Die Zahlen gehen aus einer Anfrage des Landtagsabgeordneten Andreas Leiter Reber hervor. Er wollte von Landesrat Dr. Hubert Messner die genauen Zahlen der vergangenen Jahre inklusive einer Aufschlüsselung nach Alter und Geschlecht wissen. Ergebnis: Die Zahlen schwanken mit einem nennenswerten Anstieg in den Jahren 2021 und 2022 und einem Rückgang im Jahr 2023. Während die Statistik für das Jahr 2020 42 Selbstmorde ausweist, sind es für 2021 51 und für 2022 sogar 55. 2023 sank die Zahl auf 45. 2024 lag sie wieder bei 42 und im vergangenen Jahr bei 40. Unverändert hoch ist dabei der Anteil der Männer, die ihrem Leben ein Ende setzen. Allerdings ist laut Antwort von Dr. Hubert Messner die Zahl der Suizidversuche bei Frauen wesentlich höher.<BR /><BR />Schaut man sich die Verteilung nach Alter an, dann ist die Kategorie zwischen 35 und 64 Jahren am meisten betroffen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1374489_image" /></div> <BR /><BR />Leiter Reber wollte auch eine Einordnung der Südtiroler Zahlen im internationalen Vergleich. Demnach liegt Südtirol mit einer Suizidrate von 10,1 pro 100.000 Einwohner (2023) italienweit an vierter Stelle hinter dem Aostatal, Sardinien und dem Piemont. Die Zahlen im benachbarten Trentino sind ähnlich den Südtiroler Zahlen. <BR /><BR />„Die Südtiroler Rate ist zwar höher als der gesamtstaatliche Durchschnitt (6,9), liegt aber deutlich unter denen der Schweiz und Österreichs (13 bis 14). Der EU-Durchschnitt lag 2023 bei 10,4, die höchste Rate wies Litauen auf (18,8), Zypern die niedrigste (3,5)“, heißt es in der Antwort. <BR /><BR />Für die markanten Unterschiede zwischen den Ländern bzw. Regionen gebe es keine fundierten Erklärungsmodelle. Mögliche Ansatzpunkte, was Suizide begünstigen bzw. ihnen entgegenwirken könnte, sind mit erhöhtem Risiko verbundenes Verhalten wie etwa erhöhter Alkoholkonsum sowie kulturell bedingtes Hilfesuchverhalten in der Bevölkerung – Stichwort Tabu. <BR /><BR />Das Land ist jedoch nicht untätig gewesen und so konnte laut Dr. Messner die Suizidrate seit den 1990er-Jahren bis heute halbiert werden. Zu den Maßnahmen gehören demnach u.a. der Ausbau der psychiatrischen Versorgung, die Gründung des Netzwerkes psychischer Gesundheit PSYNET sowie die Einführung des psychologischen Krisentelefons. <BR /><BR />Für Leiter Reber steht angesichts dieser Zahlen fest: „Diese Zahlen machen betroffen und gehen uns als Südtirols Gesellschaft alle an. Das Engagement des Landes in Sachen Suizidprävention darf keinesfalls nachlassen und muss sich bemühen, näher an die Männer ranzukommen.“<h3> 4 Fragen an Dr. Andreas Conca</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1374492_image" /></div> <BR /><b>Suizide sind überwiegend männlich. Warum ist das so?</b><BR />Dr. Andreas Conca: Das Verhältnis von eins zu drei bei den Suiziden ist eine Konstante seit Jahrzehnten. Und das, obwohl ein Risikofaktor, nämlich die Depression, eher weiblich ist. Frauen verletzen sich zwar häufiger selber bis hin zum Suizidversuch, andererseits holen sie sich häufiger Hilfe und nehmen sie besser an. Männer verweigern sich häufiger Hilfen von außen. Sie brauchen länger als Frauen, bis sie zum Äußersten gehen, ziehen den Suizid dann aber durch. <BR /><BR />Kampagnen, Vorträge oder Hilfsangebote erst gar nicht an sich ran. Vielleicht müsste man ganz anders denken, innovative Wege gehen, um die Männer zu erreichen. <BR /><BR />Muss sich die verletzbare Seele des Mannes verstecken, weil sie nicht den gesellschaftlichen Erwartungen an einen Mann entspricht? Dort, wo dies der Fall ist oder Mann zumindest denkt, er darf nicht schwach sein, könnte es bei den Suizidraten eine Rolle spielen. Eine eindeutige Erklärung ist aber auch das nicht.<BR /><BR /><b>Welche Rolle spielen äußere Faktoren?</b><BR />Dr. Conca: Sie haben eigentlich erstaunlich wenig Einfluss. Trotz all der derzeitigen Krisen – vom Klima bis zur Energie – und Kriegen sehen wir zum Glück keinen Anstieg der Suizidraten, eher im Gegenteil.