Mittwoch, 27. Juni 2018

Suizidprävention: „Es braucht konkrete Maßnahmen“

Das große Interesse und die rege Teilnahme an der Tagung „Suizidprävention in Südtirol“, zu welcher vor kurzem das Netzwerk Suizidprävention geladen hatte, brachte es deutlich zutage: Die hohe Zahl an Suizidopfern beziehungsweise Suizidversuchen in Südtirol erfordert in mehreren Bereichen konkrete Maßnahmen. Bei einer Tagung wurden gemeinsam notwendige Maßnahmen erarbeitet, die den Umgang mit Suizid, mit gefährdeten Personen oder deren Angehörigen zu verbessern.

Die hohe Zahl an Suizidopfern beziehungsweise Suizidversuchen in Südtirol erfordert in mehreren Bereichen konkrete Maßnahmen.
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Die hohe Zahl an Suizidopfern beziehungsweise Suizidversuchen in Südtirol erfordert in mehreren Bereichen konkrete Maßnahmen. - Foto: © shutterstock

„Die Tagung war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wir haben dadurch bereits mehrere wichtige Ziele erreicht: Erstens, dem Tabu Suizid haben wir erfolgreich entgegengewirkt, zweitens, Partner aus verschiedenen Berufs- und Sprachgruppen haben sich intensiv ausgetauscht und drittens, die bestehenden Dienste und Anlaufstellen sind wesentlich sichtbarer als zuvor“, sagt Guido Osthoff, Bereichsleiter der Caritas und Koordinator des Netzwerks.

Ethische Haltung zum Wert des Lebens ändern

Weitere Mitglieder des Netzwerks fassen die wichtigsten Ergebnisse der verschiedenen Diskussionen folgendermaßen zusammen: „Bei der Tagung wurde zuallererst deutlich, dass die Gesellschaft unbedingt ihre ethische Haltung zum Wert des Lebens ändern sollte. Denn nur wenn wir dessen Höhen und Tiefen, also die Licht- und Schattenseiten akzeptieren, dann sind wir für unser eigenes Leben gerüstet und können zudem anderen Menschen in Krisensituationen beistehen“, erklärt Roger Pycha, Primar des psychiatrischen Dienstes am Krankenhaus Bruneck.

Einfache Anlaufstellen, gezielte Sensibilisierung und geschultes Personal

Peter Koler, Direktor des Forum Prävention, fasst zusammen: „Was es dringend braucht sind einfacher zugängliche Präventionsangebote, besser geschultes Personal und mehr gezielte Sensibilisierungsarbeit“, ergänzt Marlene Kranebitter, die Landesleiterin der Notfallseelsorge.

„Die Ausbildung des Fachpersonals ist ein weiterer essentieller Faktor für eine verbesserte Suizidprävention“, so Julia von Spinn, Schulberaterin beim Pädagogischen Beratungszentrum des Landes in Bozen. Gerade Lehrpersonen brauchen mehr Kompetenzen oder Hilfestellungen, um in Krisensituationen richtig reagieren zu können.“

Vor allem Ansprechpartner sind wichtig

Wichtig sind vor allem kompetente und erreichbare Ansprechpartner: Eine Aufgabe des Netzwerks wird es daher sein, sogenannte seelische Erste Hilfe-Kenntnisse einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Darüber hinaus braucht es die gezielte Sensibilisierung von besonderen Berufsgruppen, denn vor allem Hausärzte, Lehrpersonen oder Journalisten spielen eine wichtige Rolle.

„Wir verlassen uns darauf, dass wir dabei als Netzwerk Suizidprävention auch in Zukunft auf die Unterstützung aus der Politik zählen können“, schließen Sabine Cagol und Guido Osthoff die Forderungen des Netzwerks ab.

stol

stol