<b>Frau Foraboschi, bei der Buchvorstellung am Donnerstag haben Sie Michael Endes Roman „Momo“ zitiert: „Wer den Tod kennt, hat keine Angst mehr davor“. Was möchten Sie damit ausdrücken?</b><BR />Sabine Foraboschi: Dem Tod kann niemand entfliehen, irgendwann trifft es uns alle. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken. In meinem Arbeitsalltag stelle ich immer wieder fest, dass sowohl der Sterbende selbst als auch dessen Angehörige nicht wissen, wie sie diese schwierige Situation handhaben sollen. Wie teile ich meiner Familie mein Schicksal mit? Wie gehe ich auf den Kranken zu? Fragen über Fragen. Dabei soll das Buch helfen. Auch wenn sie im ersten Moment nebensächlich sind, gilt es zudem Themen wie die Aufteilung des Erbes oder die Art der Bestattung rechtzeitig zu klären.<BR /><BR /><b>Warum ist das Thema Tod ein Tabu?</b><BR />Foraboschi: Dies hängt mit der Leistungsgesellschaft zusammen, in der wir leben. Der Mensch muss sich jung, stark und fit geben, für Schwäche ist kein Platz. Doch es wird nicht funktionieren, unangenehme Situationen stets in die Ecke zu schieben. Das gilt auch für das Sterben, zumal wir ein Leben lang in irgendeiner Form damit konfrontiert sind.<BR /><BR /><embed id="dtext86-69094318_quote" /><BR /><b>An welche Situationen denken Sie?</b><BR />Foraboschi: Unser eigener Tod ist bloß die letzte Station. Bereits vorher werden wir uns schweren Herzens von Personen verabschieden müssen, die uns lieb sind. Doch Abschied betrifft nicht nur den menschlichen Tod: Vielleicht müssen wir unsere Träume aufgeben, die Chance auf Karriere und vieles mehr.<BR /><BR /><b>In Ihrem Beruf als Krankenschwester sind sie häufig mit dem Tod konfrontiert. Haben Sie sich nach all den Jahren daran gewöhnt?</b><BR />Foraboschi: Es ist nach wie vor eine Herausforderung, jedes Mal aufs Neue. Die Arbeit verlangt einem sehr viel ab, aber das gilt es in Kauf zu nehmen, wenn man sich für diesen Beruf entscheidet. Zwar gewöhnt man sich nicht an die Situation, aber ich habe reichlich Erfahrung gesammelt.<BR /><BR /><b>Hat Sie dies dazu bewegt, Ihr neustes Buch zu schreiben – den Menschen Ihr Wissen zu vermitteln?</b><BR />Foraboschi: Ich möchte dafür sensibilisieren dieses schwierige, aber dennoch wichtige Thema anzusprechen. Und das Wissen vermitteln, wie man am besten damit umgeht. Interview: Jakob Pramstaller