Franz Pixner ist Bürgermeister der Gemeinde Riffian und Geschäftsführer der Seilbahnanlagen Hirzer GmbH. Das hindert ihn nicht, seiner großen Leidenschaft zu frönen – dem Fliegen. Hier seine spannende Geschichte. Anfang der 1980er Jahre gehörte er zu den Pionieren des Drachenfliegens ins Südtirol. <BR /><BR /> Sobald Gleitschirme auf dem Markt kamen, musste er einen haben. Und als es diese Fluggeräte motorisiert gab, probierte er sie aus. Franz Pixner hat viele Promis bei Tandemflügen kennen gelernt und war in vielen Fernsehsendungen zu sehen. Doch er hat auch einige sehr gute Freunde verloren, denen das Schicksal nicht so gewogen war wie ihm.<BR /><BR />Begonnen hat alles auf der Seiser Alm. Der damals 16-jährige Franz Pixner arbeitete dort in einem Betrieb und sah, wie sich Marco und Gabriel Kostner, die späteren Aiut Alpin-Piloten, mit Drachen in die Lüfte schwangen. „Das hat mich so fasziniert, dass ich gesagt habe. Das ist mein Sport“, erinnert er sich. Franz Pixner erwarb von Marco Kostner seinen ersten Drachen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727613_image" /></div> <BR />Der 6 Meter lange Flugdrachen war nur mit Mühe und der Hilfe des Bruders von der Seiser Alm in den Ortsteil Vernuer hoch über Riffian zu transportieren. „Ich habe ihn zuerst ein paar Mal zerlegt und zusammengebaut“, blickt Pixner zurück. Die Eltern waren skeptisch. „Sie haben gesagt: Tut euch mit dem Plunder nicht weh“, erinnert er sich.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727616_image" /></div> <BR />Auch wenn Franz Pixner die Leidenschaft schon beim ersten Zusehen gepackt hatte: „Das Drachenfliegen sah einfacher aus, als es war“, gesteht er und fing klein an. „Ich bin zuerst niedrige Hügel hinuntergeflogen.“ Dabei stellte Pixner fest, dass ein Kurs nicht schaden könnte, wenn die Passion für das Fluggerät Bestand haben sollte. „Drachen werden mit Gewichtsverlagerung gesteuert. Das ist heikel.“ Deshalb schrieb er sich im Allgäu in einen Drachenfliegerkurs ein. „In Südtirol gab es das nicht.“ Im November 1982 präsentierte Franz Pixner zu Hause stolz seinen Drachenflugschein. „Von da an war ich jede freie Minuten in der Luft“, erzählt er.<BR /><BR />Pixner segelte nicht nur von Vernuer zu Tal, mit dem Auto und dem Drachen ging es zu den besten Flugmöglichkeiten in ganz Südtirol, besonders oft erhob er sich von der Hochmut oberhalb von Dorf Tirol und dem Hirzer in die Lüfte. „So habe ich Sicherheit bekommen. 1988 bin ich sogar in Neuseeland mit dem Drachen geflogen“, erinnert er sich.“ Dass es in der westlichen Landeshälfte mit Franz Platzgummer aus Schlanders, Joe Haller aus St. Leonhard sowie Helmuth Höfler und Georg Innerhofer aus Schenna 4 weitere Drachenflieger gab, erfuhr Franz Pixner erst später.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727619_image" /></div> <BR />Mit der Zeit wollten auch Pixners Kollegen die Welt von oben sehen. So kaufte er einen Tandemdrachen. „Ich bin oft mit Kollegen geflogen“, erinnert sich Franz Pixner. Auch Axel Dilitz, der verstorbene Vizebürgermeister der Gemeinde Tirol, war unter den prominenten Fluggästen, die sich schon damals vertrauensvoll in die Hände Pixners begeben haben. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727622_image" /></div> <BR />Auf die Dauer genügte das Drachenfliegen mit und ohne Kollegen dem Pioniergeist Pixners nicht. Es musste etwas Neues her: ein motorisierter Flugdrache. „In der westlichen Landeshälfte hatten nur Franz Platzgummer und ich einen solchen Drachen“, blickt Pixner zurück.<BR /><BR />Dann wurden Gleitschirme entwickelt. Sie kamen aus den USA. Franz Pixner war einer der ersten in Südtirol, der einen Gleitschirm besaß und das Paragliden ausprobierte. „Für Gleitschirme haben sich viele Junge begeistert“, erinnert er sich. „Sie sind einfacher als Drachen zu transportieren, leichter in Seilbahnen und auf den Berg zu bekommen und schneller aufzubauen. Außerdem genügen kleinere Landeplätze.