Die Klagen über Südtirols Schneckenpost könnten ganze Bücher füllen, blieben aber nicht ungehört. Um die Briefträger zu entlasten, bastelt das Unternehmen an einem Paketdienst. Derzeit sind nämlich die Briefträger auch für das Zustellen von Paketen zuständig, weshalb man ihnen ihre alten Arbeitszeiten bis 13 Uhr gestrichen und bis 15.30 Uhr ausgedehnt hat. Dies hatte reihenweise Kündigungen zur Folge, weil der Job für Frauen nicht mehr mit Familie und Zweitberuf auf Höfen vereinbar wurde. Bei der Post verbinden viele mit dem neuen Paketdienst also auch die Hoffnung auf eine Rückkehr zu den alten Arbeitszeiten.<h3> Einzugsgebiete werden größer</h3>Soweit, so gut, möchte man meinen. „Allerdings will das Unternehmen in Erwartung des Paketdienstes 35 Briefträger streichen“, wettert Gewerkschafterin Longo. 16 davon betreffen das Verteilerzentrum Bozen, sieben Bruneck, sieben Meran, jeweils zwei Klausen und Auer und eine Stelle in Brixen. Weil die Post ja trotzdem zugestellt werden muss, werden die Einzugsgebiete für die verbleibenden Briefträger umso größer. <BR /><BR />„Diese Personalkürzungen können wir auf keinen Fall mittragen“, sagt Longo. In der Theorie sollte der Paketdienst ab September starten. Noch sei aber vieles in der Schwebe. So sei völlig ungeklärt, woher das Personal kommen soll. „Auf eine Ausschreibung für 68 Posten haben sich magere 18 Interessierte gemeldet, von denen 15 die Voraussetzungen erfüllen“, so Longo. Auch die Fahrzeuge für den Paketdienst seien derzeit noch nicht garantiert.<h3> Drei Zonen sollen zusammengelegt werden</h3>Hinzu komme, dass der Paketdienst nur im Umkreis von 35 Kilometern um die Landeshauptstadt Bozen aktiv sein soll. Meran und Klausen wären abgedeckt. „Was aber ist mit Latsch oder Toblach?“, fragt Longo. Dass in der Peripherie weiter die Briefträger für die Pakete zuständig bleiben, liege auf der Hand. „Und ob jene im Umkreis von Bozen wirklich entlastet werden, muss zumindest bezweifelt werden“, so Longo. Die Post plane nämlich, den Spediteur Bartolini einzugliedern. „Wir befürchten, dass die Pakete von Amazon und Temu bei den Briefträgern hängen bleiben“, sagt Longo.<BR /><BR />Gänzlich auf die Palme bringt sie, dass drei Zonen zusammengelegt werden sollen: Nals mit Meran, Kurtatsch mit Auer und Deutschnofen mit Bozen. In der täglichen Praxis bedeute dies, dass die Briefträger aus Deutschnofen außerhalb ihrer Dienstzeit erst nach Bozen fahren müssen, um dort die Post abzuholen. Dann tragen sie diese in Deutschnofen aus und fahren nach Dienstschluss wieder nach Bozen, um ihr Dienstauto zurückzugeben und mit dem eigenen Fahrzeug oder Bus nach Hause zu tingeln. „Jeden Tag verlieren sie dabei mindestens eineinhalb Stunden. Ein vorprogrammierter Aderlass, denn alle drei Frauen, die in Deutschnofen den Dienst versehen, werden kündigen“, so Longo. Alle drei seien Südtirolerinnen und seit Jahren für die Post tätig.