Als die Blumenfrauen die Kirche für ein Fest schmückten, fiel ihr Blick auf einen unscheinbaren Fund: eine kleine historische Taufmedaille. Genau dort, am linken Seitenaltar, wo die berühmte, um das Jahr 1400 in Salzburg oder Wien geschaffene Pietà steht, das kunsthistorisch wertvolle Bildnis der Gottesmutter, die um ihren verstorbenen Sohn trauert. Und genau um ein Kind dreht sich auch das Rätsel, das der Fund der Medaille sogleich aufgab. <h3> Die Spur führt nach Elchingen</h3>Der Brunecker Stadtarchivar Andreas Oberhofer nahm das Fundstück genauer unter die Lupe. Seine Nachforschungen führten weit über das Pustertal hinaus nach Elchingen bei Ulm im heutigen Baden-Württemberg. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1327977_image" /></div> <BR /><BR />Die Medaille stammt aus dem Jahr 1710 und wurde zur Geburt eines Mädchens namens Barbara angefertigt. Im Taufbuch von Oberelchingen fand Oberhofer tatsächlich den entsprechenden Eintrag. Neben dem Namen des Kindes befindet sich jedoch ein kleines Kreuz – ein Zeichen, das darauf hindeutet, dass Barbara möglicherweise schon kurz nach ihrer Geburt verstorben ist. Eine traurige Realität, die vor mehr als 300 Jahren viele Familien erleben mussten. Doch damit begann erst das eigentliche Rätsel: Wie gelangte die Medaille nach Bruneck?<h3>Ein weiter Weg über die Alpen</h3>Zwischen Elchingen und Bruneck oder dem Pustertal ist keine direkte historische Verbindung bekannt. Warum also fand sich die Medaille eines schwäbischen Kindes ausgerechnet in der Brunecker Pfarrkirche?<BR /><BR />Andreas Oberhofer hat dafür eine ebenso schlüssige wie berührende Erklärung. Im Barockzeitalter waren Wallfahrten über große Entfernungen hinweg keineswegs ungewöhnlich. Menschen machten sich auf den Weg zu berühmten Gnadenbildern, um Trost, Hilfe und Fürsprache zu erbitten.<BR /><BR />Möglicherweise brachten die Eltern oder Angehörigen der kleinen Barbara die Medaille selbst nach Bruneck. Denkbar ist, dass sie zu Füßen der Pietà niedergelegt wurde – als Votivgabe, als Zeichen ihrer Hoffnung und ihres Vertrauens. Die Gottesmutter, in Bruneck selbst als schmerzhafte Mutter dargestellt, galt seit jeher als Zufluchtsort für Eltern, die um das Leben ihrer kranken Kinder bangten.<BR /><BR />Dass die kleine Barbara letztlich wohl verstarb, macht die Geste der zurückgelassenen Medaille nur noch ergreifender – sie blieb als ewiges Gebet und Erinnerung im Pustertal zurück.<BR /><BR />Die Pietà, die ohnehin zu den bedeutendsten Kunstschätzen der Kirche zählt, ist durch diesen Fund um eine zutiefst menschliche Facette reicher geworden. Die kleine Barbara aus Elchingen ist zwar vor über 300 Jahren viel zu früh verstorben – durch die Aufmerksamkeit der Brunecker Blumenfrauen und die Arbeit des Stadtarchivs ist ihre Geschichte heute, im Jahr 2026, jedoch wieder lebendig geworden. Ein stummes Zeugnis von Liebe, Hoffnung und unvergessenem Schmerz, das die Zeiten überdauert hat.