Zwischen 2017 und 2021 wurden in Südtirol jährlich durchschnittlich 1.863 Männer und 1.529 Frauen mit bösartigen Tumoren diagnostiziert – Hautkarzinome ausgeschlossen. Bei 155 Männer (8,3 Prozent) und 84 Frauen (5,5 Prozent) wurden Lungenkarzinome festgestellt. Lungenkrebs zählt somit zu den <b>fünf häufigsten Krebserkrankungen in Südtirol.</b><BR /><BR />Bei den Krebstodesfällen liegt das Lungenkarzinom in Untersuchungszeitraum (2019-2023) überhaupt an vorderster Stelle: Mit 18,8 Prozent war es die <b>häufigste tumorbedingte Todesursache bei Männern</b> und mit 13,6 Prozent die <b>zweithäufigste bei Frauen</b> knapp hinter dem Mammakarzinom (15,1 Prozent). <h3> Früherkennung rettet Leben</h3> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/lungenkrebs-frueherkennung-laut-studie-hoechst-erfolgreich" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Wie berichtet</a>, können regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen die Diagnose im Frühstadium drastisch erhöhen sowie tödliche Verläufe deutlich vermindern. <BR /><BR /> In einer aktuellen Studie aus London wurde bei jedem 50. Raucher, der an einem Niedrigdosis-CT-Screening teilnahm, Lungenkrebs diagnostiziert – in fast <b>80 Prozent der Fälle in einem frühen, heilbaren Stadium.</b> In Österreich hingegen werden Lungenkarzinome bislang nur in etwa <b>25 Prozent der Fälle frühzeitig</b> erkannt, was zur Folge hat, dass jährlich rund 4.000 Menschen daran sterben.<BR /><BR />Bereits in mehreren europäischen Ländern gibt es nationale Screening – und Präventionsprogramme, welche die <b>Lungenkrebssterblichkeit um bis zu 45 Prozent senken können.</b> Italien gehört nicht dazu.<h3> Interview zur Lungengesundheit Südtirols</h3>Wie die aktuelle Lage in Südtirol aussieht, erklärt der Experte und Lungenfacharzt Dr. Andreas Marseiler von der ParkClinik Martinsbrunn.<BR /><BR /><BR /><b>Herr Dr. Marseiler, wie steht es derzeit um die Lungenkrebs-Früherkennung in Italien und speziell in Südtirol?</b><BR />Dr. Andreas Marseiler: Leider gibt es in Italien bislang kein standardisiertes Lungenkrebs-Screening, wie wir es etwa bei Brust- oder Darmkrebs kennen. Das bedeutet, es existiert kein flächendeckendes Programm, bei dem Risikopatienten automatisch eingeladen werden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-69677031_quote" /><BR /><BR />Die Prävention liegt aktuell in der Verantwortung der Hausärzte oder Fachärzte, die auf Basis von Risikofaktoren – etwa langjährigem Rauchen – eine Früherkennung mit Röntgen oder CT empfehlen können. Aber es gibt keine staatlich organisierte oder finanzierte Vorsorgeuntersuchung für alle Raucher ab einem bestimmten Alter.<BR /><BR /><BR /><b>Also muss ein Patient bereits auffällig geworden sein oder explizit danach fragen?</b><BR />Dr. Marseiler: Genau, es braucht meist einen Anlass, etwa eine bestehende Symptomatik oder ein Risikoprofil. Der Hausarzt kann dann eine weiterführende Abklärung vorschlagen, aber es ist kein automatisierter Prozess wie etwa bei den Mammographie Screenings für Brustkrebs, wo man per Post eingeladen wird.<BR /><BR /><BR /><b>Aus medizinischer Sicht – wäre ein flächendeckendes Programm zur Lungenkrebsvorsorge landesweit sinnvoll?</b><BR />Dr. Marseiler: Auf jeden Fall. Es gibt eben diese internationalen Studien, die klar zeigen, dass sich Lungenkrebs durch Low-Dose-CT in frühen Stadien erkennen lässt – und dass dadurch die Heilungschancen deutlich steigen. In Italien gab es allerdings die große ITALUNG-Studie, die zwar eine verbesserte Früherkennung zeigen konnte, aber keine signifikante Reduktion der Sterblichkeit. Das war für viele Entscheidungsträger ein Knackpunkt. Dennoch bin ich überzeugt, dass sich in den kommenden Jahren etwas bewegen wird. Trotzdem sehe ich gewisse Herausforderungen in solchen Programmen. <BR /><BR /><BR /><b>Woran erkennt man Lungenkrebs überhaupt? Gibt es typische Symptome?</b><BR />Dr. Marseiler: Leider kaum – zumindest nicht in den frühen Stadien. Das macht die Krankheit so tückisch. Wenn Symptome auftreten, dann sind es meist Husten, Auswurf, eine nicht abheilende Lungenentzündung oder in manchen Fällen Bluthusten oder Atemnot. Das sind jedoch sehr unspezifische Zeichen. Deshalb ist die Bildgebung mittels Röntgen oder CT zentral für die Diagnose.<BR /><BR /><BR /><b>Wenn Symptome auftreten, ist es also meist schon spät?</b><BR />Dr. Marseiler: Genau. Wenn Beschwerden da sind, befinden wir uns oft schon im Stadium III oder IV – und dann wird eine Heilung deutlich schwieriger. Das unterstreicht den Wert von Screening-Programmen, um Krebs in heilbaren Stadien zu entdecken.<BR /><BR /><embed id="dtext86-69677550_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung?</b><BR />Dr. Marseiler: In den frühen Stadien ist die Operation die Therapie der Wahl. Wenn das nicht möglich ist, kommen Strahlen- oder Kombinationstherapien zum Einsatz. Je fortgeschrittener der Tumor, desto komplexer die Behandlung – etwa mit Chemotherapie oder modernen Immuntherapien. Da hat sich in den letzten Jahren viel getan, die Fünf-Jahres-Überlebensraten haben sich in bestimmten Gruppen verbessert.<BR /><BR /><BR /><b>Was sind die größten Risikofaktoren für Lungenkrebs?</b><BR />Dr. Marseiler: Ganz klar: Rauchen. Weit über 90 Prozent unserer Patienten sind oder waren Raucher. Weitere Risikofaktoren sind Passivrauchen oder berufliche Expositionen – etwa mit Asbest oder Feinstaub. Aber ohne Zigaretten würde Lungenkrebs unter den häufigsten Krebsarten deutlich zurückfallen.<BR /><BR /><BR /><b>Sie haben die Herausforderungen bzw. Schattenseiten von Screening-Programmen erwähnt. Was meinen Sie damit?</b><BR />Dr. Marseiler: Bei solchen Programmen findet man oft kleine Lungenknoten, die nicht immer bösartig sind. Das löst bei vielen Patienten große Unsicherheit und Angst aus. Die Abklärung kann mehrere Untersuchungen erfordern – inklusive Eingriffe, die mit Risiken verbunden sind. Komplikationen wie Lungenkollaps, Blutungen oder Narkosenebenwirkungen sind dabei nicht ausgeschlossen. Wir müssen also genau abwägen, wie breit man ein solches Programm aufzieht und wie man mit solchen Befunden umgeht. Denn die psychische Belastung der Patienten nach einer Krebsdiagnose ist nicht zu unterschätzen.