Mit ihren Erfahrungen und ihrem Werdegang stehen die 4 Frauen sinnbildlich für die Weiterentwicklung von männerdominierten Branchen. Zugleich wird deutlich, dass es in Sachen Chancengleichheit noch viel zu tun gibt.<BR /><BR /><BR />Widerstände sind dazu da, um überwunden zu werden. Oder noch besser: um an ihnen zu wachsen. Das hat Jasmin Mair (35) frühzeitig verinnerlicht, denn sie musste sich nicht nur als Frau unter all den Männern im Baugewerbe beweisen, sondern auch als Enkelin des Firmengründers. „In dieser Rolle will man erst recht zeigen, dass man es drauf hat“, sagt sie und ergänzt, dass sie sich den Respekt der vielen Mitarbeiter erarbeitet hat. Seit 11 Jahren ist die 35-Jährige im Familienbetrieb Josef Mair tätig, dort verantwortet sie die Bereiche Personal, Marketing und Projektmanagement. Die Baufirma mit Sitz in Prad am Stilfserjoch zählt mit rund 150 Mitarbeiter zu den führenden Tiefbauunternehmen in Südtirol. Zunächst verfolgte die Vinschgerin einen anderen Weg, studierte Wirtschaft in Florenz und wollte andernorts Berufserfahrungen sammeln. Aber das Leben ist eben kein Wunschkonzert. Als Großvater Josef erkrankte, kehrte sie heim, kümmerte sich um ihn und machte ihre ersten Gehversuche in der Baufirma. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1138104_image" /></div> „Ich hatte zwar viele neue Ideen, fand aber zunächst kein Gehör und sah mich mit vielen Widerständen konfrontiert“, blickt sie zurück. Heute, knapp 11 Jahre später, kann sie die Früchte ihrer Bemühungen erkennen. „Die Mitarbeiter wissen es zu schätzen, wenn das Betriebsklima passt und sie sich gut aufgehoben wissen“, weiß sie. Bei ihrer Einstellung gab es keinen Lehrling, heute sind es deren 12. Speziell im Vinschgau sei es angesichts des Lohngefüges in der benachbarten Schweiz nicht einfach, kompetente Leute zu bekommen. Mit der Zertifizierung der Geschlechtergleichstellung (UNI/PdR) will die Baufirma auch den Frauenanteil erhöhen und Müttern in Teilzeit entgegenkommen, vor allem durch flexiblere Arbeitszeiten. Jasmin Mair, selbst Mutter eines 7 Monate alten Sohnes, macht sich für Chancengerechtigkeit am Arbeitsplatz stark. Dazu zähle etwa auch ein angemessenes Betreuungsangebot für Kinder und die gezielte Förderung der Talente. Diese Anliegen treibt sie auch im Baukollegium des Unternehmerverbandes und vor allem im Frauennetzwerk „She Builts“ voran. Ihre Pause in der Verbandarbeit dürfte wohl nicht lange dauern, die junge Mutter hat noch vieles vor.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1138107_image" /></div> <BR />In ganz Italien ist Lissy Reiterer (43) derzeit als Lkw-Fahrerin unterwegs: Seit 20 Jahren übt sie diesen Beruf aus und lebt damit ihren Traum. Schon als kleines Mädchen hatte sie nur Autos, Lkw's und Motorräder im Kopf. „Als ich 14 Jahre alt war, wollte ich unbedingt Mechanikerin werden“, erinnert sich die Vöranerin, die in Villanders lebt. Doch die Zeiten waren damals anders, eine solche Ausbildung für eine junge Frau unvorstellbar. Also meldete sie sich mit 19 Jahren heimlich für den CE-Führerschein an und bestand die Prüfung. „Ich war eine Rarität“, blickt sie zurück. Inzwischen hat sich das geändert, es gibt einige Lkw-Fahrerinnen. „Aber als Frau muss man sich nach wie vor gegen die Männer durchsetzen.“ Dazu fällt Lissy Reiterer auch gleich ein konkretes Beispiel ein: Wenn ein Mann beim Anfahren an die Rampe Schwierigkeiten hat, dann weil er „einen schlechten Tag“ hat. Wenn das einer Frau passiert, dann ist sie für den Job nicht geeignet. „Man muss sich immer wieder beweisen“, sagt sie. Dabei muss sie nicht nur Lkw fahren, sondern auch anpacken können. Reiterer transportiert alles – von Frischfleisch über Obst und Gemüse bis hin zu Baumaterialien.<BR /><BR /><b>„Man darf nicht zimperlich sein“</b><BR /><BR /> Die Waren muss sie abladen, sie muss mit Hubwagen und Stapler umgehen können. „Man darf nicht zimperlich sein“, sagt sie. In dem Transportunternehmen, in dem Reiterer arbeitet, sind sie als Lkw-Fahrerinnen zu viert. „Wir bringen Schwung in den Betrieb. Wir haben viel Spaß zusammen“, erzählt sie. Sowieso helfe und unterstütze man sich gegenseitig, egal ob Mann oder Frau. Die 43-Jährige liebt ihren Beruf: „Wenn ich einsteige und die Türen schließe, bin ich mein eigener Chef. Ich schalte die Musik ein und fahre los. Das ist das Schönste, jeden Tag an einem anderen Ort zu sein.