Mittwoch, 10. März 2021

Tathergang: Als sich Schlüssel im Schloss dreht, hat er das Seil noch in der Hand

Er hat gerade seinen Vater getötet. Das Seil, mit dem er ihn stranguliert hat, hält er noch in der Hand. In dem Moment hört er, wie sich der Schlüssel im Schloss dreht: Seine Mutter sperrt die Türe auf. Kaum betritt sie die Wohnung, tötet Benno Neumair auch sie.

Im zweiten Verhör schilderte Benno Neumair den Tathergang.
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Im zweiten Verhör schilderte Benno Neumair den Tathergang. - Foto: © Screen/Youtube
Diese erschreckende Szene soll Benno Neumair, der seit 29. Jänner in vorbeugender Verwahrungshaft im Bozner Gefängnis einsitzt, den Ermittlern beim zweiten Verhör am 1. März geschildert haben.

Das erste Verhör hatte bereits am 11. Februar stattgefunden, wenige Tage, nachdem die Etsch den Leichnam von Laura Perselli freigegeben hat. Die Einvernahme wurde von der Ermittlern auf Video aufgezeichnet.

Benno Neumair unterbrach mehrmals, brach immer wieder in Tränen aus. Er hatte gerade ein Foto von seiner toten Mutter gesehen, seine Tat hatte ihn letztendlich eingeholt. Viele Details wurden bei dieser Anhörung noch nicht geklärt, aber endlich war es heraus: „Ich habe sie getötet“. Gleich anschließend hatte er die leblosen Körper seiner Eltern in die Etsch geworfen.

Banaler Streit als Auslöser

Der Auslöser dieser Familientragödie – denn das ist es abseits der juridischen Einstufung als Doppelmord – soll ein banaler Streit gewesen sein, eigentlich 2 Meinungsverschiedenheiten hintereinander.

Schon kurz nach Mittag sollen Benno Neumair und sein Vater verbal zusammengekracht sein. Da soll es darum gegangen sein, wer den Hund ausführt bzw. sich darum kümmert.

Die Stimmung war also schon angespannt, als es Bennos Schilderung zufolge am späten Nachmittag zur zweiten heftigen Auseinandersetzung gekommen sei, diesmal ging es um Geld, ein Thema, das schon des öfteren aufs Tapet gekommen sein soll. Beide redeten sich in Rage.

In seinem Zimmer bewahrte Benno Neumair ein Kletterseil auf. Er holte es – und benutzte es. Dann stand Benno da, das Seil noch in der Hand.

Da hörte er das Geräusch des Schlüssels, der sich im Türschloss drehte: Seine Mutter Laura Perselli kam nach Hause. Sie würde Peter Neumair leblos zusammengesunken am Boden im Gang vorfinden. Was sollte Benno sagen, was konnte er tun? Er tat dasselbe wie bei seinem Vater: Noch bevor sie reagieren konnte, legte er seiner Mutter das Seil um den Hals und strangulierte auch sie.

Leichen am Abend entsorgt, am nächsten Tag Spuren beseitigt

Gleich danach habe er – so zumindest schilderte der 30-Jährige den Tathergang – seine Eltern nacheinander zum Auto getragen und in den Kofferraum gelegt, durch die winterliche Dunkelheit vor möglichen neugierigen Blicken geschützt. Als er ins Haus zurückkehrte, begegnete er einem Anrainer. Dieser müsse ihm die körperliche Anstrengung wohl angesehen haben, räumte Benno Neumair ein.

Noch am selben Abend sei er zur Etsch gefahren und habe erst einen Leichnam, dann den anderen den eisigen Fluten überantwortet. Und dann sei er zu seiner Freundin nach Auer gefahren. Am nächsten Tag sei er früh aufgestanden, um nach Bozen zu fahren und die Wohnung in der Runkelsteiner Straße von biologischen Spuren zu säubern, bevor er mit dem Hund Gassi gegangen sei.

Das Seil habe er in einen Kübel geworfen, ebenso einige Tage später das Handy, das er bis dahin benutzt hatte.

rc