialsprengel, von Blutabnahmen über pflegerische und therapeutische Dienste bis hin zur Hauskranken- und familienzentrierten Pflege mit proaktiven Hausbesuchen, werden unterstützt. Ein wesentlicher Schlüssel liege aber in den neu entstehenden Strukturen und Maßnahmen.<h3> Neue Wege gegen volle Notaufnahmen</h3>Um die Notaufnahmen zu entlasten, setzt das Land auf zwei zentrale Maßnahmen: Zum einen startet ab Mai im Gesundheitsbezirk Bozen ein Pilotprojekt der einheitlichen europäischen Gesundheitshotline 116117, die Bürger zu sämtlichen Gesundheitsfragen berät. Nach dem Pilotprojekt ist eine sukzessive Ausweitung auf das gesamte Land geplant. <BR /><BR />Zum anderen sollen Patienten der Kodexe Grün und Blau verstärkt in die Ambulatorien der Gemeinschaftshäuser umgeleitet werden. Die ersten Einrichtungen sollen ebenfalls im Mai eröffnen und eine Vielzahl pflegerischer, therapeutischer, fachärztlicher, diagnostischer und sozialer Dienste bündeln. Vorgesehen ist auch ein Ambulatorium für kleinere Dringlichkeiten, in dem diese Patienten schnell und angemessen durch Ärzte und Pflegepersonal versorgt werden. Ergänzend werden Gemeinschaftskrankenhäuser mit Intermediärbetten bereitgestellt. Diese bieten Patienten mit pflegerischem Betreuungsbedarf die Möglichkeit einer stationären Betreuung, ohne dass der Zugang über die Notaufnahme erfolgen muss.