Alles begann mit einem Handel, den der Tätowierer vor einigen Jahren mit dem Unternehmer aus Dimaro abgeschlossen hatte: Für rund 150.000 Euro hatte Rosario Vicenzi, ein 60 Jahre alter Tätowierer aus dem Val di Sole, einem Unternehmer seinen Hof samt Grundstück verkauft. Eine Entscheidung, die der Geschäftsmann Jahre später bitter bereuen würde.<h3> Der abgetrennte Schafskopf und der blutige Erpresserbrief</h3>Im Juli 2023 präsentierten sich der Tätowierer aus Pellizzano und sein mutmaßlicher Komplize, der 54-jährige Typograf Pierpaolo Cumer vor dem Haus des Unternehmers in Dimaro im Val di Sole. Doch die Männer waren nicht allein: Einen Ziegenkopf und einen blutigen Erpresserbrief stellten sie dem Unternehmer zu. Darin forderten sie – in kalabresischem Dialekt – 150.000 Euro. Jene Summe, um welche Vicenzi den Hof samt Grundstück verkauft hatte, wie die italienische Tageszeitung „Corriere del Trentino“ berichtet.<BR /><BR />Einen Monat zuvor sollen Vicenzi und Cumer ein Gasthaus an einem Fahrradweg in Brand gesetzt haben – vorsätzlich.<h3> Brandstiftung, Erpressung und ein Waffenarsenal</h3>Doch damit nicht genug. Sie schmiedeten weitere perfide Pläne: „Man könnte einem Familienmitglied maskiert ins Bein schießen und ihm androhen: ,In einer Woche ist das Geld fällig'“, so die beiden Männer, die seit dem 6. Juni abgehört werden. Jenem Tag, an dem Cumer von der Polizei angehalten wurde und das Gasthaus in Brand geraten war.<BR /><BR />Fortan wurden die beiden Männer aus dem Nonstal und dem Val di Sole abgehört, die Ermittlungen gingen in die heiße Phase. Rund 63.000 Konversationen lasen und hörten die Beamten mit. Mitte September dann der erste Zugriff.<h3> Cumer geht den Beamten Mitte September ins Netz</h3>Pierpaolo Cumers Wohnung wurde durchsucht. Dabei stellten die Beamten ein ganzes Arsenal an Waffen sicher – eine halb automatische Pistole mit Schalldämpfer, eine Nachbildung einer Uzi-Maschinen-Pistole sowie eine Raketenwerfer-Attrappe und Munition. Für den 54-jährigen Typografen aus Cunevo klickten die Handschellen.<BR /><BR />Und Rosario Vicenzi zitterten die Beine. Nachdem sein Komplize hinter Gittern saß, fürchtete er, dass ihm bald dasselbe blühen würde: „Ich glaube, ich habe die Carabinieri und die Anti-Mafia-Behörde am Hals“, offenbart der Tätowierer und ehemalige Besitzer des Bozner Tattoostudios „Red Dragon“ in der Quireiner-Straße einem Freund. <h3> Mit Raketenwerfer auf Carabinieri zielen</h3>„Ich will mir einen Raketenwerfer besorgen und ihn gegen die Carabinieri richten, wenn sie mich abfangen sollten. Oder einen Molotowcocktail gegen sie schmeißen. Ich kann mich gut verteidigen, mein Hab und Gut teuer verkaufen und auf die Kanaren flüchten.“<h3> Was das Bozner Gefängnis mit Vicenzis Delikten zu tun haben könnte?</h3>Am 1. Oktober wurde Rosario Vicenzi schließlich dank der abgehörten Konversationen festgenommen – inklusive Pistole samt Schalldämpfer, die er in seinem Motorradsattel versteckt hatte. Besonders seine offenkundige Gewaltbereitschaft gegenüber den Carabinieri habe die Ermittlungen auf Hochtouren laufen lassen. Beiden Männern wird versuchte Erpressung mit mafiösen Methoden, vorsätzliche Brandstiftung und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.<BR /><BR />Die Ermittlungen laufen weiter. Es gilt zu klären, woher die Waffen stammen. Aufgrund der Erpressungsversuche, deren Stil an jenen der Mafia erinnert, gilt es zu prüfen, ob dabei mafiöse Kräfte mitgemischt haben. Die Ermittler schließen nicht aus, dass Vicenzi in den 13 Jahren, die er im Bozner Gefängnis verbracht hat, in mafiöse Kreise geraten sein könnte.