Mittwoch, 04. März 2020

Taliban verstärken Angriffe kurz nach Trump-Telefonat

Wenige Tage nach Unterzeichnung eines Abkommens zwischen den Taliban und den USA scheint sich die Hoffnung auf ein Ende der Gewalt in Afghanistan zu zerschlagen.

Trotz Abkommen mit den USA greifen die Taliban immer wieder an.
Trotz Abkommen mit den USA greifen die Taliban immer wieder an. - Foto: © APA (AFP) / NOORULLAH SHIRZADA
Nur Stunden nach einem Telefonat von US-Präsident Donald Trump mit dem politischen Führer der Taliban griffen die Islamisten in der Nacht auf Mittwoch Armeeposten und Polizeiwachen an und töteten mindestens 20 Soldaten und Polizisten.

Die US-Armee flog daraufhin einen Luftangriff auf Talibankämpfer. Der Luftangriff in der Provinz Helmand habe Talibankämpfern gegolten, die einen Kontrollpunkt der afghanischen Armee angegriffen hätten, erklärte US-Armeesprecher Sonny Leggett. Es habe sich um einen „defensiven Angriff“ gehandelt, um die Talibanattacke zu beenden. Leggett rief die Islamisten auf, ihre „unnötigen Angriffe“ zu stoppen und sich an ihre Verpflichtungen gemäß dem Abkommen mit den USA zu halten.

Dem US-Armeesprecher zufolgte verübten die Aufständischen allein am Dienstag 43 Angriffe auf Kontrollpunkte in Helmand. In der Nacht auf Mittwoch wurden nach Behördenangaben zudem mindestens 20 afghanische Soldaten und Polizisten bei Angriffen in den Provinzen Kunduz und Uruzgan getötet.

Trump-Telefonat kurz vor den Angriffen

Kurz vor den Angriffen hatte US-Präsident Trump mit dem politischen Taliban-Führer Mullah Abdul Ghani Baradar telefoniert und anschließend von einem „sehr guten Verhältnis“ zu dem Mullah und einem „sehr guten Gespräch“ gesprochen. Trump versicherte, die Islamisten wollten „die Gewalt einstellen“.

Am Mittwoch erklärte Armeesprecher Leggett dagegen, die Taliban schienen die durch das Abkommen eröffnete Chance auf Frieden „vergeuden“ zu wollen. Sie schienen den Wunsch der Bevölkerung nach Frieden zu ignorieren.

Die USA und die radikalislamischen Taliban hatten am Wochenende in Doha ein Abkommen unterzeichnet, das den Weg für einen dauerhaften Frieden in Afghanistan und für einen Abzug der US-Truppen aus dem Land ebnen soll. Es sieht vor, dass die USA ihre Truppenstärke in Afghanistan zunächst reduzieren. Binnen 14 Monaten sollen dann alle US-Soldaten und ihre NATO-Verbündeten abziehen.

Im Gegenzug sollen die Taliban Garantien dafür abgeben, dass sie Al-Kaida und die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekämpfen sowie Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung in Kabul beginnen.

Am Montag hatten die Taliban allerdings eine Teil-Waffenruhe mit den afghanischen Streitkräften aufgekündigt. Anschließend griffen sie Dutzende Militärstützpunkte an. Der eigentlich für kommenden Dienstag geplante Auftakt der Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung ist dadurch zunehmend infrage gestellt.

Das Friedensabkommen von Doha sieht auch einen Austausch von 5.000 gefangenen Taliban-Kämpfern gegen 1.000 Gefangene der Islamisten vor. Die Taliban sehen diesen Gefangenenaustausch als eine Vorbedingung für Gespräche. Der afghanische Präsident Ashraf Ghani lehnt dagegen jeglichen Gefangenenaustausch vor einem Beginn der Verhandlungen ab.

apa/afp