Donnerstag, 18. Juni 2020

„Telefonseelsorge ist für jeden da“

Sie wurde mitten im Corona-Sturm ins Boot der Telefonseelsorge von Caritas und Vinzenzgemeinschaft geholt; am 1. Juni übernahm sie offiziell das Ruder. Monika Steger tritt in die Fußstapfen von Silvia Moser, die sich im Interview des Tagblatts „Dolomiten“ als „Aufbauerin“ bezeichnet hatte.

Nicht nur wer verzweifelt ist, sondern auch wer einfach einen Ansprechpartner braucht, ist bei der Telefonseelsorge an der richtigen Adresse.
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Nicht nur wer verzweifelt ist, sondern auch wer einfach einen Ansprechpartner braucht, ist bei der Telefonseelsorge an der richtigen Adresse. - Foto: © Jens Schierenbeck - dpa - gms
Ob sich Monika Steger deshalb als „Reformatorin“ versteht und was sie dazu bewogen hat, die Leitung der Telefonseelsorge zu übernehmen, erzählte sie den „Dolomiten“. „Telefonseelsorge ist für jeden da“, sagt die neue Leiterin.

„Dolomiten“: Frau Steger, womit haben Sie sich vor der Telefonseelsorge beschäftigt?

Monika Steger: Ich arbeite seit 20 Jahren im sozialen Bereich – vor der Telefonseelsorge habe ich im Arbeits- und Wohnbereich gearbeitet, mit Menschen mit psychischen Problemen, mit körperlich-geistiger Beeinträchtigung, mit Autismus, Seniorenbegleitung…

„D“: Sie haben das Ruder der Telefonseelsorge gerade jetzt, in einer sehr schwierigen Zeit, übernommen...

Steger: Die Telefonseelsorge ist gut aufgebaut – jeder weiß, was er zu tun hat. Mir ist es jetzt wichtig, die Freiwilligen und die Netzwerkpartner kennenzulernen. Mir ist es aber auch wichtig, nach außen noch mehr zu vermitteln: Die Telefonseelsorge ist nicht nur für Menschen da, die ein riesengroßes Problem haben oder gar nicht mehr wissen, wohin. Die Telefonseelsorge ist für jeden da, der auch nur reden oder etwas loswerden möchte.

„D“: Trotzdem wäre diese Herausforderung für viele zu groß gewesen.

Steger: Ich habe aus meiner Lebens- und Arbeitserfahrung heraus ein großes Vertrauen ins Leben entwickelt. Ich gehe diesen Weg einfach weiter. Denn wenn man in einer Gesellschaft lebt, kommt man nicht drum herum, gut zusammenzuarbeiten, sonst muss man aussteigen.

„D“: Vom persönlichen Kontakt auf Telefon- beziehungsweise Mailverkehr umsteigen: Ist das nicht auch „aussteigen“?

Steger: Ja, irgendwo schon. Nach 20 Jahren habe ich ganz fest gespürt, dass es Zeit ist, etwas Neues zu tun. Was natürlich immer mit Menschen zu tun hat. Ich dachte, jetzt braucht es eine Veränderung. Und sobald ich davon gehört habe, habe ich mir gedacht: Des isch meins. In der Telefonseelsorge haben wir über 80 Freiwillige, die man begleiten muss, Mehrfachanrufer, neue Anrufer, es gibt viel Austausch – also bin ich doch immer noch in meinem Arbeitsbereich. Es ist vielfältiger – auf einer anderen Ebene.

„D“: Ihre Vorgängerin bezeichnete sich selbst als „Aufbauerin“ – sehen Sie sich als Reformatorin?

Steger: Sicher werde ich einiges anders angehen, weil ich einfach von der Arbeitserfahrung her aus einem anderen Bereich komme. Sicher wird es in nächster Zeit Veränderungen geben, aber im Moment ist es zu früh, um zu sagen, worin sie bestehen werden. Ich sehe mich nicht darüber hinaus, nach einem Monat schon zu sagen: „Ich weiß, wo die Telefonseelsorge hingeht, wo die Schwerpunkte sind und was ich umsetzen möchte.“ Das wäre zu früh und nicht wertschätzend den Mitarbeitern gegenüber. Es geht nicht nur um mich, wir müssen gemeinsam Wege und Lösungen finden. Änderungen finden im Rahmen der Gesamt-Caritas und deren Leitbild statt. Ich sehe mich eher als Begleiterin für den Dienst: Ich bin da und werde sie unterstützen.


Interview: Michele Manca

d