Donnerstag, 28. November 2019

Südtirols soziale Einrichtungen stark ausgelastet

Ende des Jahres 2018 gibt es in Südtirol 304 soziale Einrichtungen, die sich auf unterschiedliche Personengruppen wie zum Beispiel Minderjährige, Frauen oder psychisch Kranke spezialisieren. Den höchsten Anteil der Betreuten stellen Senioren dar. Einen Überblick verschafft der Bericht des Landesinstitutes für Statistik Astat.

Etwa 2 von 3  der betreuten Menschen sind Senioren.
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Etwa 2 von 3 der betreuten Menschen sind Senioren. - Foto: © shutterstock

Die 304 sozialen Einrichtungen mit einer Aufnahmekapazität von 7622 Plätzen bieten sowohl Betten in stationären Einrichtungen als auch nur Plätze in nicht stationären Einrichtungen. Insgesamt wurden 7616 Personen betreut, was einer Auslastung von 99,9 Prozent der Aufnahmekapazität entspricht.

Dieser Nutzungsanteil ergibt sich aus dem Durchschnitt der stationären und nicht stationären Einrichtungen, wobei bei den nicht stationären Einrichtungen wie Tagesstätten auch mehr Personen betreut werden können als Plätze bereitstehen. Zudem nutzen viele der Betreuten in den Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen diese auch nur zeitweise.

Die Gesamtzahl der Betreuten nach Bereich stimmt nicht zwangsläufig mit der Gesamtzahl der betreuten Personen überein, da ein und dieselbe Person auch mehrere Einrichtungen nutzen kann, beispielsweise eine stationäre Einrichtung und eine Tagesstätte.



Die Einrichtungen sind über das ganze Land verteilt, im Durchschnitt sind es 14,3 Plätze je 1000 Einwohner. Eine Ausnahme ist Bozen mit 16,8 Plätzen je 1000 Einwohnern. Dies belegt, dass in der Landeshauptstadt einige Arten von Einrichtungen angesiedelt sind, die bezirksübergreifenden Charakter haben.

Die Analyse nach Staatsbürgerschaft ergibt mit 69,9 Prozent einen Höchstwert von Ausländern unter den Betreuten der Einrichtungen im Bereich „soziale Inklusion“. Weniger als 2 Prozent Ausländer gibt es in den Bereichen Senioren und Menschen mit Behinderung: Die Einwanderung aus dem Ausland ist in Südtirol ein noch recht junges Phänomen.

Neben den Frauenhäusern verzeichnet der Bereich Senioren den höchsten Frauenanteil. Den höchsten Männeranteil bei den Betreuten gibt es im Bereich „soziale Inklusion“.



Analysen der einzelnen Bereiche

Minderjährige: Die häufigsten Aufnahmegründe bei Minderjährigen sind soziopädagogische Gründe oder Erziehungsschwierigkeiten der Eltern, auch wenn ein Drittel der Betreuten nach dem Betreuungszeitraum wieder in die Familie zurückkehrt. In den meisten Einrichtungsarten beträgt der jährliche Rotationsindex etwa 0,5, das Bedeutet die Betreuten bleiben durchschnittlich 2 Jahre in der Einrichtung. Der Anteil der ausländischen betreuten Minderjährigen ist beträchtlich. In den Trainingswohnungen überwiegen die ausländischen Jugendlichen.

Familien und Frauen: Den Frauenhäusern, den Kontaktstellen gegen Gewalt an Frauen sowie dem Thema Gewalt gegen Frauen als Ganzes wird eine eigene ASTAT-Info gewidmet.

Senioren: Dieser Bereich verzeichnet die höchsten Betreutenzahlen und umfasst vor allem Seniorenwohnheime sowie Tagespflegeheime. Fast 2 von 3 Betreuten sind Senioren. Bemerkenswert sind die Bewegungsdaten: jeweils über 3000 Aufnahmen und Entlassungen, wobei letztere auch Todesfälle beinhalten. Die Einrichtungen sind zu 98,1 Prozent ausgelastet, die wenigen verfügbaren Plätze ergeben sich nur aus dem Wechsel in der Belegung. Die Aufnahme erfolgt fast immer aufgrund von gesundheitlichen Problemen und Pflegebedarf.

Menschen mit Behinderung: In diesem Bereich gibt es viele verschiedene Arten von Einrichtungen, auch wenn die Hälfte der Aufnahmekapazität auf die Arbeitsbeschäftigungsdienste entfällt. Der Rotationsindex ist, mit Ausnahme der Sozial- und Gesundheitswohnheime, sehr niedrig. Das bedeutet, dass in diesem Bereich langfristige Aufenthalte üblich sind. Die Betreutenzahl kann sogar bei den stationären Einrichtungen höher sein als die Zahl der verfügbaren Plätze, da bei den Betreuten auch jene Personen gezählt werden, welche die Plätze nicht durchgehend nutzen. Zudem handelt es sich beim Großteil der Aufnahmen um Nutzer, welche die Plätze nur für eine kurze Zeit beanspruchen.

Psychisch Kranke: Das Hauptziel dieses Bereichs ist die Arbeitseingliederung. Dies lässt sich an der Einrichtungsart erkennen: 59 Prozent der Aufnahmekapazität sind der Arbeitsrehabilitation vorbehalten.

Suchtkranke: Diese Zahlen enthalten die soziomedizinische Betreuung. Ungefähr 80 Prozent der Betreuten sind männlich. Die Aufenthaltsdauer in den Wohngemeinschaften ist eher kurz und der hohe Rotationsindex wirkt sich infolgedessen auch auf den Nutzungsanteil aus, der relativ niedrig ist.

Soziale Inklusion: Diese Einrichtungsarten verzeichnen einen hohen Austausch: Im Laufe des Jahres 2018 sind 1643 Aufnahmen registriert worden. Die Betreuten sind mit 85,7 Prozent klar mehrheitlich Männer. Diese Einrichtungen ermöglichen eine gute Erfassung der Obdachlosen. Mehr als zwei Drittel der Betreuten sind ausländischer Herkunft.






stol