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727625_image" /></div> <BR />Nach vielen Flügen allein kam es, wie es kommen musste: Die Kollegen wollte mitfliegen. Das war Ende der 1980er Jahre. Franz Pixner machte eine Ausbildung und kaufte sich seinen ersten Tandemschirm. „Mit mir sind Menschen von 4 bis 100 Jahre mitgeflogen“, ist er stolz. Der älteste Tandem-Fluggast war der Meraner Giovanni Scaldaferro, der an seinem 100. Geburtstag mit Pixner in die Lüfte stieg.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727628_image" /></div> <BR />Vermutlich wäre es einfacher und schneller all jene aufzuzählen, die nicht mit Franz Pixner mitgeflogen sind. Bischof Ivo Muser, Markus Lanz, Gianna Nannini und Melissa Naschenweng, der frühere Landesrat Michl Laimer, Pater Paul Hofer vom Liebeswerk in Meran, der früheren Meraner Bürgermeister Franz Alber und Kardinal und Erzbischof Odilo Pedro Scherer aus São Paolo in Brasilien, der 2019 Papstanwärter war, sind nur einige der unzähligen Fluggäste, die mit Franz Pixner am Tandemschirm hingen. „Ich bin häufig auch für Fernsehsendungen geflogen“, erinnert er sich.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727631_image" /></div> <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727634_image" /></div> <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727637_image" /></div> <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727640_image" /></div> <BR />Sein Neugier ließ ihn ausprobieren, wie man mit einem Rollstuhlfahrer im Tandem zu Tal segeln kann. „Da braucht es eine ganze Mannschaft, die hilft“, hat Franz Pixner die Erfahrung gemacht, Rollstuhlfahrern aber viele Glücksmomente geschenkt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727643_image" /></div> <BR /><BR />„Es gab Zeiten, da habe ich jede freie Minute dem Fliegen gewidmet“, resümiert er. Natürlich war Südtirol bald zu klein für den leidenschaftlichen Gleitschirmflieger. Er sei in halb Europa geflogen, erinnert er sich.<BR /><BR />1985 gründete Franz Pixner mit Gesinnungsgenossen den Fliegerclub Adlerhorst Dorf Tirol, der offiziell 1991 aus der Taufe gehoben wurde. Bis 2019 war er dessen Präsident. Seither ist er Ehrenpräsident des Vereins. „Wir hatten bis zu 50 Mitglieder“, berichtet Pixner. 10 Jahre lang flog der Nikolaus, organisiert vom Fliegerclub Adlerhorst, mit dem Gleitschirm von der Hochmut oberhalb von Dorf Tirol zum Meraner Krankenhaus, um Kinder zu beschenken, teilweise sogar mit einer Kutsche.<BR /><BR />Franz Pixner wollte aber auch an diesem Punkt nicht stehen bleiben, sondern Neues ausprobieren. 1995 kaufte er sich seinen ersten Motorschirm. „Man kann damit auf einer ebenen Wiese starten und übers Land fliegen, solange das Benzin reicht“, erklärt er lapidar die Vorzüge der Motorisierung.<BR /><BR />In jungen Jahren nahm Pixner an Wettbewerben teil. „Ich war nicht schlecht“, meint er „Aber für Wettbewerbe braucht man viel Zeit. Die hatte ich immer weniger.“ Heutzutage sind diejenigen, die an Wettbewerben teilnehmen Profis, wie zum Beispiel der Meraner Aaron Durogati, der sich als Gleitschirm-Wettkampfpilot bezeichnet.<BR /><BR />Was fasziniert Franz Pixner am Fliegen? „Es ist die Freiheit in der Luft, die Möglichkeit zu fliegen. Das war schon als Kind mein Traum. Die Anschaffung ist nicht billig, aber das Gefühl in der Luft ist einfach toll.“ Pixner ist ein großer Kommunikator. Deshalb verwundert es nicht, dass er meint: „Das Fliegen ist kein einsamer Sport. Die Kollegialität und die Freundschaft sind groß. Es gibt immer viel zu erzählen.