Samstag, 27. März 2021

Tele-Marketing für Strom und Gas – „Gute Angebote verfallen nicht so schnell“

Südtirol scheint für Call-Center aus anderen Regionen, die Strom- oder Gasverträge an den Mann und die Frau bringen wollen, immer mehr zum Eldorado zu werden. Die Verbraucher sind von der Vielzahl der widersprüchlichen Informationen, die ihnen am Telefon serviert werden, zu Recht verwirrt. Bei Zweifeln oder auch Hilfe für den Rücktritt von einem voreilig abgeschlossenen Vertrag stehen die Berater der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) jederzeit zur Verfügung.

Der telefonische Kanal ist laut der Verbraucherzentrale Südtirol selten der richtige für eine Entscheidung, die viele Zahlen und Details involviert.
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Der telefonische Kanal ist laut der Verbraucherzentrale Südtirol selten der richtige für eine Entscheidung, die viele Zahlen und Details involviert. - Foto: © shutterstock
Ende des geschützten Marktes für Haushaltskunden am 1. Jänner 2023

Mit dem Tausendfristen-Dekret (cd. decreto milleproroghe) wurde das Ende dieser Marktform erneut nach hinten verschoben; dies betrifft sowohl Verbraucher als auch Kleinunternehmen. Eine gute Neuigkeit für all jene, die sich noch kein Angebot am freien Markt gesucht hatten (dies sind gut 40 Prozent der Familien): sie haben nun mehr Zeit für eine gut überlegte Wahl des Anbieters.

Der freie Markt, ein Tummelplatz für Stolpersteine

Der Strommarkt ist heiß umkämpft: über 700 Anbieter zählt das Verzeichnis der Energieverkäufer bei der Aufsichtsbehörde ARERA. Die Angebote sind unüberschaubar zahlreich, und von vielen ist klar abzuraten, sind sie doch im Durchschnitt um 26 Prozent teurer als der geschützte Markt mit seinen staatlich festgelegten Preisen (Zahlen ARERA 2019).

Jeden Tag verfangen sich Frau und Herr Südtiroler in den „Fallstricken“ solcher Anbieter, die häufig am Telefon mit geschicktester Rhetorik schmackhaft gemacht werden. Auch eine Untersuchung von IRCAF zeigt, dass nur 9 Prozent der Angebote am freien Markt günstiger sind. Im Fazit ist dieser bis heute ein Flop, und nur große Vorsicht auf die Details des Angebots sichert eine Kosteneinsparung zu - Vergleichen wird zum Pflichtfach.




Ein Blick auf die Zahlen macht schnell deutlich, dass ein Unterzeichnen dieses Vertrags ein GAU auf der Kostenseite ist. Wer wenig verbraucht, zahlt (vor Steuern) mit diesem Vertrag 780 Euro pro Jahr, statt der 307 Euro, die der staatliche Tarif vorsehen würde. Preisdifferenz + 125 Prozent, Einsparung Fehlanzeige.

Jüngst zirkulieren auch Angebote, bei denen die Skonti an datenschutz-technisch fragwürdige Manöver gekoppelt sind: hier müssen, um Zugang zum laut Unterlagen doch günstigen Tarif zu erhalten, die Daten von 10 weiteren Interessenten genannt werden, wobei der Unterzeichner die volle Haftung der Datenverarbeitung übernehmen muss. Da dies unserer Einschätzung nach keinesfalls normenkonform sein kann, haben wir dazu den Garant für den Datenschutz befragt.

Grundsätzlich keine persönlichen Daten am Telefon durchgeben

Unser Rat: Der telefonische Kanal ist selten der richtige für eine Entscheidung, die viele Zahlen und Details involviert. Rein rechtlich ist der Abschluss per Telefon unter bestimmten Bedingungen jedoch gültig.

Grundsätzlich sollten persönliche Daten, Zählernummern und schon gar nicht die Bankkoordinaten am Telefon durchgegeben werden. Wenn Sie dennoch beschließen, am Telefon zuzustimmen, sollten Sie den Namen der Firma festhalten, damit Sie gegebenenfalls von der 14-tägigen Frist für den Vertragsrücktritt Gebrauch machen können.

stol