Freitag, 12. Juni 2020

Tag gegen Kinderarbeit – UNO befürchtet rasanten Anstieg

Wegen der Corona-Pandemie fürchten die Vereinten Nationen eine weltweite Ausweitung der Kinderarbeit. Millionen weitere Minderjährige könnten als Folge der Gesundheitskrise in Arbeit gedrängt werden, erklärten das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in einem am Freitag zum Welttag gegen Kinderarbeit veröffentlichten Bericht.

Eigentlich sollte die Kinderarbeit bis 2025 völlig eliminiert werden.
Eigentlich sollte die Kinderarbeit bis 2025 völlig eliminiert werden. - Foto: © APA (AFP) / ARIF ALI
Die Fortschritte der vergangenen Jahre seien „heute in Gefahr“. „Da die Pandemie verheerende Auswirkungen auf das Familieneinkommen hat, könnten viele auf Kinderarbeit zurückgreifen“, erklärte ILO-Chef Guy Ryder. Nach Angaben der Weltbank könnte die Zahl der Menschen in extremer Armut allein heuer um bis zu 60 Millionen steigen – und deshalb auch die Kinderarbeit zunehmen, wie es in dem Bericht heißt. Die Coronakrise berge „sehr reale Risiken eines Rückschritts“. Dem Report zufolge sank die Zahl der weltweit arbeitenden Kinder seit dem Jahr 2000 um 94 Millionen.

Auch Schulschließungen haben zu mehr Kinderarbeit geführt

Kinder, die in der Coronakrise Elternteile verloren hätten, drohe das Schicksal, als Ernährer für die Familie einspringen zu müssen, warnten die beiden UNO-Unterorganisationen. Besonders Mädchen seien von Ausbeutung betroffen und würden in der Landwirtschaft oder im Haushalt eingesetzt werden.

Bereits die wegen der Pandemie verhängten Schulschließungen, die mehr als eine Milliarde Schüler weltweit betreffen, haben nach Angaben der Organisationen nachweislich zu mehr Kinderarbeit geführt. UNICEF und ILO befürchten allerdings, dass die Zahl weiter ansteigt, auch wenn Schulen wieder öffnen. Eltern könnten zum Beispiel nicht mehr in der Lage sein, die Schulgebühren für ihre Kinder zu zahlen.

In der gemeinsamen Studie der beiden UNO-Unterorganisationen wird auch davor gewarnt, dass infolge der Corona-Krise bereits arbeitende Minderjährige noch länger und unter noch schlechteren Bedingungen arbeiten müssten.

Zwischen 2012 und 2016 wurden rund 152 Millionen Kinder zu Arbeit gezwungen

Die Organisationen forderten zum Schutz der Kinder die Abschaffung der Schulgebühren und den erleichterten Zugang armer Haushalte zu Krediten. „Wenn wir uns die Welt nach Covid-19 neu vorstellen, müssen wir sicherstellen, dass Kinder und ihre Familien die Mittel haben, die sie brauchen, um ähnliche Stürme in der Zukunft zu überstehen“, sagte die UNICEF-Direktorin Henrietta Fore.

Nach den jüngsten ILO-Schätzungen von 2017 wurden im Zeitraum von 2012 bis 2016 rund 152 Millionen Kinder zur Arbeit gezwungen, darunter 73 Millionen unter gefährlichen Bedingungen. Auch die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision stellte in einer Befragung von Familien in 6 asiatischen Ländern einen deutlichen Anstieg der Kinderarbeit fest. Von den Familien hätten 830 angegeben, dass sie durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gezwungen seien, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken. Das entspreche 8 Prozent der befragten Familien.

Auch der Papst warnt vor Kinderarbeit

Papst Franziskus warnte, dass in der Corona-Pandemie Kinder und Jugendliche vielerorts gezwungen seien, „eine ihrem Alter unangemessene Arbeit anzunehmen, um ihren Familien in extremer Armut zu helfen“, berichtete Kathpress. Auch das SOS-Kinderdorf betonte, dass die Arbeit gegen Kinderarbeit um Jahre zurückgeworfen werden könnte.
Peter Schissler, Vorsitzender von „weltumspannend arbeiten“, betonte in einer Aussendung, dass die Folgen der Corona-Pandemie „die bisherigen Erfolge im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit zunichtemachen“ könnten.

Besonders akut sei das Problem in Afrika

Dort seien fast die Hälfte der Kinderarbeiter (72,1 Millionen) zu finden. Stark betroffen von Kinderarbeit ist der Kakaosektor: Ein Bericht der Universität von Chicago, der am 29. Juni 2020 veröffentlicht werden soll, kommt zu dem Schluss, dass der Einsatz von Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen in Ghana und Cote d'Ivoire in den vergangenen 10 Jahren sogar zugenommen hat. Das teilte die Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) in einer Aussendung mit. „2,26 Millionen Kinder in der Elfenbeinküste und in Ghana sind in der Kakaoproduktion tätig, Tendenz leider steigend. Der größte Teil von ihnen muss gefährliche Arbeiten verrichten: Sie schlagen Kakaoschoten mit Macheten auf, schleppen schwere Säcke oder verspritzen Pestizide, oft in langen Schichten“, erklärte Gudrun Glocker von der Organisation Südwind.

apa/afp/stol

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