Montag, 16. August 2021

Taliban verkünden ihren Sieg

Die radikalislamischen Taliban sind ins Zentrum der Macht in Kabul vorgerückt. „Der Krieg in Afghanistan ist vorbei“: Mit diesen Worten haben die Taliban den Präsidentenpalast in Kabul besetzt und die Macht übernommen. US-Kräfte kontrollieren offenbar den Flughafen. Präsident Ghani floh - vermutlich nach Taschkent.

In Washington protestieren Menschen gegen die Machtübernahme der Taliban in Kabul.
In Washington protestieren Menschen gegen die Machtübernahme der Taliban in Kabul. - Foto: © ANSA / MICHAEL REYNOLDS
Dutzende bewaffnete Kämpfer der Miliz übernahmen die Kontrolle über den Präsidentenpalast in der afghanischen Hauptstadt, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. „Unser Land wurde befreit und die Mudschaheddin haben in Afghanistan gesiegt“, sagte einer von ihnen dem TV-Sender Al-Dschasira.

Präsident Ghani war nur Stunden zuvor ins Ausland geflohen, nachdem die Taliban mehrere Bezirke der Hauptstadt unter ihre Kontrollen gebracht hatten.

Taliban: „Der Krieg in Afghanistan ist vorbei“

Die radikal-islamischen Taliban haben die Kämpfe um Afghanistan für beendet erklärt. „Der Krieg in Afghanistan ist vorbei“, sagte Taliban-Sprecher Mohammed Naim am Sonntagabend dem Sender Al Jazeera. In Kürze werde feststehen, wie das Land künftig regiert werde. „Die Art der Herrschaft und die Regierungsform werden bald klar sein.“

Die Extremisten hatten zuvor bei ihrer überraschend schnellen Offensive auch die afghanische Hauptstadt Kabul eingenommen. Naim sagte, man versichere, dass man Staatsangehörige und diplomatische Vertretungen schützen werde. Die Taliban seien auch zum Dialog mit allen afghanischen Persönlichkeiten bereit und werde ihnen den notwendigen Schutz garantieren. Man gehe jeden Schritt verantwortungsbewusst und sei daran interessiert, mit allen Beteiligten Frieden zu haben. Was die Sorgen der internationalen Staatengemeinschaft angehe, so wollten die Taliban diese im Dialog lösen. Der Kontakt zu anderen Staaten werde gesucht, da man nicht in Isolation leben wolle.

„Wir bitten alle Länder und Organisationen, sich mit uns zusammenzusetzen, um alle Probleme zu lösen.“ Die Taliban würden heute die Früchte ihrer Bemühungen und Opfer der vergangenen 20 Jahre ernten, sagte Naim. „Wir haben das erreicht, was wir gewollt haben, nämlich die Freiheit unseres Landes und die Unabhängigkeit unseres Volkes.“ Man wolle niemandem schaden und werde auch niemanden erlauben, von Afghanistan aus andere Ziele anzugreifen. Die Taliban würden sich nicht in die Angelegenheiten anderer Seiten einmischen und keine Einmischung in ihre Angelegenheiten zulassen. Man glaube auch nicht, dass die ausländischen Streitkräfte nach ihrem Scheitern ihre Erfahrungen in Afghanistan noch einmal wiederholen wollten.

dpa/apa/stol