Donnerstag, 25. Mai 2017

Südtirols schönste Apothekerin: „Wir versuchen, diskret zu sein“

Viele Südtiroler fühlen sich in der Apotheke belauscht von anderen Kunden. Von null Privatsphäre in so sensiblen Dingen ist die Rede. Ein Missstand, den Südtirols schönste Apothekerin so nicht gelten lassen will.

Nicole Uibo ist Apothekerin in Mühlbach, Zett-Miss Südtirol 2016 und künftige Frau von Landesrat Philipp Achammer. Sie weiß um die Wichtigkeit von Privatsphäre.
Badge Local
Nicole Uibo ist Apothekerin in Mühlbach, Zett-Miss Südtirol 2016 und künftige Frau von Landesrat Philipp Achammer. Sie weiß um die Wichtigkeit von Privatsphäre. - Foto: © STOL

Sie ist im Land bekannt als schönste Frau Südtirols und Trägerin von Titel und Krönchen der Zett-Miss Südtirol 2016 sowie als künftige Ehefrau von Landesrat Philipp Achammer. Für die meisten Mühlbacher ist Nicole Uibo aber vor allem ihre Apothekerin. STOL hat sie zu einem aktuellen, sehr sensiblen Thema befragt:

Südtirol Online: Die mangelnde Diskretion in Südtirols Apotheke ist derzeit groß im Gespräch – die Verbraucherzentrale Südtirol stellt den Apotheken im Land diesbezüglich ein schlechtes Zeugnis aus (STOL hat berichtet). Was sagen Sie dazu?

Nicole Uibo, Apothekerin in Mühlbach: Es gibt sicher Situationen, in denen es schwierig ist. Auch weil es den Leuten nicht immer so bewusst ist. Ich will gar nicht sagen, die Leute wollen mitlauschen. Sie träumen oft eher vor sich hin, bis sie an der Reihe sind.
Wenn eine Apotheke gerappelt voll ist, ist es auch wahnsinnig schwierig, den Abstand einzuhalten. Natürlich versucht man leiser zu sprechen, auf die Person einzugehen, da es ein persönliches Gespräch ist, bei den der Kunde sich wohlfühlen soll. Man versucht natürlich, die Privatsphäre der Kunden zu schützen.

STOL: Und doch gelingt es nicht immer…

Uibo: Es ist kaum zu vermeiden, dass andere Menschen irgendetwas mitbekommen. Doch das ist – wenn wir ehrlich sind – in einer Arztpraxis und einem Krankenhaus nicht anders. Eine absolute Abschirmung lässt sich nicht vermeiden, dann müsste man Kabinen aufbauen.

STOL: Werden Kunden zurechtgewiesen, bzw. angewiesen, einen Respektabstand zu halten?

Uibo: Das kommt schon vor - oftmals bei älteren Menschen. Ich glaube, diese nehmen es einfach nicht wahr, dass sie zu nahe stehen. Dann sagt man halt: Da ist jetzt noch eine andere Kundin, „mechtn Sie da a Momentl wortn“. Wir versuchen diskret zu sein und es als wichtig zu erachten.

Nicole Uibo ist Apothekerin in Mühlbach. Sie weiß um die Wichtigkeit von Vertrauen, Privatsphäre und Verschwiegenheit. - Foto: STOL

STOL: Gibt es dennoch Fälle, in denen Sie merken, da spitzt jemand dahinter die Ohren – etwa wenn ein Schlagwort wie Viagra fällt?

Uibo: Im Normalfall kommen Kunden, die solche Medikamente holen wie Viagra, schon ganz bewusst an den Rand der Theke, weil sie wissen, sie sind dort etwas abgeschirmt. Auch kommt es vor, dass man Schachteln umdreht, um vor Blicken zu schützen.
Aber es kommt auch total auf die Kunden an. Es gibt Leute, denen ist es völlig egal, ob es jemand mitbekommt oder nicht.

STOL: Sind Signale, wie Striche am Boden und Abstandsschilder nützlich?

Uibo: Es ist sicher eine Möglichkeit, wie es in der Bank und solchen Institutionen ist. Man möchte aber auch, dass die Kunden selbst ein bisschen Einfühlungsvermögen und Respekt gegenüber den anderen an den Tag legen und Abstand halten.  

STOL: Die Menschen kommen im Vertrauen zu Ihnen in die Apotheke. Wie wichtig ist eine diese Basis?

Uibo: Das ist für mich oberstes Gebot, sonst funktioniert ein solches Verhältnis zwischen Kunde und Apotheker nicht. Es ist Berufspflicht, dass man die Dinge für sich behält.

Interview: Petra Kerschbaumer

stol