Donnerstag, 12. Juli 2018

Tausende Bienen in Vilpian verendet

Tausende Flugbienen, die zu 11 Völkern gehörten, sind verendet. Das Labor für experimentelle Tierseuchenbekämpfung in Padua analysierte die Kadaver. Herausgekommen ist, dass sie durch Pflanzenschutzmittel, darunter auch das verbotene Chlorprofam, verendet sind. Der Eigentümer der Bienen, ein Imker aus dem Pustertal, hat bei der Finanzpolizei Anzeige erstattet. Landesrat Arnold Schuler befürwortet das.

Das Bienensterben in Vilpian könnte zu einer Strafanzeige führen.
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Das Bienensterben in Vilpian könnte zu einer Strafanzeige führen. - Foto: © shutterstock

„Ich habe im Frühling – wie schon seit mehreren Jahren – meine Völker nach Vilpian gebracht. Am 1. Mai um Mitternacht verfällt das Verbot zur Ausbringung bienengefährdender Mittel, also bin ich an dem Tag am Nachmittag nach Vilpian gefahren und habe da schon die ersten starren Bienen vor dem Loch entdeckt, in den folgenden Tagen war der Boden des Bienenstocks voller toter Bienen“, erzählt der betroffene Imker den „Dolomiten“. Er habe ein Honigglas voller toter Bienen ins zuständige Labor nach Padua geschickt.

Spritzmittel war tödlich

Vor kurzem erhielt er das Ergebnis und ließ es dann noch von Jens Pistorius vom Fachinstitut für Bienenschutz in Braunschweig überprüfen. „Der angesehene Fachmann hat mir bestätigt, dass die Konzentration der Spritzmittel für die Bienen tödlich war“, sagt der Imker. Es handelt sich dabei um während der Obstblüte in Südtirol verbotene Mittel, zum Großteil aus der Gruppe der Neonicotinoide, und das verbotene Chlorprofam.

Am höchsten war die Konzentration von Imidacloprid, welches unter anderem in einem verbreiteten Mittel gegen Blattläuse enthalten ist. Außerhalb der Blütezeiten ist es erlaubt. Der Imker erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Finanzpolizei in Bruneck wegen Ausbringung verbotener und bienengefährdender Mittel. Der Imker unterstreicht, dass er den „Gastgeber“ seiner Bienenstöcke als mutmaßlichen Schuldigen ausschließt. Die Staatsanwaltschaft wird über die weiteren Schritte befinden.

Erste Strafanzeige für Bienensterben

Indes herrscht in Imkerkreisen, aber auch im Assessorat für Landwirtschaft einige Aufregung. Es dürfte dies der erste Fall einer Strafanzeige infolge von Bienensterben sein. „Ich erfahre von Ihnen, dass es diesen Fall gibt“, erklärte Landesrat Arnold Schuler. Er stellte sofort Recherchen an.

„Schade, dass der Fall nicht sofort gemeldet wurde. In den Blättern werden die Stoffe nach dieser langen Zeit wohl nicht mehr nachweisbar sein“, sagt Schuler. Und diese Analysen dürften wohl grundlegend bei der Enttarnung des Schuldigen sein.

„Es ist uns allen – Imkern, Bauern und Konsumenten – ein Anliegen, dass solchen Fällen nachgegangen wird. Passiert das nicht, so wird die ganze Landwirtschaft wegen einzelner schwarzer Schafe in Verruf gebracht“, ärgert sich der Landesrat. Dabei bemühten sich Landwirte und Imker seit Jahren um gute Zusammenarbeit; „die Studie Apistox zeigt auch, dass sich so gut wie alle Bauern in der Blütezeit an das Verbot, bienengefährdende Mittel auszubringen, halten“.

Die Bauern hätten „auch zusätzliche gute Gründe, keine verbotenen Mittel auszubringen: Wer erwischt wird, kann von der Genossenschaft ausgeschlossen werden und verliert seinen Befähigungsausweis zur Ausbringung von Spritzmitteln“, sagt Schuler.

uli/D

stol