Samstag, 26. September 2015

Tagung zu nachhaltigen Alternativen der Ernährung

Wer wird die Welt ernähren? Am Tag der Entwicklungszusammenarbeit am 25. September gingen Hunderte Teilnehmer einer Tagung an der Eurac in Bozen dieser Frage nach.

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Dabei wurde über Nahrung aus verschiedenen Perspektiven und nachhaltige Alternativen reflektiert und diskutiert. Der Tag der Entwicklungszusammenarbeit wurde vom Land Südtirol gemeinsamen mit oew, Weltläden, Politis und Oxfam (Partner des Projektes „Mahlzeit“) veranstaltet. 

"Wir leben in einer komplexen Welt voller Widersprüche und die Ernährung widerspiegelt all diese Facetten", so die Organisatoren. Die Umweltschützerin und Bürgerrechtlerin Vandana Shiva hat am Abend vor 350 Menschen in der Eurac das Szenario beleuchtet: Eine Milliarde Menschen sei permanent schwerst unterernährt, zwei Milliarden Menschen hätten gesundheitliche Probleme, meinte die und Trägerin des Alternativen Nobelpreises. Die Ursache sieht sie in der Landwirtschaft, die ein Business sei. "Auf viele Anbauflächen werden Biotreibstoffe und Soja als Futtermittel für Tiere produziert. Und dann fragen wir uns wieso so viele Menschen verhungern oder nicht genug Nahrungsmittel haben. Viele Krankheiten, wie Diabetes und Krebs, werden von industriell hergestellten Lebensmitteln verursacht, weil sie nicht genug Nährstoffe haben und gesundheitsschädlich sind." Für Shiva sein dieses Produktionsmodell nicht mehr zukunftsfähig, weil es Krankheit statt Leben kreiere. 

Unser Entwicklungsmodell werde auch von vielen Ländern im Süden der Welt betrieben, auf Kosten von Mensch und Natur, sagte Shiva: intensive Bodennutzung, Einsetzung von Pestiziden, soziale Ungerechtigkeiten, Landgrabbing, Dumping, Migration. Wenige Konzerne würden die Richtung sich die Welt entwickelt, diktieren, indem sie die Saatgutproduktion und die Herstellung von Pestidizen kontrollieren. Aber 70 Prozent der Lebensmittel werde von den Kleinbauern hergestellt, nur 30 Prozent von der Agrarindustrie, so Shiva. Diese sei aber in großen Maße verantwortlich für die Umweltschäden.

Helfen könne man, indem man Kleinbauer unterstütze und faire, lokale, ökologische Produkte kaufe, darin waren sich die Teilnehmer der Tagung einig.  Auch könne man politisch aktiv werden, um das aktuelle Entwicklungsmodell mit Subventionen nicht weiter zu unterstützen

Rudi Dalvai, der den Fairhandel weltweit unterstützt, hat die globale Situation der Ernährung beleuchtet: „Im Süden der Welt wird viel kaputt gemacht, sprich Umweltverschmutzung und unwürdige Arbeitsbedingungen um Produkte anzubauen, um den Konsumwahn der Menschen im Norden der Welt zu befriedigen“. Die Multikonzerne würden zwar langsam beginnen, auf faire Werte zu setzen, doch oft geschehe dies einzig, um ein positives Image zu bewahren und nicht um einen verantwortungsvollen Beitrag zu Mensch und Natur zu geben. Daher sollte auch der Konsument lokale, faire und saisonale Produkte nachfragen, um mit seinem Druck dazu beizutragen, dass der Markt diesen Bedürfnissen immer mehr entgegenkommt.

stol