Freitag, 19. Januar 2018

Tamara Lunger und Simone Moro – Besteigung bei -70 Grad Celsius

Sie sind Expeditionspartner: Tamara Lunger aus Karneid und Simone Moro aus der Lombardei. Gemeinsam haben sie schon einige 8000er erklommen. Nun wollen sie ein Abenteuer bei minus 70 Grad Celsius starten, quer durch die Straf- und Arbeitslager der ehemaligen Sowjetunion. Es ist eine neue Art, eine Expedition zu verstehen, sagte Moro der Zeitung „La Gazzetta dello Sport“.

Die beiden Extrembergsteiger starten ihr Abenteuer am 22. Januar. - Foto: twitter/@oxigenados
Badge Local
Die beiden Extrembergsteiger starten ihr Abenteuer am 22. Januar. - Foto: twitter/@oxigenados

Alles beginnt, als Simone Moro vor einem Jahr im Winter einen Facebook-Post entdeckt, der sich auf einen Artikel des „Corriere della Sera“ über die kältesten Orte der Welt bezieht. An deren Spitze steht das sibirische Ojmjakon, an dem die Temperaturen unter die minus 70 Grad Celsius sinken.

Moro kommentiert den Post und erhält prompt eine Antwort von Roberto Valoti Alibardi. Dieser berichtet Moro, dass sein Sohn Filippo bereits für Fotografie-Aufnahmen dort war. Daraufhin sucht der Abenteurer das Gebiet um Ojmjakon nach Bergen ab und stößt auf eine Gebirgskette, deren größter Berg der Pik Pobeda ist. Ein neuer Traum erwacht in ihm: die erste Besteigung des höchsten Berges der kältesten Region.

Der Pik Pobeda im Morgenrot. - Foto: shutterstock

Auch kulturelle Bereicherung

„Es geht nicht nur darum, die Besteigung in der verrücktesten Jahreszeit zu wagen, sondern auch andere Menschen kennenzulernen, die unter diesen extremen Bedingungen leben. Nicht zuletzt ist es das Gebiet der ehemaligen sowjetischen Arbeits- und Straflager. In diesen Lagern kämpfte man ums Überleben, auch wenn die minus 4 Grad Celsius in den Lagern nichts gegen die minus 70 Grad Celsius draußen sind“, zitiert „La Gazzetta dello Sport“ den Extrembergsteiger.

Lunger war anfangs dagegen

Simone Moro muss auch die weiteren Expeditionsmitglieder überzeugen. Seine Partnerin, Tamara Lunger, die bereits mehrere 8000er mit ihm bestiegen hat, will ihn anfangs nicht begleiten, weil sie die extreme Kälte fürchtet.

Die beiden hatten im Frühjahr 2017 ihre „Kangchenjunga Skyline Expedition 2017“ gestartet, die sie am 25. Mai abbrachen. Sie hatten geplant, vom über 7000 Meter hohen Berg Kangbachen aus die anderen Gipfel zu erklimmen – und das, ohne in tiefere Lagen abzusteigen (STOL hat berichtet).

Moro plant ursprünglich Allein-Expedition

Moro will die Expedition in Sibirien anfangs alleine versuchen, höchstens mit dem Russen Oleg Saifulin, der den Berg bereits im Sommer bestiegen hatte. Doch Simone Moro schafft es, Lunger für das Abenteuer zu  begeistern und ihre Neugier auf die neue Herausforderung zu wecken.

Lange und hürdenreiche Reise

Es ist beinahe bequem: Lunger und Moro werden wider Erwarten vom Mailänder Flughafen mit einem günstigen Flug direkt nach Moskau fliegen können. Doch von dort beginnen die Umstände: von Moskau werden sie nach Yakutsk fliegen, die Hauptstadt der Region Sacha-Yakuzia. Es ist die letzte Stadt vor der Isolation. Darauf folgt ein Flug nach Ust`-Nera. Dieser Flug wird nur zweimal wöchentlich angeboten, wenn es die Wetterverhältnisse erlauben. Von dort werden Lunger und Moro 350 Kilometer mit einem Uaz-Kleintransporter auf vereisten Flüssen reisen. Straßen gibt es nicht. Bis zum Startpunkt der Expedition wird dann mit Motorschlitten weitergereist.

Karl Gabl, der Meteorologe, der sie unterstützt, wird den Extrembergsteigern anschließend das Okay für den Start der Besteigung geben. „Der Aufstieg muss so schnell wie möglich geschehen: wenn auf 1000-1200 Metern schon minus 70 Grad Celsius herrschen, wie kalt wird es erst auf 3000 Metern mit Wind? Das zweite Problem ist, dass im Februar, wenn wir den Aufstieg wagen, nur an die 5 Stunden Licht am Tag sind“, erklärt Moro „La Gazzetta dello Sport“ weiter.

Film der Expedition geplant

Zusammen mit Tamara Lunger und Simone Moro werden auch die Fotografen Filippo Alibardi und Matteo Zanga unterwegs sein, mit deren Aufnahmen Moro einen Film plant. Filippo ist der Sohn des Mannes, durch den Moro überhaupt auf diesen Teil der Erde gestoßen war.

Das große Abenteuer wird die Gruppe am kommenden Montag, den 22. Januar starten.

stol/ape

stol