Die Zahl der schweren Unfälle – etwa mit nachfolgender Amputation – hätten in den vergangenen Jahren abgenommen: Im Steigen seien aber psychische Belastung und Fälle von Burnout, Mobbing sowie Aggressivität am Arbeitsplatz.<BR /><BR />Die physische Belastung nimmt ab und die psychische zu, berichtet Liensberger. Von Jänner bis September 2022 wurden laut einer Statistik des INAIL 11.200 Arbeitsunfälle in Südtirol gemeldet, das ist ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2021. Auf gesamtstaatlicher Ebene liegt die Steigerung gegenüber 2021 sogar bei 35 Prozent. <BR /><BR />Viel besser als Südtirol schneidet das Trentino ab: Dort wurden von Jänner bis September 2022 nur 6180 Arbeitsunfälle gemeldet, um 5000 weniger als in Südtirol, aber auch um immerhin 14 Prozent mehr als 2021.<h3> „Extrem fleißig beim Melden“</h3>Südtirol liegt mit 5600 Arbeitsunfällen pro 100.000 Beschäftigte (im Jahr 2021) weit vor der Emilia Romagna (3798) und Venetien (3389). Ganz hinten rangieren südliche Regionen wie Kalabrien, Kampanien oder Sizilien. Die Stiftung „Openpolis“ vermerkt, dass sehr niedrige Quoten darauf hinweisen, dass Unfälle wohl bewusst nicht gemeldet wurden. „Bei uns in Südtirol ist man extrem fleißig beim Melden“, berichtet Liensberger.<BR /><BR /> Das Ende der Corona-Einschränkungen schlägt sich auch bei der gestiegenen Anzahl an Arbeitsunfällen nieder. Doch Corona hat auch Arbeitsunfälle „produziert“: Wenn sich am Arbeitsplatz jemand eine Corona-Infektion geholt hat – etwa als Angestellter des Sanitätsbetriebes – so wurde dies als Arbeitsunfall eingestuft. Solche Fälle gab es viele.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="855725_image" /></div> <BR /><BR /> Und: Seit Corona hat die Aggressivität am Arbeitsplatz massiv zugenommen. So wurden vermehrt Raufereien und Schlägereien am Arbeitsplatz mit nachfolgenden Krankenständen gemeldet – auch solche Krankenstände gelten als Arbeitsunfall. In einem Fall soll ein Arbeitnehmer in Südtirol nach einem erlittenen Faustschlag im Gesicht nicht weniger als ein halbes Jahr im Krankenstand gewesen sein. Auch in Büros ist es zu Schlägereien gekommen, die dann für die Betroffenen im Spital endeten.<BR /><BR />Die Zahl der Arbeitsunfälle in Südtirol ist zwar hoch, allerdings müssen diese Daten auch richtig interpretiert werden. Wenn jährlich etwa 14.000 Arbeitsunfälle in Südtirol gemeldet werden, so wird diese Zahl bei genauer Überprüfung am Ende immer stark nach unten korrigiert. Und: In Südtirol sind im Unterschied zu anderen Regionen in Italien auch Schüler über das INAIL versichert. Laut Direktor Liensberger werden jedes Jahr über 1000 Unfälle von Schülern in Südtirol dem INAIL gemeldet – auch diese fließen als „Arbeitsunfälle“ in die Statistik mit ein. Die Schüler in anderen Regionen seien anders versichert. <h3> Viele Unfälle auf der Fahrt zur Arbeit</h3>Bei den zunächst als tödlich gemeldeten Arbeitsunfällen handle es sich in Wahrheit oft um Freizeitunfälle. Nicht weniger Arbeitsunfälle geschehen auf der Fahrt zur Arbeit – oder auf der Heimfahrt vom Arbeitsplatz – gesamtstaatlich machen diese 12 Prozent aus. Fällt in Südtirol eine große Menge Schnee, werden jedes Mal Unfälle auf der Fahrt zur Arbeit gemeldet. <BR /><BR />Zu den Sorgenkindern bei der Arbeitssicherheit zählt in Südtirol die Landwirtschaft und dabei spielt auch das Alter der Bauern eine Rolle: Wer noch mit 80 Jahren oder darüber hinaus mit dem Traktor fährt oder Maschinen bedient, muss bedenken, dass die Reaktionszeit nicht mehr die gleiche ist wie in jungen Jahren. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="855728_image" /></div> <BR />Zu den riskantesten Arbeiten zählen jene im Wald. Von 12 tödlichen Arbeitsunfällen im Jahr 2022 in Südtirol, die der Direktor des Arbeitsinspektorats, Sieghart Flader, mitteilte, haben sich 5 bei der Arbeit im Wald bzw. bei Holzarbeiten und beim Holzfällen zugetragen. Als tödlicher Arbeitsunfall kann auch ein Wespenstich gewertet werden, wie es leider dem Ridnauner Koch Armin Hochrainer widerfahren ist.<BR /><BR />Zu den Hauptursachen für Arbeitsunfälle zählen aber Zeitdruck und Eile, warnt Liensberger. Und: Wenn man mit dem Kopf nicht bei der Sache ist. Gefährdet seien auch Arbeiter in prekären Arbeitsverhältnissen mit fehlender Fachausbildung. Aber das Phänomen der prekären Arbeitsverhältnisse habe man in Südtirol gut im Griff – im Unterschied zu anderen Regionen. Auch die Verständigung kann ein Sicherheitsrisiko darstellen – etwa, wenn bei Arbeitern mit Migrationshintergrund die Kenntnisse der Landessprachen noch nicht ausreichen. <BR /><BR /><BR /><BR />