Donnerstag, 21. März 2019

Südtirols Wälder sind gesund

„Auf Südtirols Wälder wird gut geschaut“, sagt der Präsident des Südtiroler Forstvereins, Christoph Hintner. Dementsprechend stabil und gesund stehen Südtirols Bäume da. Und das ist auch gut so, denn der Wald hat vielfältige wichtige Aufgaben und Funktionen für uns. Eine Bestandsaufnahme zum internationalen Tag des Waldes am Donnerstag.

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Foto: © shutterstock

„Dolomiten“: Herr Hintner, der internationale Tag des Waldes wurde in den 1970er-Jahren ausgerufen, um auf die globale Waldvernichtung aufmerksam zu machen. Ist das auch in Südtirol ein Thema?

Christoph Hintner: Damals war das Waldsterben ein großes Thema. In Südtirol ist das zum Glück kein Problem, weil bei uns sehr gut auf die Wälder geschaut wird.

„D“: Trotzdem fällt beim Thema Waldvernichtung den meisten der Sturm Ende Oktober ein, der riesige Waldflächen umgefegt hat. Ist die Natur der größte Feind für unsere Wälder?

Hintner: Dieser Sturm war sicherlich ein einmaliges und außerordentliches Ereignis, das bei uns zum Glück nur alle paar Jahrzehnte einmal vorkommt.

„D“: Also ist der Wald bei uns nicht in Gefahr?

Christoph Hintner (Bild): Gefahr würde ich nicht sagen, aber es lastet schon ein großer Druck auf dem Wald, vor allem in tieferen Lagen. Stichwort Kulturänderungen bzw. Umwidmungen. Ansonsten ist der Wald bei uns aber in einem recht guten Zustand.

„D“: Das heißt, in tiefen Lagen wird aus Wald Wiese gemacht?

Hintner: Zum einen das, zum anderen sind natürlich in tieferen Lagen gewisse Interessen für Umwidmungen in Bauzonen oder in Gewerbegebiete da. Es wird aber jedes derartige Ansuchen genau bewertet und begutachtet. Und daran ist auch der Forstdienst beteiligt.

„D“: Im Tal ist der Wald unter Druck, und auf den Almen fürchtet man das Zuwalden. Wäre das nicht ein Ausgleich: mehr Wald in der Höhe, weniger im Tal?

Hintner: Die Waldgrenze verschiebt sich zum einen wegen der nachlassenden Almtätigkeit nach oben, zum anderen auch wegen des Klimawandels. Allerdings haben wir in höheren Lagen ganz andere Waldgesellschaften als in den Tallagen. Viele Waldtypen in den Tallagen wie z.B. Auwälder sind nur mehr selten und deshalb besonders schützenswürdig. Eine größere Gefahr derzeit ist aber sicherlich der Borkenkäfer – gerade jetzt in Folge der Sturmschäden. Deshalb ist es wichtig, dass das Holz schnell aufgearbeitet wird, damit sich der Borkenkäfer nicht massiv vermehrt.

„D“: Sie sagen, in Südtirol wird auf den Wald gut geschaut. An wen denken Sie?

Hintner: Vor allem an die 21.000 Waldbesitzer.

Bei uns findet noch eine aktive Waldbewirtschaftung statt, weil viele Besitzer noch am Wald interessiert sind, den Wald nutzen und Pflegearbeiten durchführen. Sehr viel Wald befindet sich bei uns im Besitz von Bauern, die eine gute Waldgesinnung haben. Das trägt auch dazu bei, dass der Wald bei uns noch bewirtschaftet wird. Die Voraussetzung für einen stabilen und gesunden Wald ist die Bewirtschaftung.

„D“: Stichwort Klimaschutz: Da denken die meisten an die vom Abholzen bedrohten Regenwälder. Sind nur die Tropenbäume für unser Klima wichtig?

Hintner: Nein, der Wald ist generell – also auch bei uns – sehr wichtig, weil durch das Wachstum der Bäume Kohlendioxid gebunden wird. Eine Zahl: Ein Kubikmeter Holz bindet eine Tonne Kohlendioxid. Wichtig dafür ist auch eine aktive Bewirtschaftung: Wenn das Holz nämlich genutzt und als Bauholz weiterverarbeitet wird, dann bleibt das Kohlendioxid langfristig im Holz gebunden, es wird also der Atmosphäre entzogen. Wenn es nicht genutzt wird, sondern verfault, dann setzt es das Kohlendioxid wieder frei. Ebenso beim Verbrennen.

„D“: Sie sind Präsident des Forstvereines. Was sind Ihre Aufgaben?

Hintner: Wir arbeiten ehrenamtlich, und unsere Aufgabe ist es, den Wald zu schützen, Veranstaltungen, also Vorträge und Tagungen, zu organisieren und Öffentlichkeitsarbeit für den Wald zu machen. Unter den 1700 Mitgliedern sind viele Förster und Waldbesitzer, aber die größte Gruppe sind die sogenannten „Freunde des Waldes“, also am Wald Interessierte, die zu unseren Veranstaltungen kommen.

„D“: Was kann jeder einzelne für gesunde Wälder tun?

Hintner: Zum Beispiel Holzprodukte verwenden, weil man damit das Klima und indirekt auch die Waldbesitzer fördert. Und jeder einzelne, der sich im Wald aufhält, sollte rücksichtsvoll mit dem Wald und der Natur umgehen, auf den Wanderwegen bleiben, den Lebensraum schützen und die Wildtiere nicht stören.

D/wib

stol