Dienstag, 26. November 2019

Tag der Religionslehrer: Podiumsdiskussion mit Bischof Muser

Der diesjährige Tag der Religionslehrer befasste sich im Bozner Pastoralzentrum mit der Frage, ob Bildung Religion braucht. Bei einer Podiumsdiskussion am Montag brachten Bischof Ivo Muser und Landesrat Philipp Achammer ihre Standpunkte ein.

Bischof Ivo Muser bei der Religionslehrertagung.
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Bischof Ivo Muser bei der Religionslehrertagung. - Foto: © Thomas Ohnewein
Bischof Muser vertrat die Auffassung, dass der Religionsunterricht im Dienst einer gesamtmenschlichen Entwicklung der jungen Menschen kein Privileg der Kirche sei. Landesrat Achammer sagte, dass er von der Zukunftsfähigkeit des katholischen Religionsunterrichts überzeugt sei und forderte die Lehrpersonen auf, falsche Vorstellungen von Religionsunterricht bei Eltern und Schülern abzubauen.

Anlass für die Themenwahl bei der heurigen Religionslehrertagung war die Erfahrung vieler Lehrpersonen, dass der Religionsunterricht zu einem Unterrichtsfach geworden sei, das sich laufend und immer wieder grundsätzlich legitimieren muss. Religionslehrpersonen stellen sich immer öfter die Frage nach der Zukunft des katholischen Religionsunterrichtes: Wird der religionsbezogene Unterricht weiterhin seinen obligatorischen Platz im schulischen Fächerkanon behalten, oder werden in Zukunft religionskundliche bzw. wertneutrale Unterrichtsformen den konfessionellen Religionsunterricht ablösen?

Schülern Begegnung mit Religion ermöglichen

Nach der Tagungseröffnung durch den Leiter des diözesanen Amtes für Schule und Katechese, Markus Felderer, und den Grußworten von Bischof Ivo Muser, plädierte der Hauptreferent der Tagung, Christian Cebulj, Professor für Religionspädagogik und Katechetik an der Theologischen Hochschule Chur (Schweiz), dafür, dass Bildung Religion nicht als Modus der Weltbegegnung ausklammern oder ignorieren sollte. Zur Erfüllung des Bildungsauftrages der Schule gehöre, so das Argument des Theologen Cebulj, Kinder oder Jugendliche dazu zu ermutigen, über Sinnfragen zu reflektieren und je eigene Antworten darauf zu finden. Deshalb sei es auch in Zukunft wünschenswert, Schülerinnen und Schüler die Begegnung mit gelebter Religion zu ermöglichen.

Zukunftsfrage

Am Nachmittag fand eine Podiumsdiskussion statt, an der Bischof Ivo Muser, Landesrat Philipp Achammer, Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner und die Religionslehrerin Gerda Graiss Flöss teilnahmen. Unter der Moderation von Schulinspektor Christian Alber, vertieften die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer die Fragen zur Zukunft des Religionsunterrichts und stellten sich den Fragen der Religionslehrpersonen.

Muser: Religionsunterricht ist und muss Bestandteil der Schule sein

Bischof Ivo Muser vertrat die Auffassung, dass der katholische Religionsunterricht Bestandteil des Bildungsangebotes der Schule ist und auch in Zukunft bleiben muss. Der Religionsunterricht stehe im Dienst einer gesamtmenschlichen Entwicklung der jungen Menschen und sei auch kein Privileg der Kirche. Zugleich beklagte der Bischof, dass es offensichtlich Mode geworden sei, Religion aus dem öffentlichen Raum verdrängen zu wollen.

Falkensteiner: Religionssensible Schulkultur aufbauen

Die Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner betonte, dass die religiöse Bildung von Kindern und Jugendlichen in einer multireligiösen Gesellschaft zu einer wachsenden Herausforderung wird. Unter den Bedingungen der religiösen Pluralität, die sich im Schulsystem verstärkt abbildet, sei zu überdenken, wie die religiöse Bildung all jener Schülerinnen und Schüler garantiert werden könne, die nicht am katholischen Religionsunterricht teilnehmen. Sie lud die Religionslehrerinnen und -lehrer ein, sich aktiv am Aufbau einer religionssensiblen Schulkultur vor Ort zu beteiligen und sicherte den Schulen ihre Unterstützung bei der Entwicklung von Alternativen zum Religionsunterricht zu.

Graiss Flöss: Fächerübergreifendes religiöses Lernen

Gerda Graiss Flöss, Religionslehrerin an der Grundschule Eckert, berichtete von den Initiativen des Schulsprengels Meran/Untermais fächerübergreifendes bzw. fächerverbindenden religiöses Lernen an der Schule zu intensivieren, um Schritte hin zu einer religionssensiblen Schule zu setzen. Sie sprach aber auch davon, dass dies Aufgabe der gesamten Schule nicht nur der Religionslehrerinnen und -lehrer sei.

Achammer: Religiöse Bildung ist für Persönlichkeitsentwicklung wichtig

Landesrat Philipp Achammer versicherte den anwesenden Religionslehrpersonen, dass er von der Zukunftsfähigkeit des katholischen Religionsunterrichts überzeugt sei. In einer durch Traditionsabbrüche, Unsicherheiten und Unübersichtlichkeit gekennzeichneten Zeit stellen sich vermehrt Fragen nach Werten, Lebenssinn und Orientierungshilfen. Daher ist religiöse Bildung für die Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler wichtig, weil sie dazu beiträgt, aus der eigenen religiösen Identität heraus dem Anderen respektvoll, tolerant und neugierig zu begegnen. Identität und Dialog, so der Landesrat, sind keine Gegensätze. Er rief die Religionslehrerinnen und -lehrer auf, falsche Vorstellungen von der konkreten Gestalt des Religionsunterrichtes bei Eltern und Schülerinnen bzw. Schülern abzubauen und verstärkt den Austausch untereinander zur Weiterentwicklung des Religionsunterrichts zu suchen.

stol