“ Deshalb rät sie jedem, egal wie speziell der Berufswunsch ist es auszuprobieren. „Denn wenn man es nicht ausprobiert, kann man es nicht wissen.“ Kleines Detail am Rande: Falls jemand Lissy Reiterers Gesicht bekannt vorkommt, dann vielleicht, weil sie seit 2016 in der Kabel Eins-Serie „Trucker Babes“ mitwirkt. Ein Filmteam begleitet dabei Reiterers Arbeitsalltag. Demnächst wird übrigens wieder gedreht.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1138110_image" /></div> <BR />Was macht die denn da? Manchmal erntet die Schennerin Katharina Klotzner (30) auf der Baustelle immer noch komische Blicke. „Ich treffe hier selten Kolleginnen, auch wenn es schon mehr sind als früher.“ Als Elektrikerin ist ihr Arbeitsumfeld eine Männerdomäne. „Der Ton ist oft rau. Deshalb muss man von Beginn an klarstellen, dass man sich auf der gleichen Augenhöhe befindet. Dann wird man auch akzeptiert“, sagt sie. Katharina Klotzner ist taff. Die Jahre in der Branche haben sie geprägt. Längst hat sie sich an die Sprache ihrer Kollegen gewöhnt. Und diese haben sich daran gewöhnt, dass ihre Kollegin viel aufgeräumter ist als sie. „Die Männer schmeißen die Drähte meistens hin. Bei mir stapeln sie sich ordentlich“, schmunzelt Klotzner. Eigentlich hatte sie zunächst einen ganz anderen Weg eingeschlagen: Nach der Matura war sie als Grafikerin tätig. „Aber unter Druck kreativ zu sein, fiel mir schwer.“ <BR /><BR /><b>Einzige Frau unter lauter Jungs</b><BR /><BR />Auf Arbeitssuche half sie zunächst im väterlichen Elektrobetrieb aus. Eines Morgens war der Lehrling krank. „Da hieß es, ich soll mitgehen und für ihn einspringen.“ Aus einem Tag wurden viele, sie wurde immer besser. Bald wurde sie als „gute Handlangerin“ bezeichnet. „Die Arbeit hat mir gefallen. Sie ist kreativ und man ist viel unter Leuten.“ So entschied sie sich, wieder die Schulbank zu drücken und absolvierte die Lehre. In der Klasse war die damals 20-Jährige die einzige Frau unter lauter Jungs. Heute schätzt sie es. „Männer können zwar auch kompliziert sein, aber sie sind nicht so nachtragend wie Frauen.“ Außerdem seien sie hilfsbereit, würden die schweren körperlichen Arbeiten übernehmen. Wobei Katharina Klotzner auch „Maltasäckchen“ trägt, nur halt einen statt 2. Ohnehin sind Frauen gute Handwerkerinnen: „Technisches Wissen war für mich nie ein Hindernis. Man kann alles lernen“, sagt die Elektrikerin. „Frauen, getrauts euch.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1138113_image" /></div> <BR /><BR />Für Julia Genetti (56) aus Lana war schon frühzeitig klar, dass sie ihr beruflicher Weg schnurstracks in das Autohaus des Vaters führen würde. „Zusammen mit meinem Bruder Lukas habe ich im Jahr 2015 den Familienbetrieb übernommen, heute bin ich als Werkstattleiterin sowohl für die Ausführung der Aufträge wie auch für 10 Mitarbeiter verantwortlich“, skizziert sie ihren Tätigkeitsbereich und schiebt gleich hinterher: „Ich liebe meine Arbeit, es ist haargenau meins.“ Sich locker und seriös über fällige Revisionen, stotternde Motorgeräusche oder abgenutzte Getriebeteile zu unterhalten, ist für die temperamentvolle Burggräflerin Alltag und nach den vielen Jahren Berufserfahrung auch kein großes Ding. Andernfalls sei man in einer Werkstätte ohnehin fehl am Platz – sei es als Frau wie auch als Mann. Sie hält es mit dem Motto: „Jedes Auto hat eine Seele, und die gilt es zu pflegen.“ Zu pflegen gelte es in ihrer Rolle freilich auch die Kontakte mit den Kunden, Vertrauen spiele hierbei eine maßgebliche Rolle. <BR /><BR /><b>Ehrenamtlicher Einsatz für die Mechatroniker</b><BR /><BR />„Es kommt schon noch vor, dass Neukunden zunächst einen männlichen Werkstattleiter sprechen wollen, aber nach kurzem Staunen legt sich die Skepsis schnell von allein“, sagt Genetti, die auch 3 Kinder großgezogen hat. Dabei konnte sie auf die Unterstützung ihrer Mutter und Schwiegermutter zählen. Ganz nebenbei setzt sie sich auch ehrenamtlich für ihren Berufsstand ein: Seit knapp 2 Jahren vertritt sie als Obfrau die Interessen der Mechatroniker im Landesverband der Handwerker. Eine zusätzliche Aufgabe, aber eine dankbare, wie sie unterstreicht: „Mein Einsatz wird von den Kollegen geschätzt und das ist ein Ansporn für mich.“ Julia Genetti ist durch und durch eine Frau der Tat – dafür zollen ihr die Männer in der Branche Anerkennung und Respekt.