Mittwoch, 10. März 2021

Tauferer Ahrntal: So effektiv schützt Simba, der anatolische Hirtenhund, seine Herde

Simba ist ein anatolischer Herdenschutzhund der Rasse Kangal. Bedingungslos beschützt er seine Herde bestehend aus 250 Ziegen und 70 Lämmern. Besitzer Martin Rederlechner aus Mühlen in Taufers über diese ganz spezielle Rasse, Herdenschutz in Südtirol und welcher Anblick ihm kürzlich unter die Haut ging.

Simba ist ein anatolischer Herdenhund aus der Rasse der Kangal. Wie eng die Beziehung zwischen Hund und Herde ist, zeigt dieses rührende Video. - Foto: © Martin Rederlechner
Martin Rederlechner betreibt zusammen mit seiner Frau Monika den Huberhof in Mühlen in Taufers. Hauptberuflich hat er sich seiner Herde und dem Verkauf von Ziegenmilch verschrieben. Jetzt gerade ist Lammzeit, eine sehr intensive Arbeitszeit also, in den letzten beiden Wochen sind 70 Lämmchen auf die Welt gekommen.

Wie er erzählt, befinde sich seine Weide mit 250 Ziegen und den Lämmchen in Kematen in Taufers, etwa einen Kilometer von Mühlen entfernt. Da es sich bei dem Gebiet um ein Biotop handelt, und die Lämmchen immer wieder Fuchs und Marder zum Opfer fielen und man außerdem in der nächsten Zeit auch mit dem vermehrten Auftreten des Wolfes auch im Tauferer Tal rechne, ist Herdenschutz unerlässlich.

Kangals sind die Champions unter den Herdenschutzhunden

Deshalb gibt es nun Simba. Martin Rederlechner habe sich bewusst für den anatolischen Hirtenhund, dem Kangal, entschieden, sagt er gegenüber STOL. Der Kangal ist ein in der Türkei, speziell Anatolien, verbreiteter, sehr großer und sehr kräftiger Herdenhund. „Er ist der Champion unter den Herdenschutzhunden und in Südtirol recht selten“, so Rederlechner.



„Ich habe Simba nun seit 2 Jahren. Außerdem habe ich noch einen Pastore Maremmano aus den Abruzzen namens Paul. Die Ausbildung zum Herdenhund ist ein Prozess von Anfang an. Die Hunde wachsen in der Herde auf und bleiben in der Herde. Die permanente Nähe ist wichtig, da die Hunde so schnell ein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln und damit auch die Verantwortung auf sich nehmen, genau diese Herde eigenständig zu beschützen, wenn es notwendig wird. Diese Hunde sind genetisch bedingt auf die Tiere geprägt, nicht auf den Menschen“, so Redenlechner. Auch bei Simba war und ist das so. Sein Kampf für die Herde ist bedingungslos. Seit er die beiden Hunde hat, habe er keine Verluste durch Raubtiere mehr zu beklagen.



Keine finanzielle Unterstützung für Herdenhunde

Schade findet er deshalb, dass derzeit für den Einsatz von Herdenschutzhunden in Südtirol keinerlei finanzielle Unterstützung vorgesehen ist, obwohl der Topf aus dem groß angelegten EU-Projekt namens LIFEstockProtect in Bayern, Österreich und Südtirol, das sich umfassend dem Herdenschutz der Weidetiere widmet, mehr hergeben würde.

„Wenn man bedenkt, dass es eine sehr vorausschauende und effektive Art und Weise ist, Herden zu schützen, wie viel Aufwand dahinter steckt, die Hunde auf die Herde zu prägen und wie hoch auch die Haltungskosten sind, sollte man dies überdenken“, betont Rederlechner.



Video zeigt, wie eng das Verhältnis zwischen Hund und Herde ist

Wie eng die Beziehung zwischen den Tieren ist, zeigt ein rührendes Video, das uns Rederlechner zur Verfügung stellte. Simba unterstützt die Ziegen auch während einer Geburt und versorgt das frischgeborene Lämmchen von der ersten Sekunde an liebevoll wie eine Mutter. Simba schleckt es sauber und hilft ihm, auf die wackeligen Beine zu kommen. „Mir ging dieser Anblick unter die Haut. Diese liebevolle Beziehung zwischen Simba, den Ziegen und dem Lämmchen ist einfach einzigartig. Es war ein super Ereignis, das ich in diesem Video festgehalten habe“, so Rederlechner.



Gewisse Vorsicht für Wanderer geboten

Die Rasse des Kangal achtet also sehr darauf, seine Herde und das Revier zu verteidigen. Man spricht hier von Territorialverhalten. Seine Herde, seine Hirten und dessen Familie sind ihm heilig. Ihnen ist er treu und liebevoll ergeben. Allem Fremden gegenüber ist er aber misstrauisch und er zögert nicht, bei irgendeinem Zeichen, das er als feindlich interpretiert, auch zuzuschlagen. Aus diesem Grund hat Martin Rederlechner auch Hinweistafeln aufgestellt. Um den Hund nicht zu provozieren, sollten Wanderer in genügendem Abstand an der Umzäunung vorbeigehen, Radfahrer von ihrem Rad absteigen, Hunde an der Leine geführt werden und man sollte hektische Bewegungen vermeiden.



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