Donnerstag, 26. März 2015

Suizid ist das Tabuthema der Luftfahrt

Rund 48 Stunden nach dem Absturz des deutschen Germanwings-Airbus in den französischen Alpen scheint das Unglaubliche festzustehen: Eine absichtliche Tat des Co-Piloten riss nach Erkenntnisse der Blackbox-Auswertung 150 Menschen in den Tod. Das teilte die Staatsanwaltschaft Marseille mit. Ermittler Brice Robin vermied dabei das Tabu-Thema „Piloten-Suizid“.

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Doch Robin ließ keinen Zweifel dran: Der junge Co-Pilot hat bewusst den verhängnisvollen Sinkflug eingeleitet, nachdem er zuvor den Flugkapitän ausgesperrt hatte. Es ist die Horrorvision der Luftfahrt, die Piloten und Passagiere in ihrem Entsetzen eint. Denn wenn der Feind von innen kommt, helfen auch die ausgefeiltesten Sicherheitssysteme nicht. „Es sind ganz besondere Situationen, die man nicht verhindern kann“, sagte der Chefredakteur des Fachmagazins Aero International, Dietmar Plath.

Ähnliches Ereignis in Afrika 2013

An Bord des Unglücksflugs 4U9525 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben – vergleichbar mit denen, die sich einige Zeit zuvor an Afrikas Himmel ereignet haben. Dort hatte am 29. November 2013 ein Pilot auf dem Flug Maputo-Luanda über dem namibisch-angolanischen Grenzgebiet eine relativ neue Embraer 190 auf ähnliche Weise bewusst in den Boden gesteuert – 34 Menschen starben.

Eine Untersuchungskommission fand später heraus, dass der Pilot sich im Cockpit eingeschlossen und absichtlich den Absturz auslöst hatte. Auch dort trommelte der ausgesperrte Flugkapitän verzweifelt gegen die Tür, bevor der bewusst eingeleitete Sinkflug in den Tod abrupt endete.

Schock bei Piloten groß

Es sind Vorfälle, die extrem selten sind – aber allein der Gedanke lässt erschaudern. Viele Profis hielten sich am Donnerstag bewusst mit Äußerungen zurück, gerade bei den Piloten saß der Schock zu tief.

Denn strenge Auswahltests und psychologische Eignungstests stellen bei den meisten Airlines eigentlich sicher, dass nur charakterlich gefestigte Kandidaten Pilot werden können. Regelmäßige medizinische Tests und auch vertrauliche innerbetriebliche Meldesysteme sollen gewährleisten, dass auffälliges Piloten-Verhalten entdeckt wird. Wie kann es dann gerade bei einer als solide geltenden Fluggesellschaft wie der Lufthansa-Tochter Germanwings zu einer solchen Tat kommen?

apa/dpa

stol