Donnerstag, 24. Oktober 2019

Tausende leuchtende Namen gegen das Vergessen

Auf 32 Glaselementen, die aufgrund ihrer Gestaltung wie eine Mauer anmuten, erleuchten ab dem morgigen Freitag die Namen der Männer, Frauen und Kinder, die während des Zweiten Weltkrieges im Bozner NS-Durchgangslager inhaftiert waren.

Bürgermeister Renzo Caramaschi bei der Vorstellung der  neuen Gedenkinstallation.
Badge Local
Bürgermeister Renzo Caramaschi bei der Vorstellung der neuen Gedenkinstallation.

Die neue Gedenkinstallation, ein besonderes Anliegen von Bürgermeister Renzo Caramaschi, wurde am Donnerstag der Presse vorgestellt und wird künftig die Außenmauer des ehemaligen nationalsozialistischen Durchgangslagers in der Reschenstraße flankieren und an die Opfer der nationalsozialistischen Gräueltaten erinnern.

Die Lagermauer ist alles, was vom ehemaligen Polizeilichen Durchgangslager Bozen geblieben ist. Das Bozner Lager, das im Juli 1944 errichtet wurde und bis zum 3. Mai 1945 in Betrieb blieb, war eines von 4 NS-Lagern, die in Italien nach dem Waffenstillstand vom 8. September 1944 entstanden sind. Für viele Häftlinge war Bozen nur eine Zwischenstation auf ihrem grausamen Weg, der sie in die Konzentrationslager jenseits der Alpen führte, von wo aus sie nicht mehr zurückkehrten.

Jahrelange Forschungsarbeit des Bozner Stadtarchivs

Die ehemalige Lagermauer ist heute ein Gedenkort, der die Verbrechen des zweiten Weltkriegs im Bewusstsein auch der kommenden Generationen wach halten soll. Durch eine jahrelange, minutiöse Forschungsarbeit ist es dem Bozner Stadtarchiv gelungen, diesen Geschichtsort aufzuwerten und im öffentlichen Gedächtnis zu bewahren. Dabei wurde das Archiv von der Vereinigung ehemaliger Deportierter, von der Partisanenvereinigung und von der Jüdischen Gemeinde unterstützt.

Die neue Lichtinstallation, auf der abwechselnd die Namen jener Häftlinge aufleuchten, von denen wir heute wissen, dass sie im Durchgangslager inhaftiert waren – und zu denen vermutlich noch viele weitere Namen dazukommen werden –, ist das Herzstück der neuen Passage der Erinnerung.

Lichtinstallation, Informationstafeln und Hörstationen

Ergänzt wird die Installation durch die neu gestalteten Informationstafeln, die eine kurze geschichtliche Einordnung bieten und Abbildungen von Originalobjekten enthalten. An mehreren Hörstationen können Erzählungen ehemaliger Deportierter abgerufen werden, die über ihre Leidenszeit im Durchgangslager Bozen berichten. Der Zugangsbereich zur Passage der Erinnerung wurde ebenfalls mit Informationstafeln versehen.

Die Gedenkinstallation wurde nach einem Konzept der Architekten Elena Mezzanotte und Peter Plattner gestaltet. Das Kernelement der Gedenktafel ist die imposante, ca. 13 m lange Glasfläche aus 32 Glasplatten, die miteinander verschweißt und in eine Rahmenkonstruktion aus pulverbeschichtetem Stahl eingelassen sind. Die Glasplatten wurden in Gusstechnik hergestellt. Hinter den Glasplatten befindet sich eine Ledwall, auf der über einen Zeitraum von 24 Stunden die Namen aller bisher identifizierten ehemaligen Häftlinge aufleuchten.

stol