„Ich habe menschliche und organisatorische Fehler gemacht, ich bin aber kein Betrüger“, sagte Tanzi vor den Richtern in Mailand, die gegen ihn den zweitinstanzlichen Prozess wegen Kursmanipulation führen.Tanzi berichtete, er habe sein ganzes Vermögen zur Verfügung gestellt, um die geprellten Anleger zu entschädigen. Allerdings wurden erst 2009 - sechs Jahre nach der Parmalat-Pleite - in drei Wohnungskellern von Tanzi 19 Kunstwerke gefunden, die dort versteckt waren - u.a. Bilder von Van Gogh, Picasso, Monet, Cézanne, Modigliani, Manet und Degas. Die Behörden schätzten den Wert der Kunstwerke auf 100 Millionen Euro.„Parmalat war ein sehr komplexes Unternehmen, das nur mit kollegialen Beschlüssen funktionierte. Ich wäre nicht fähig gewesen, eine Pleite von Milliarden Euro ohne die Beteiligung Hunderter Berater zu entwerfen“, wurde Tanzi von der Tageszeitung „La Repubblica“ am Mittwoch zitiert.Die Mailänder Staatsanwälte haben elf Jahre Haft für den Unternehmer beantragt. Haftstrafen wurden auch gegen zwei Ex-Aufsichtsratsmitglieder von Parmalat sowie gegen drei Ex-Manager der Bank of America gefordert. Erstinstanzlich war Tanzi im Dezember 2008 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Ihm werden unter anderem falsche Bilanzierung sowie Irreführung der italienischen Börsenaufsicht vorgeworfen. Vor Gericht stehen sieben weitere Angeklagte, die in erster Instanz freigesprochen worden waren. Mit einem Urteil ist am 11. Mai zu rechnen.Parmalat war Ende 2003 unter einer Schuldenlast von 14 Mrd. Euro zusammengebrochen. Die Schulden waren achtmal so hoch wie bekannt. Ein Konkursverwalter sanierte den weit verzweigten Konzern und konzentrierte die Aktivitäten erfolgreich auf das Kerngeschäft. Im Oktober 2005 kehrte das Unternehmen an die Börse zurück. Im Zusammenhang mit der Firmenpleite sind noch weitere Verfahren anhängig.apa/stol