“<BR /><BR />Aber das Gleitschirmfliegen ist nicht ungefährlich. „Wenn die Wetterbedingungen stimmen, ist man recht sicher unterwegs“, ist Pixner überzeugt. Vom Himmel fallen könne man nicht, aber er habe schon brenzlige Situationen erlebt. 2-mal sei er einem Gewitter knapp entkommen.<BR /><BR />In den über 40 Flugjahren verlor Franz Pixner Freunde und Bekannte: „In all den Jahren sind 9 Piloten gestorben, die ich kannte. 3 davon waren meine besten Freunde: Stefan Silbernagel ist 2011 am Vigiljoch abgestürzt, Rolando Durogati 2012 bei einem Wettbewerb in Südafrika tödlich verunglückt, Florian Haller beim Speed-Gliden am Hirzer gestorben. Wenn so etwas passiert, sind das Momente, in denen man nachdenkt.“ Pixner selbst hat sich nur einmal verletzt: Beim Landen auf der Tarscher Alm trat er mit einem Bein in ein Loch und brach sich den Knöchel.<BR /><BR />Inzwischen vermeide er jede Gefahr, unterstreicht Pixner. Aber das Fliegen mache ihm immer noch Spaß. Weshalb er auch auf 200 bis 300 Flüge pro Jahr komme. Das Fliegen sei ein guter Ausgleich zu seiner Arbeit. Wirklich sportlich müsse man dafür nicht sein. Man müsse es halt bis zum Startplatz schaffen, schmunzelt Pixner. In den über 40 Jahren als Flugpilot besaß er 7 verschiedene Drachen, 2 Motordrachen, 15 Gleitschirme und 3 Motorschirme. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727646_image" /></div> <BR />Auf Anekdoten angesprochen, fallen Franz Pixner gleich mehrere ein. Einmal habe eine Frau ihrem Ehemann einen Tandemflug mit Franz Pixner vom Hirzer zum Geburtstag geschenkt. Er sei mit seinem Gast über das vordere Passeiertal geflogen, als er bemerkt habe, dass seinem Tandem übel wurde. „Ich bin sehr vorsichtig gelandet“, erinnert sich Pixner. Die Ehefrau sei auf ihren Mann zugegangen und habe ihn gefragt, wie es ihm gefallen habe. Anstelle einer Antwort habe sich dieser übergeben.<BR /><BR />„Es gab Kollegen, die haben einem anderen Kollegen einen Tandemflug geschenkt, obwohl sie wussten, dass diese sich fürchten würde“, erzählt Pixner. „Manche von ihnen haben vom Start bis zu Landung die Augen nie aufgemacht.“<BR /><BR />Pixners Großonkel Jos schaffte es als 86-Jähriger nach einem Tandemflug ins Fernsehen. Franz Pixner begleitete ihn 1992 zu den Sendungen „Ultimo Minuto“ und „Mattina 2 nach Rom, weil Jos Pixner nicht Italienisch sprach. Auf die Frage des Moderators, wie er zum Fliegen gekommen sei, antwortete der Großonkel auf Deutsch: „Das macht mein gutes Blut.“ Franz Pixner übersetzte allerdings: „Es war schon mein Kindheitstraum, wie ein Vogel zu fliegen.“ „Daheim haben sie mir danach gesagt, dass ich als Übersetzer nichts tauge“, lacht Pixner.<BR /><BR />Sehr verunsichert hat ihn einmal ein Holländer, der einen Tandemflug von der Hochmut bei ihm gebucht hatte. „Die Thermik war schlecht und wir sind nach nicht einmal 20 Minuten in Dorf Tirol gelandet“, erinnert sich Pixner. Nach der Landung fragte ihn der Holländer, ob man das Wetter als Gleitschirmpilot gut einschätzen können müsse, ob man den Landeplatz gut kennen müsse und vieles mehr. „Ich habe übertrieben, weil ich den Eindruck hatte, dass dem Holländer der kurze Flug zu teuer war“, erzählt Pixner. Doch dann stellte sich heraus, dass es reines Interesse war. Der Holländer war Kapitän einer Boeing 747. „Wir haben Tränen gelacht“, erinnert sich Pixner.<BR /><BR />Auch einen Heiratsantrag in der Luft hat er miterlebt. „Die Frau ist mit mir geflogen, der Mann mit meinem Kollegen“, berichtet Pixner. Über Funk kamen der Heiratsantrag und das Ja. Nach der Landung warteten schon Rosen und Sekt. <BR /><BR />Nach dem 10.000. Flug hat Franz Pixner zu zählen aufgehört. Das Fliegen ist aber seine Leidenschaft geblieben. „Ich fliege das ganze Jahr, aber thermisch sind die schönsten Monate April bis Oktober“, schwärmt er.